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LOKALMELDUNGEN - NÜRNBERG  

Hauptschüler reisen kritisch durch die Welt

Künstler und Wissenschaftler aus neun Ländern erzählten von ihrer Heimat
 Hauptschüler reisen kritisch durch die Welt
Foto: Eduard Weigert
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Durch die Welt reisen, obwohl noch gar keine Ferien sind - das haben zehn Hauptschulklassen mit Künstlern aus neun Ländern erleben dürfen.

Reisen bildet bekanntlich. Dass Reisen aber ein dehnbarer Begriff sein kann, haben die Projekttage »Weltreisen in Nürnberg 2010« für Hauptschulen bewiesen. Ohne das Schulgebäude verlassen zu müssen, haben die Fünft- bis Siebtklässler aus sechs Hauptschulen ein bisschen die Welt kennengelernt.

Ob es nun die Krux der Globalisierung beim Anbau von Bananen war, das Kennenlernen exotischer Landschaften wie den Popo-See oder die Diskussion über Kindersoldaten in Uganda - die Dozenten, die das Kulturamt für die Projekttage zusammenstellte, hinterließen nachdenkliche und lachende Gesichter zugleich.

Die »Reiseleiterin« durch Bolivien ist Carmina Velasco. Sie ist in La Paz, der Hauptstadt von Bolivien, geboren. Seit 18 Jahren lebt sie in Nürnberg, studierte hier an der Akademie der Bildenden Künste und wirkt nun als freischaffende Künstlerin. Den Hauptschülern erzählte sie von ihrem Heimweh, dass sie die Obststände am Straßenrand vermisst und den Titicaca- und Popo-See, was selbstredend großes Gelächter erntete.

Gemeinsam stellten sie Obstsalate zusammen, schälten und probierten verschiedene Früchte. »Für einige Kinder war es das erste Mal, dass sie Obst geschält haben«, berichtet sie. Weniger gefremdelt hatten die Kinder beim Land USA. Georg Barth von dem Baseball-Team »Fürth Pirates« sang mit den Kindern ein Lied zu einem alten Baseball-Ritual, dem »seventh-inning stretch«. In amerikanischen Stadien schütteln die Zuschauer im siebten Inning noch einmal Arme und Beine aus, bevor es in den Endspurt des Spiels geht. Die 5a der Friedrich-Staedler-Schule beherrschte am Ende die Regeln so, dass sie ein Spiel austragen konnten.

»Oh, wie schön ist Panama«

Ernsthafteres hatten die Vertreter der Länder Panama, Japan und Uganda zu erzählen. Marta Lucia de Gerdes aus Panama unterrichtet im Alltag Studenten in Sprachanthropologie. Mit den Fünftklässlern der Hauptschule Buchenbühl sang sie das Janosch-Lied »Oh, wie schön ist Panama« und ließ sie nach der Schilderung ihrer Heimat Collagen malen.

Das in Fürth lebende Künstlerehepaar Kunihiko und Atsuko Kato falteten in der Origami-Technik Kraniche aus Papier und erzählten von den Atombomben-Abwürfen auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945. »Für die Kinder war das ein Bericht über eine andere Zeit und sie sahen darin kaum Bezug zur Gegenwart«, resümiert die Malerin Atsuko Kato.

Dass das so ist, wertet aber Samuel Wandira aus Uganda als ein positives Zeichen. »In den Hauptschulklassen sind Kinder mit so unterschiedlichen Wurzeln, da lernen sie bereits, dass mehrere Nationen friedlich zusammenleben können.«

Martin Schano
8.7.2010
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