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Dass im Amateurfußball komplette Spieltage abgesagt werden, ist so selten nicht - bislang aber nur im Winter. Nach dem Willen von Max Habermann, Spielleiter im Fußballkreis Erlangen/Forchheim, soll es künftig auch Hitzefrei für Fußballer geben, der Gesundheit wegen. Die EN befragten dazu den Fürther Sport- und Allgemeinmediziner Dr. Rainer Müller-Hörner (43), der früher einer der besten deutschen Triathleten war und als Arzt vorübergehend die Fußballprofis des 1. FC Nürnberg betreute.
Herr Müller-Hörner, ist der Klimawandel inzwischen schon so schlimm, dass man im deutschen Hochsommer nicht mehr guten Gewissens Fußball spielen darf?
Müller-Hörner: Nein. Wenn jemand jung, gesund und körperlich belastbar ist, muss man sich bei einer Belastungszeit von zwei Mal 45 Minuten noch keine allzu großen Sorgen machen. Vorausgesetzt, es ist nicht zu viel Ozon in der Luft, was vor allem Asthmatikern zu schaffen machen könnte. Doch nur wegen der Hitze, die sich für jeden Einzelnen trotz des Klimawandels nicht anders anfühlt als vor 30 Jahren, irgendwelche Regelungen einzuführen, halte ich für überflüssig. Nur zum Beispiel: Letztes Wochenende, beim Ironman in Frankfurt, waren die Triathleten acht bis 15 Stunden in der Sonne unterwegs.
Die Fußball-Amateure sind aber nicht alle so trainiert wie sie das vielleicht sein sollten.
Müller-Hörner: Natürlich kommt es auf die Spielklasse und den individuellen Zustand jedes einzelnen Spielers an. In der Landesliga, vielleicht auch noch ein wenig darunter, sind die Fußballer, meiner Meinung nach, heutzutage in der Regel so fit, dass ich sie schon als Leistungssportler bezeichnen möchte.
In der A-Klasse gehen manche erst zum Frühschoppen, bevor sie bei 38 Grad Fußballspielen.
Müller-Hörner: Das ist halt blöd. Alkohol ist natürlich fatal, weil er harntreibend ist, dem Körper also Flüssigkeit raubt und den Kreislauf belastet. Da braucht sich dann niemand wundern, wenn er zusammenklappt. Aber die Leute sind ja alle volljährig.
Nicht ganz, wie kann etwa ein Jugendtrainer erkennen, ob einer seiner Schützlinge gerade kurz vor dem Austrocknen ist?
Müller-Hörner: Wenn jemand über Schwindel, Kreislaufprobleme oder Kopfschmerzen klagt, muss er sofort runter vom Platz. Er sollte heutzutage auch kein Problem sein, zur Vorbeugung für ausreichend Flüssigkeitszufuhr zu sorgen.
Wie viel sollte man denn trinken, um 90 Minuten durchzustehen?
Müller-Hörner: Wenn es draußen mehr als 30 Grad hat, verliert ein Spieler schon zwischen zwei und vier Liter Flüssigkeit.
So viel kann er aber während des Spiels gar nicht trinken?
Müller-Hörner: Stimmt. Man sollte deshalb vor dem Anpfiff ordentlich trinken, selbstverständlich keine zwei Liter, weil das schleppt man dann schwer mit sich herum. Möglich sind binnen einer halben Stunde zwei Mal jeweils ein Viertelliter und in der Pause nochmal ein halber Liter. Wenn man insgesamt einen Liter intus hat, dürfte eigentlich nichts passieren, weil dann der Gesamtverlust nicht zu drastisch ausfällt.
Was sollte man trinken?
Müller-Hörner: Der Durchschnittssportler braucht diese ganzen Elektrolytgetränke gar nicht. Da tun es eine Apfelschorle, Mineralwasser oder vielleicht auch ein alkoholfreies Bier.
Interview: Kurt Heidingsfelder |