Nachrichten und Informationen aus FrankenNuernberger Nachrichten aktuellNuernberger Zeitung aktuell »In 17 Minuten ins Herz der Großstadt«
   
 

»In 17 Minuten ins Herz der Großstadt«

Jörg Schäfer über die Untersuchung der IG Bibertbahn zur Machbarkeit der Bibertbärbel
 »In 17 Minuten ins Herz der Großstadt«
FÜRTH Land - Daten über die Reaktivierung der Bibertbahn, wie sie der VGN jetzt mit dem Fürther Landkreis und Zirndorf sowie Oberasbach per Gutachten ermitteln lässt, hat ein Kreis engagierter Bahnfreunde bereits 2004 vorgelegt. Unter dem Titel »Mit der Bibertbahn in die Zukunft« hatte die Interessengemeinschaft Bibertbahn (IGBB) Kosten und Wirtschaftlichkeit einer Regionalbahn auf der stillgelegten Trasse in den Westen des Landkreises abgeschätzt. IGBB-Sprecher Jörg Schäfer hat die Zahlen nun aktualisiert.

2004 ging die IG von 7,5 Millionen Euro aus, die in die Strecke investiert werden müssten. Ihr damaliges Ergebnis war, dass sie mit 4500 Fahrgästen täglich kostendeckend zu betreiben wäre. Wie sehen die Zahlen heute aus?

Schäfer: Beim Fahrgastpotenzial, das niemand in Zweifel zieht, kann man von der gleichen Zahl ausgehen. Nur für die Instandsetzung der Strecke von Nürnberg-Stein bis Leichendorf kalkulieren wir mittlerweile mit 15 Millionen. Die dicksten Brocken sind die Brückensanierungen, für die wir fünf Millionen Euro aus dem U-Bahn-Gutachten übernommen haben. Die U 3 sollte zwischen Fürth Süd und Altenberg auf der Bibertbahntrasse fahren, weshalb die Ingenieure das detailliert untersuchten.

Das größere Problem sind für die öffentlichen Haushalte genauso wie in der Privatwirtschaft nicht die Bau-, sondern die Folgekosten.

Schäfer: Genau. Die Instandhaltung der Strecke wäre Sache von Landkreis, Zirndorf und Oberasbach. Geht man von einer üblichen Belastung von acht Prozent der Investitionen aus, kommt man auf 1,2 Millionen Euro für den Unterhalt im Jahr. Und die bleiben auch nicht komplett an den Kommunen hängen.

Wieso?

Schäfer: Mindestens die Hälfte kann sich der Infrastrukturunternehmer, der das Netz unterhält, von dem Verkehrsunternehmer, der es für seine Linien nutzt, über die Trassenbenutzungsgebühr zurückholen. Der wiederum rechnet diese Gebühr in den Preis ein, den er vom Freistaat dafür verlangt, dass er die Züge auf der Bibertbahn fährt. Das ist sehr komplex geregelt und für Außenstehende schwer durchschaubar. Jedenfalls kommt so von den Folgekosten des Baus indirekt mehr als die Hälfte vom Freistaat zurück, das war nur niemandem so recht bewusst.

So weit der Unterhalt der Infrastruktur, dann wäre da noch der Linienbetrieb.

Schäfer: Wenn die Strecke betriebsbereit ist und der Gutachter mindestens 1000 Fahrgäste am Tag prognostiziert, bestellt der Freistaat, vielmehr seine Tochter, die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die Züge. Und diese Zusage liegt auch für die Bibertbahn schriftlich vor.

Wie läuft es im Detail?

Schäfer: Die BEG schreibt die Linien unter Verkehrsunternehmern aus, der günstigste Bieter erhält den Zuschlag. Der Freistaat überweist dann je gefahrenen Eisenbahn-Kilometer den vereinbarten Betrag, aktuell liegt der im Schnitt bei neun Euro. Unserer Berechnung zufolge könnte ein S-Bahn-Verkehr auf der Bibertbahn mit knapp acht Euro je Kilometer, also günstiger als zu den derzeit in Bayern üblichen Bedingungen, bestellt werden. Und wir haben da nicht extra günstig kalkuliert.

Der Verkehrsplaner Stephan Krug hat die Stadt Nürnberg als Zwischenergebnis zu deren Nahverkehrsplan jetzt wissen lassen, dass sich U-Bahn-Verlängerungen nur noch nach Stein/Mitte oder Eibach lohnen würden. Was könnte das für eine reaktivierte Bibertbahn bedeuten?

Schäfer: Auch wenn Krug das öffentlich nicht gesagt hat, heißt es natürlich auch, dass sich die U 3 bis Bahnhof Gebersdorf, der direkt neben dem Bibertbahnhalt Fürth Süd läge, nicht rentiert. Wir haben bei einem Gespräch im Landratsamt leider erfolglos darauf gedrungen, die Bibertbahn auch unter diesem Aspekt zu beleuchten. Wenn überhaupt, wäre die U3 frühestens 2025 in Gebersdorf. Da könnte die Bibertbahn schon zehn Jahre fahren und böte auch bei Fürth Süd eine attraktive Direktanbindung ins Herz der Großstadt. Auf unsere Anregung hin wird nun eine durchgehende S-Bahn von Nürnberg-Hauptbahnhof über Altenberg nach Leichendorf untersucht. Moderne Triebwagen brauchen dafür nur 17 Minuten und sollen im Berufsverkehr alle 20, tagsüber alle 30 Minuten fahren.

Ihre Zahlen liegen ab September in Form des »Bibertbahn-Buches« vor, erst Ende des Jahres ist mit der Fertigstellung der »offiziellen« Studie zu rechnen. Was erhoffen Sie sich von dem Gutachten?

Schäfer: Ich gehe davon aus, dass es unsere Aussagen im Wesentlichen bestätigt. Letztlich geht es dabei um eine belastbare Unterlage mit der Unterschrift eines Ingenieurs, die man dem Freistaat präsentieren kann. Damit kann es in die nächste Runde gehen. Vorausgesetzt, der politische Wille ist da und man macht Nürnberg klar, dass der Landkreis diese S-Bahn-Lösung will. Und die Politiker müssen natürlich den Freistaat beim Wort nehmen, dass er die Züge bestellt, wenn die Trasse wieder steht. Denn das dürfte inzwischen auch klar sein: Wenn die Bibertbahn nicht kommt, ist der Zug für einen schienengebundenen Nahverkehr in den westlichen Landkreis abgefahren. Interview: SABINE DIETZ
9.7.2010
Mehr vom aktuellen Tagesgeschehen lesen Sie in Ihrer Zeitung. Jetzt abonnieren Link auf ein externes Angebot
 
  © NORDBAYERN.DE