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Was bleibt für Südafrika nach der WM?

 Was bleibt für Südafrika nach der WM?
NÜRNBERG - Etwa zwölf Stunden dauert ein Flug von Frankfurt nach Johannesburg. Der Jet überquert den Maghreb, die Sahelzone, den Äquator – Gebirge, Wüsten, Regenwalder und Steppen wechseln sich ab. Staubige Pisten sehen die Passagiere von oben, landwirtschaftliche Nutzflächen und ungeheuere Brachen. Menschen erkennen sie nicht. Doch die Bilder von Hirten, Stammeskriegern, lumpigen Hütten, ausufernden Slums, von bekifften Kindersoldaten und Flüchtlingskolonnen sind hinlänglich bekannt.

Afrika – ein trostloser Kontinent. Die Fußballweltmeisterschaft am Kap hat vielleicht einen Hoffnungsstrahl gebracht; das Interesse für kurze Zeit aufflackern lassen; da und dort ein Nachdenken ausgelöst. Aber bald wird die WM-Karawane weitergezogen sein.

»Die Kraft Afrikas« lautet der trotzige Titel einer Veranstaltung im Caritas-Pirckheimer-Haus am Sonntag, 18 Juli. Dabei soll versucht werden, einen Kontinent weiter im Auge zu behalten, der verkannt, verachtet und ausgebeutet nun wieder denen überlassen bleibt, die an seiner Prosperität letztlich nicht interessiert sind.

»Die Kraft Afrikas« ist auch der Titel des jüngsten Buches von Rupert Neudeck, eines Journalisten, der immer wieder seine sichere Position eines unbeteiligten Beoachters aufgegeben hat, um gegen den Strom zu schwimmen, wie sein Engagement für die Hilfsorganisation Cap Anamur zeigt, die er gegründet hat oder die Idee einer Freiwilligentruppe namens »Grünhelme«.

Neudeck hat Afrika nicht aufgegeben. Natürlich legt er seine Finger in die Wunden. Er weiß, dass die selbst ernannten Eliten Afrikas Blutsauger sind, die ihre Landsleute ausbeuten; skrupellos Menschen über die Klinge springen lassen; die Zukunft ihres Landes auf Jahre hinaus verspielen. Und dennoch. Dieser Kontinent besitzt das, was den alten Ländern abgeht: Junge, kreative Menschen, die danach streben, die einengenden und verkommenen Strukturen zu ändern. Wenn sie allerdings nicht die Hilfe bekommen, die sie brauchen, werden sie versuchen, diesen Strukturen zu entkommen. Viele trachten deshalb danach, das gelobte Land Europa auf Booten oder anderen gefährlichen Wegen zu erreichen. Wird nicht ein Ventil geschaffen, könnte eines Tages ein Sturm auf die Festung entfacht werden.

Nach Meinung von Rupert Neudeck kann nur eine Entwicklungshilfe, die ihren Namen verdient, ein Umdenken und einen Veränderungsprozess zum Besseren hin auslösen. Dazu müssten sich aber erst einmal die Helfer ändern. Neudeck schildert in seinem Buch eine Parallelwelt der Entwicklungshilfe-Industrie, in der die Akteure, das sind so genannte Spezialisten, Berater und Referenten, die dürftigen Ergebnisse ihrer Arbeit durch ein aufgeblähtes Vokabular verbrämen. Da werde von »Interdependenz« und »Nachhaltigkeit«, von »Effizienz« und »Geber-Koordinierung« gefaselt. Hatte der Theologe Albert Schweitzer noch einen Beruf, nämlich den des Arztes, seien die an Universitäten ausgebildeten Entwicklungshelfer Beamte mit Gehältern, die zum Teil das Salär von Botschaftern übersteigt.

Diese Vollprofis mit satten Auslandszuschlägen, Trennungs- und Unterhaltsgeldern würden eingeflogen und führten oft inmitten des Elends eine verführerisch komfortable Existenz, die sie ungern wieder aufgeben. Der Konflikt ist vorprogrammiert. Denn eine solche Existenz ist nur möglich, solange die zu Entwickelnden auf diese Hilfe angewiesen sind und sich sich fügen - also möglichst lange Zeit, am besten für immer.

Die am morgigen Sonntag zu Ende gehende Fußballweltmeisterschaft hat immerhin mit sich gebfacht, dass eine Zeit lang der Kontinent nicht nur aus der Vogelpersepektive betrachtet wurde.

Die Kamerateams, die ausschwärmten, blickten auch in die Hinterhöfe, auf die staubigen Sportplätze, auf bittere Armut in einem an Rohstoffen unheimlich reichen Land. Fußball hat, und danach wird man Rupert Neudeck bei der Veranstaltung im Caritas-Pirckheimer-Haus fragen müssen, eine durchaus einigende Kraft, die man im weitesten Sinn »Nation-building« nennen kann, eine Kraft die über starre Stammesgrenzen hinweghilft zu einem neuen Heimatgefühl. Nigeria, Südafrika, die Elfenbeinküste und Ghana mögen nicht in die letzte Runde der WM eingezogen sein. Und dennoch haben diese Mannschaften gezeigt, dass die Begeisterung den Zusammenhalt fördern hilft.

Viele Konflikte in Afrika beruhen aber noch immer auf den zum Teil willkürlich gezogenen Grenzen der Kolonialmächte. Rupert Neudeck baut in diesem Zusammehang neben den Kirchen auf verantwortungsbewusste politische Eliten, von denen es allerdings noch viel zu wenige gibt.

Mit Rupert Neudeck diskutieren die Afrika-Expertin der FDP, Marina Schuster, und der Leiter der Jesuitenmission, Pater Klaus Väthröder. Beginn 11 Uhr, Ende 12,30 Uhr. Eintritt frei.

Buch zum Thema: Rupert Neudeck: Die Kraft Afrikas. Warum der Kontinent noch nicht verloren ist. Verlag Beck. 256 Seiten, 19.95 Euro

Raimund Kirch
10.7.2010
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