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Allmächd: Ministerin Haderthauer schlägt aus der Art

Zum Pflege-Stammtisch will sie grundsätzlich nicht mehr eingeladen werden
 Allmächd: Ministerin Haderthauer schlägt aus der Art
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NÜRNBERG - Politikerinnen und Politikern zu unterstellen, sie würden das Licht der Öffentlichkeit scheuen wie der Teufel das Weihwasser, hieße, das System nicht begriffen zu haben. Zumal dann, wenn sie wiedergewählt werden wollen und obendrein schwere politische Verantwortung tragen, drängen sie natürlich an dieses Licht - und das ganz zu Recht.

Das tun sie beileibe nicht nur vor den blendenden Scheinwerfern in Bierzelten. In ernsthaften Diskussionsrunden haben sie Gelegenheit, sich in ihren bestechenden Geistesblitzen zu sonnen. Bayerns ewig lächelnde Sozialministerin Christine Haderthauer mit ihrem sonnigen Gemüt scheint da etwas aus der Art zu schlagen. Sie sucht regelrecht das Schattendasein, zumindest im Norden des Freistaats.

Will sie ihre Ruhe haben?

Den Organisatoren des renommierten Nürnberger Pflegestammtisches mit regelmäßig um die einhundert Besucher ließ sie vom Leiter des Ministerbüros schriftlich mitteilen, sie möchten doch bitte in Zukunft grundsätzlich von jeglicher Einladung an die Ministerin Abstand nehmen. Sie will ihre Ruhe haben. Der Brief ist die Antwort auf eine höfliche Anfrage von Anfang Juni, ob es der Ministerin genehm wäre, vielleicht so im dunklen Herbst ihr Licht in Nürnberg dann doch noch einmal richtig zur Geltung zu bringen. Zuvor hatte sie nämlich schon zweimal zu-, dann aber wegen anderer dringender Verpflichtungen kurzfristig wieder abgesagt. Jetzt hat sie das Licht endgültig ausgeknipst. Das tut sie über ihr Büro selbstverständlich nur mit dem hochheiligen Versprechen, dass sie für die Anliegen älterer und pflegebedürftiger Menschen unermüdlich »auf allen Ebenen agiert«. Nur eben nicht auf der Nürnberger Ebene.

Ziemlich sauer auf die politische Lichtgestalt

Manfred Hau, Vorsitzender des Stadtseniorenrates und Mitinitiator des Pflegestammtisches, ist deshalb ziemlich sauer auf die politische Lichtgestalt aus München. Er tappt etwas im Dunkeln. Ist Christine Haderthauer alles, was aus dem Norden Bayerns kommt, einfach lästig? Sind ihr die rund 8000 Heimbewohner und die Pflegekräfte in Nürnberg vielleicht gar schnurz? Will die Ministerin nicht Rede und Antwort stehen? Ist ihr der Nürnberger Pflegestammtisch zu popelig?

Letzteres ist schwer vorstellbar. Immerhin waren die VdK-Präsidentin Ulrike Mascher oder Haderthauers Parteifreund, der mittelfränkische Bezirkstagspräsident Richard Bartsch, schon da. Und auch Christine Haderthauer weiß sonst Prioritäten zu setzen.

Nie weniger als 80 Stunden die Woche im Dienst

Allein in dieser Woche steht in ihrem prallen Terminkalender unter anderem: Empfang anlässlich des 70. Geburtstages eines hochrangigen CSU-Alt-Politikers; Teilnahme am Sommerfest des Landtags im Neuen Schloss Schleißheim; Teilnahme am Gautrachtenfest, Festzelt Vogtareuth. Die ministerielle Pressestelle teilt ergänzend mit: Weniger als 80 Stunden in der Woche hat Christine Haderthauer seit Amtsantritt noch nie gearbeitet. Die Zeit ist also wirklich knapp.

Michael Kasperowitsch
14.7.2010
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