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NÜRNBERG - Die Weigerung von Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer, sich einer Diskussion beim Nürnberger Pflegestammtisch zu stellen, schlägt erste politische Wellen.
Die CSU-Politikerin hatte den Organisatoren der Nürnberger Initiative, in der Fachleute und Betroffene aktuelle und grundsätzliche Fragen aus dem Bereich der ambulanten und stationären Pflege erörtern, über ihr Büro mitteilen lassen, dass sie grundsätzlich nicht eingeladen werden möchte (wir berichteten gestern).
Sollten die Mitarbeiter der Politikerin aus dem Stimmkreis Ingolstadt-Neuburg, der Heimat von Ministerpräsident Horst Seehofer, womöglich keine Ahnung haben, worum es sich bei dem Pflegestammtisch handelt – nämlich um alles andere als einen Stammtisch? Zu zwei früheren Terminen hatte sie jeweils kurzfristig abgesagt.
Hilfe für die Ministerin
Dagegen hatte ihre Vorgängerin Christa Stewens den Weg ins Nachbarschaftshaus Gostenhof ebenso gefunden wie beispielsweise der Pflegekritiker Claus Fussek, dessen Thesen und Ansichten sich die Anwesenden übrigens keineswegs unisono anschlossen.
»Ich kann mir schwer vorstellen, dass ein Ministerialbüro so ungeschickt agiert«, meint der Nürnberger Landtagsabgeordnete Hermann Imhof als stellvertretender sozialpolitischer Sprecher der CSU. Leider sei ihm das Originalschreiben noch nicht bekannt.
»Wenn es so wäre wie geschildert, wäre es ein Lapsus. Ich kann der Ministerin nur raten, den Besuch möglichst bald nachzuholen und biete dafür gerne meine Hilfe und Vermittlung an«, sagte Imhof gestern in einer Sitzungspause des Landtags auf Anfrage der Redaktion.
Zentrales Zukunftsthema
Schließlich handele es sich um ein zentrales Zukunftsthema. Da müsse sich Haderthauer in der größten Stadt Nürnberg im Zweifel auch einmal unbequemen Fragen stellen. Noch deutlicher liest der Bezirksvorsitzende der Christlich-Sozialen Arbeitnehmer- Union, Peter Daniel Forster, der Politikerin die Leviten.
»Ihr Verhalten (. . .) kann ich nur mit Kopfschütteln kommentieren«, schreibt er ihr in einem offenen Brief. »Was gibt es eigentlich Wichtigeres für einen von den Bürgerinnen und Bürgern gewählten Politiker, als mit den Betroffenen und Interessierten ins Gespräch zu kommen? Dort erfahren Sie die Ängste und Nöte aus erster Hand, um die Erfahrungen in die Gestaltung der Politik einfließen lassen zu können.«
woh |