 |
| Bitte Bild anklicken! |
|
NÜRNBERG - Wie können Kinder vor Gewalt und Pornografie im Internet geschützt werden? Darüber haben Politiker von Bündnis 90/Die Grünen in einer Fachrunde diskutiert.
Kinder bewegen sich heute mit großer Selbstverständlichkeit im Internet - abgesehen von Daten-Missbrauch und Suchtgefahr werden Kinder im Netz aber schnell mit Gewalt oder Pornografie konfrontiert.
Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) wacht darüber, dass keine Angebote im Netz auftauchen, die Gewalt verherrlichen oder gegen die Menschenwürde verstoßen. In der Verantwortung der Bundesländer wurden 2003 bestimmte »Werkzeuge« aus dem Rundfunk auf die Neuen Medien übertragen. Dieser Staatsvertrag wird erneuert und liegt derzeit dem bayerischen Parlament vor.
Unzureichende Filterprogramme
Fragen zur geplanten freiwilligen Alterskennzeichnung etwa für Online-Computerspiele sind seitdem das täglich Brot für KJM-Frau Birgit Braml. Gleiches gilt für die Diskussion über Zeitbegrenzungen, überwindbare technische Barrieren und noch unzureichende Filterprogramme. Diese »Online-Kindermädchen« werden vielfach als unwirksam gewertet. Mit Blick auf Einschränkungen werden sie von Erwachsenen oft als störend oder als Zensur gebrandmarkt. Man gewährleiste anhand »transparenter Kriterien jedoch eine sorgfältige Prüfung und Abwägung, was erlaubt und was nicht ist«, verteidigt sich die stellvertretende Stabsleiterin.
»Man kann das Internet nicht seinen eigenen Regeln überlassen«, wendet sich Braml gegen das Totschlagargument, dass Jugendschutz im weltweiten Netz unmöglich ist. Dabei weiß Braml, »dass Anbieter, auf deren Seiten entsprechende Inhalte erscheinen oder die den Zugang ermöglichen, zunehmend sensibilisiert sind« und dabei kooperieren, jugendgefährdende Inhalte vom Netz zu nehmen.
Gleichwohl bemängelt die Netz-Wächterin ein Vollzugsdefizit, wenn es darum geht, Kriminellen, die im Internet Gewaltpornografie oder etwa rechtsextremistische Propaganda verbreiten, das Handwerk zu legen. Staatsbürger, die deutschsprachige Seiten jedoch oft von Servern aus dem Ausland im Internet einspeisen, sind für die heimische Justiz eigentlich erst greifbar, wenn sie in Frankfurt aus dem Flugzeug steigen. Thomas Stadler hält insofern ein international abgestimmtes Vorgehen für unabdingbar. »Wenn wir nur auf unserer Scholle regulieren, funktioniert das nicht«, sagt der Fachanwalt für IT-Recht.
Medienkompetenz stärken
Ulrike Gote, medienpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, appelliert an die Eltern: Sie dürften sich nicht aus der Verantwortung stehlen und »die Kinder alleine vor dem PC lassen«. Gote fordert eine tiefergehende Diskussion über Medienpädagogik und Medienkultur. Die Kinder müssten in ihrer Medienkompetenz gestärkt und in der Schule dabei fit gemacht werden.
Rein mit einer »Werkzeug-Diskussion« sei das Problem nicht in den Griff zu kriegen, stimmt Christine Stahl zu. Man dürfe nicht zusehen, wenn die Menschenwürde mit jugendgefährdenden Internet-Inhalten herabgesetzt werde.
Die rechtspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag macht darüberhinaus einige Problembereiche bei der zu sorglosen Internet-Nutzung aus: Wer in sozialen Netzwerken zu offenherzig mit der Mobilfunknummer hantiert, die Adresse preisgibt oder Fotos einstellt, öffne kommerziellem Daten-Missbrauch, öffentlicher Demütigung durch »Cyber-Mobbing« oder gar dem Nachstellen durch den neuen Chat-»Freund« die Tür. Die Kinder müssten eine starke Persönlichkeit entwickeln und lernen, Fremden gegenüber auch Nein zu sagen, fordert die Vizepräsidentin des Bayerischen Landtages.
Andreas Pöllinger |