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MÜNCHEN - Ovationen erntete die Aufführung von Richard Strauss’ Oper »Die schweigsame Frau« bei den Münchner Opernfestspielen.
Das war ja vorauszusehen: Jubel über Jubel für Kent Nagano. Spätestens seit bekannt geworden ist, dass nach dem Zerwürfnis mit Staatsopernintendant Nikolaus Bachler der feinsinnige Dirigent aus Kalifornien seinen Vertrag über 2013 nicht verlängert, fliegen Nagano die Sympathien der Münchner zu. Und das nicht nur, weil er im Machtkampf innerhalb des Musiktempels am Max-Joseph-Platz als Opfer gilt, sondern weil die Musikfreunde in der Landeshauptstadt nach Christian Thielemanns Weggang nach Dresden wenigstens auf den weltweit gefeierten Nagano in »Isarathen« nicht auch verzichten wollen.
Selten gespieltes Werk
Und er ließ bei der Premiere von Richard Strauss’ »Die schweigsame Frau« auch keinen Zweifel, dass er zu den besten, den einfühlsamsten Strauss-Dirigenten gehört, der nicht nur das Ariose und Lyrische aus dieser spritzig-transparenten Komposition herauslockt, sondern auch das Flirrende und Ironische dieses selten gespielten Werkes herrlich zum Leuchten bringt. Allein wie Nagano das hinreißend spielende Bayerische Staatsorchester in den Schlusstakten des 2. Aktes zu »Rosenkavalier«-Überschwang führte, ist atemberaubend.
Von Barrie Koskys Inszenierung zwischen Operettenseligkeit und Klamauk lässt sich dies freilich nicht behaupten. Durchaus witzige Regiegags wechseln mit allzu platten Comedy-Scherzen ab. Auf Hochtouren lässt der zukünftige Intendant der Komischen Oper Berlin hier die Geschichte vom lärmempfindlichen alten Hagestolz Sir Morosus abschnurren, der auf Liebespfaden wandelt und eine Frau für sein restliches Leben sucht. Vom Barbier bekommt er freilich nur unbedarfte Mädels empfohlen. Doch der Erbschleicher-Neffe Henry schafft Abhilfe, indem er seine eigene Frau Aminta mit dem Onkel zum Schein verkuppelt, bis nach allerlei Intrigen- und Scheidungsspiel wieder Ruhe im Hause und in der Seele des Schwerenöters einkehrt.
Fetziger Mummenschanz
Als fetziger Mummenschanz eines in schrille Kostüme (von Esther Bialas) gewandeten bunten Partyvölkchens ist das auf die Bühne des Prinzregententheaters geknallt. Mehr pralle Gaudi als ironische Burleske.
Sängerisch aber ist diese Neuinszenierung ein Genuss: Allen voran die hochschwangere Diana Damrau als Temperamentsbündel Aminta mit betörendem, herrlich facetten- und koloraturenreichem Sopran und Franz Hawlata als Sir Morosus mit kernigem Bass und darstellerischer Brillanz. Eine tragische Figur im Pyjama und bonbonfarbenem Hochzeitsanzug inmitten des Trubels. Dazu neben dem hervorragend singenden und spielenden Chor (Einstudierung: Andrés Màspero) zwei verheißungsvolle junge Sänger: Nikolay Borchev als Barbier mit weich gefärbtem Bariton und Toby Spencer als Neffe Henry mit jugendlich-strahlendem Tenor. Das Publikum war von dieser 2. Produktion der Münchner Opernfestspiele restlos begeistert.
Weitere Aufführungen am 23., 26. und 30. Juli und voraussichtlich wieder nach der Geburt von Diana Damraus Sohn; Kartentelefon: 089/21 85-19 20.
Hannes S. Macher |