Dagmar Wöhrl gibt keine Ruhe. Nach ihrer missglückten Attacke auf OB Ulrich Maly (SPD) regt die CSU-Bundestagsabgeordnete nun »eine breite Diskussion quer durch die Bevölkerung« zum neuen Stadtlogo Nürnbergs an: »Mich haben viele Briefe und E-Mails von Bürgerinnen und Bürgern erreicht, in denen sich die Menschen über die Ideenlosigkeit des neuen Logos beklagen und es nicht hinnehmen wollen.«
Ziel sei es gewesen, der Stadt eine prägnante Marke zu geben. »Ein Wettbewerb ohne Denkverbote hätte die Chance geboten, ein innovatives und zukunftsfähiges Logo zu entwickeln«, bekrittelt Wöhrl, »aber so fehlt leider jede Integrationskraft und Bindungswirkung.« In Nürnberg und der Region gebe es genügend Künstler, Kreative, Grafiker und Designer, die ein innovativeres Logo hätten entwerfen können: »Nürnberg kann’s besser.«
Beobachter fragen sich stirnrunzelnd, was die auf kommunalpolitischem Gebiet meist äußerst schweigsame Bundestagsabgeordnete antreibt, sich derart in ein eher randständiges Thema zu verbeißen und sich mit Maly anzulegen.
Der OB selbst hatte Wöhrl zurechtgewiesen, es sei nachgerade dreist, einen Bogen vom neuen Stadtlogo zu den drängenden kommunalen Problemen zu schlagen und ihm, Maly, Untätigkeit vorzuwerfen. Wöhrl solle sich doch zuerst einmal ausreichend bei ihren Parteifreunden vor Ort informieren.
Besuch vor Ort droht Dagmar Wöhrl am Montag. Bundesweit startet das Kampagnen-Netzwerk »campact« dann eine Aktion in 50 Städten gegen die Laufzeit-Verlängerung der Atomkraftwerke. Mit Tröten, Pfeifen, Topfdeckeln und Trommeln wollen die Aktivisten ab 12 Uhr vor Wöhrls Nürnberger Wahlkreisbüro in der Jakobstraße 46 ziehen und »Atom-Alarm« schlagen. Der Abgeordneten - so sie denn da ist - wird die Erklärung »Atomkraft abschalten« übergeben, die bereits über 150 000 Menschen unterzeichnet haben. Wöhrl soll sich bei Kanzlerin Angela Merkel für einen Verzicht auf längere Laufzeiten einsetzen.
Nun ja. Erstens wird die CSU-Abgeordnete dies aller Erfahrung nach nicht tun. Und zweitens drängt sich der Eindruck auf, dass ihr Einfluss auf Merkel da leicht überschätzt wird.
Kolumne Rund ums Rathaus, gesammelt: www.nn-online.de
Hans Peter Reitzner |