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ANSBACH - Immer lauter werden die Klagen über den Kormoran. Der schwarze Wasservogel mit dem metallisch glänzenden Gefieder dezimiert die Fischbestände in Flüssen und Weihern, schimpfen Kritiker. Fazit einer Expertenanhörung im mittelfränkischen Bezirkstag: Nicht der Fischräuber benötigt Schutz, sondern der Teichwirt im Aischgrund.
Das Erlebnis am Holzweiher nahe Niederlindach im Oktober vorigen Jahres hinterließ bei Thomas Bauer einen nachhaltigen Eindruck. Vor den Augen des Regierungspräsidenten hatte Teichwirtin Karola Dengler ihren Karpfenweiher abgefischt. Dabei war der Bäuerin sichtlich zum Heulen zumute, denn das Ergebnis war niederschmetternd.
Im Frühjahr hatte sie 5000 einjährige Fische in den ein Hektar großen Weiher eingesetzt. Ein halbes Jahr später fanden sich in den Netzen nur noch 1500 Karpfensetzlinge, mehr als ein Drittel von ihnen wiesen Verletzungen oder Bissnarben auf - Spuren fehlgeschlagener Jagdversuche.
Horrende Verluste
Kleine, einsommerige Karpfen stehen beim Kormoran ganz oben auf der Speisekarte. Viele Fischzüchter im Aischgrund steuern deshalb auf die wirtschaftliche Katastrophe zu. »Die bäuerliche Teichwirtschaft braucht Schutz, sonst geht sie kaputt«, sagt Martin Oberle, Leiter der Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft in Höchstadt. Am schlimmsten seien die Schäden in Naturschutzgebieten, wo die Jagd auf den Fischräuber gar nicht oder nur begrenzt möglich ist.
Oberle nennt als Beispiel die Tirschenreuther Familie Mehler, die im Haupterwerb seit Generationen gut 100 Hektar Fischteiche bewirtschaftete. Nun lassen die Mehlers Weiher mit einer Gesamtfläche von 50 Hektar in dem Vogelschutzgebiet verlanden - nach Ausfällen von durchschnittlich 85 Prozent. Für die horrenden Verluste werden Kormorane verantwortlich gemacht.
Zum Vogel des Jahres gewählt
Mit Entsetzen reagierten Teichbauern deshalb auf die Wahl des Kormorans zum »Vogel des Jahres« 2010 durch Naturschutzverbände. Viele Karpfenzüchter betrachteten dies angesichts ihrer eigenen Existenznot als blanken Hohn. Langfristig müsse man sogar um die historisch gewachsene Weiherlandschaft im Aischgrund fürchten, so der Regierungspräsident.
Auch an Bächen und Flüssen mausert sich der Kormoran zunehmend zum Problemvogel. Um das zehn- bis 20-fach niedrigere Fischbestände hat der mittelfränkische Fachberater für das Fischereiwesen, Thomas Vordermeier, an der Pegnitz bei Reichenschwand an jenen Stellen ausgemacht, wo Kormorane ihre bevorzugten Fanggründe haben. Einige Flussabschnitte seien überfischt, die Populationen von Äsche oder Bachforelle könnten sich nicht mehr regenerieren.
Jagdmöglichkeiten ausgeweitet
Laut Vordermeier ging der Kormoran-Bestand seit Ende der 1970er Jahre »rasant nach oben«. Etwa 25.000 Brutpaare gibt es in Deutschland, knapp 650 in Bayern. Dazu gesellen sich Tausende von Durchzüglern und Sommergäste - etwa die rund 150 Jungtiere, die sich seit etwa drei Jahren regelmäßig im Aischgrund niederlassen. Allein in Mittelfranken sind im vorigen Jahr über 1200 Kormorane geschossen worden.
Staatliche Stellen haben den Druck auf den Wasservogel längst erhöht und die Jagdmöglichkeiten ausgeweitet. Eine Lösung könne es aber nur auf europäischer Ebene geben, sagt Bauer. Bezirkspolitiker fordern bis dahin ein Fischmanagement für die Region und die Einführung eines Runden Tisches zum Ausgleich der Interessen. Daran könnten dann auch die Naturschutzverbände Platz nehmen.
Horst M. Auer |