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Biss in den Nacken

Zecken-Attacke: Mutter suchte am Rothsee Hilfe
 Biss in den Nacken
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Foto: Tobias Tschapka
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ROTH - Als ihr zweijähriger Sohn beim Spielen am Rothsee von einer Zecke gebissen wurde, suchte eine Mutter aus Nürnberg nach Hilfe - und wurde nicht fündig. Die gebe es sehr wohl, betonen Verantwortliche, weisen aber darauf hin, dass sich die Freizeitanlage in freier Natur befindet.

Die 42-jährige Nürnbergerin suchte während der Hitzewelle zusammen mit ihrem Jungen und einer Freundin samt deren Kind Abkühlung im Seenland. Nahe dem Strandhaus Grashof planschten die Kleinen im Wasser - solange bis der zweijährige Felix (Name geändert) von einer Zecke in den Nacken gebissen wurde. Mutter Johanna B. fragte spontan bei den zahlreichen Familien herum, die sich am Ufer niedergelassen hatten, ob jemand eine Zeckenzange dabei habe.

Weil ihr niemand weiterhelfen konnte, wandte sie sich an den Strandhaus-Betreiber von Grashof. Ob er ihr vielleicht eine Pinzette ausleihen könne? Doch der Mann habe sie mit dem Satz: »Gehen Sie zum nächsten Arzt« abgefertigt und einfach stehenlassen, empört sich Johanna B.

Der Wirt hätte wissen müssen, dass um diese Zeit - es war gegen 19.30 Uhr - keine Praxis mehr geöffnet habe, klagt die Frau. Man habe ihr nicht weitergeholfen; der Erste-Hilfe-Kasten sei nur für Mitarbeiter des Strandhauses gedacht, habe sie zu hören bekommen.

Heute gibt die Mutter zu, dass sie in der Aufregung irritiert gewesen sei und auch nicht an die Utensilien in ihrem Auto-Verbandskasten gedacht habe. Erst als eine andere Mama mit einem Baby auf dem Arm zu Hilfe eilte und mit einer Schablone professionell die Zecke aus dem Kindernacken entfernte, legte sich die Aufregung allmählich.

Trotzdem, sagte Johanna B., müsse am Rothsee die Hilfe verbessert werden: »Wer geht denn unter der Woche dort zum Baden? Das sind doch Familien mit kleinen Kindern. Die bräuchten im Ernstfall den meisten Schutz.« Aufgeschlagene Knie, ein Glasscherben-Schnitt am Fuß, eine Schwellung nach einem Insektenstich: Weil da viel passieren kann, regt die Nürnbergerin an, Infoblätter mit Notdienst-Nummern auszuhängen.

Beliebter Wirt

Doch davon ist Gerhard Kirsch, Geschäftsführer des Zweckverbandes Rothsee, nicht begeistert. Allerorten seien Zettel und Tafeln zu finden, da stifte ein weiterer Aushang nur Verwirrung. »Der Rothsee ist freie Natur, jeder, der sich dort aufhält, tut dies auf eigene Verantwortung«, mahnt er.

Kirsch kennt den Fall von Johanna B. und hat bereits mit dem Strandhaus-Wirt gesprochen. Der sei »sehr beliebt« bei Gästen wie Einheimischen, es habe noch nie eine Beschwerde über ihn gegeben, versichert der Geschäftsführer.

An jenem Tag habe angesichts der Temperaturen von 37 Grad großer Trubel am See geherrscht, »Tausende von Leuten« seien zu bedienen gewesen. Der Wirt habe mehrfach Pinzetten nach kleineren Vorfällen ausgegeben, doch sie nicht zurückbekommen, erzählt Kirsch. Da sei es möglich, dass die Nürnbergerin einfach einen falschen Moment erwischt habe. Zudem sei Erste-Hilfe-Material in jedem Strandhaus im Seenland zugänglich.

Helmut Köhler, Kreisvorsitzender der BRK-Wasserwacht Südfranken, bestätigt, dass die Ehrenamtlichen der Wasserwacht nur im größeren See-Abschnitt von Birkach Dienst schieben - ausschließlich an Wochenenden und Feiertagen. Grashof mit zu versorgen, sei angesichts des Mitgliederstandes nicht möglich. Zudem werden die Freiwilligen bereits für Schichten im Allersberger Freibad eingeteilt. Köhler weist darauf hin, dass die Wasserwacht laut den Verträgen mit dem Zweckverband im Ernstfall die Feuerwehr alarmieren und Erste Hilfe leisten dürfe. Eine Zecke aus dem Körper eines Kinde zu entfernen, sei aber bereits ein medizinischer Eingriff. In so einem Falle müssten seine Kolleginnen und Kollegen einen Arzt rufen, gibt Köhler zu bedenken.

ELKE GRASSER-REITZNER

Bei Unfällen gibt die Kassenärztliche Vereinigung Bayern unter Tel. (0180)5191212 Auskunft, welcher Arzt in der Nähe Dienst hat, auch außerhalb der Sprechzeiten.
28.7.2010
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