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NÜRNBERG - Der 1. FC Nürnberg steht jetzt schon unter genauer Beobachtung durch seinen ersten Bundesliga-Gegner Borussia Mönchengladbach: Dessen Scout Peter Gebele, einst Amateurtrainer am Valznerweiher, saß beim Test gegen FK Teplice in Hof (0:0) auf der Tribüne und machte sich eifrig Notizen. »Die Abwehr der Nürnberger steht gut«, kommentierte er, »aber im Angriff fehlt die Durchschlagskraft.«
Ein Urteil, das selbst Club-Trainer Dieter Hecking fällte. Zahlen lassen auch keinen anderen Schluss zu: Denn in drei Begegnungen mit international erfahrenen Mannschaften gelang seinen Schützlingen lediglich ein einziger Treffer. Philipp Wollscheid hatte beim 1:1 gegen Paok Saloniki mit einem Kopfball Erfolg.
Hecking legt den Finger in die Wunde, aber er verfällt nicht in Wehklagen. Seine Mängelliste umfasst einige Schwächen, die derzeit unübersehbar sind. »Es fehlt die Überzeugung, in Richtung gegnerisches Tor zu gehen«, kritisiert er. Und damit fehlt auch die Risikobereitschaft für Zweikämpfe eins gegen eins. Mehr Mut ist also gefragt. »Meine Jungs müssen einfach nur mehr schießen«, fordert der Trainer.
In Schutz nimmt er den bislang glücklosen Stoßstürmer Julian Schieber. Die Stuttgarter Leihgabe habe es angesichts der oft verspäteten Anspiele sehr schwer, weil er sich oft gleich von vier gegnerischen Abwehrspielern umkreist sehe. Hecking gewährt Schieber weiter Schutz: »Er darf nicht immer in der vierten Etage angespielt werden. Dann sieht er schlecht aus, ohne dass er etwas dafür kann.« Überlegungen, angesichts des noch lahmenden Flügelspiels wieder zu einem 4-4-2-System zurückzukehren, hat der Trainer noch nicht angestellt. Er erinnert an die WM, bei der alle Teams nur auf einen Angreifer gesetzt hätten. Dennoch schließt er einen Versuch mit zwei Stürmern in den beiden Testspielen während des Trainingslagers nicht aus.
Noch Schatten im vorderen Bereich, aber dafür Licht im hinteren. Speziell in der Innenverteidigung ist ein harter Kampf um zwei Plätze entbrannt. Auch Andreas Wolf, zuletzt mehr auf der Bank als auf dem Rasen, ist wieder voll im Rennen. »Er hat heute eine grundsolide Partie geboten«, lobte ihn Hecking und schickte eine weitere Würdigung hinterher: »Ich weiß, was ich an ihm habe.« Gute Karten müsste nach seinen bisherigen Auftritten auch Wollscheid (Gebele: »Der spielt für seine Jugend schon erstaunlich abgeklärt«) haben, doch die Konkurrenz ist mit dem routinierten Neuzugang Per Nilsson und Dominic Maroh enorm. »Ich habe gerne die Qual der Wahl«, sagt Hecking.
Die erwähnten Schwächen bereiten ihm kein Kopfzerbrechen. Beim am Freitag im österreichischen Kaprun beginnenden Trainingslager soll der Feinschliff erfolgen. »Jetzt stehen Spielformen im Vordergrund, muss eine homogene Zusammenarbeit der einzelnen Mannschaftsteile erreicht werden«, kündigt der Trainer an. Klettertouren oder Bootsfahrten auf reißenden Flüssen, teambildende Maßnahmen werden sie genannt, kommen für ihn aber nicht in Frage: »Von so etwas halte ich gar nichts.«
Mit Freude wurde am Valznerweiher am Donnerstag die Kunde aufgenommen, dass Timmy Simons vom neuen belgischen Nationaltrainer wieder berufen worden ist. »Wir haben mit ihm also einen erfahrenen und gefragten Mann geholt«, strahlte Präsident Franz Schäfer. Hecking ist von dem Routinier sowieso angetan: »Man sieht immer wieder, dass er ohne Fehlpass spielt. Davon kann die Truppe profitieren.«
Dieter Bracke |