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SpVgg: Vaterfreuden und Erstligaträume

Zwei Greuther-Profis sitzen in Kitzbühel quasi auf gepackten Koffern
 SpVgg: Vaterfreuden und Erstligaträume
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KITZBÜHEL - Max Grün und Sami Allagui haben eines gemeinsam: Man muss jeden Tag mit ihrer Abreise aus dem Trainingslager der Spielvereinigung in Kitzbühel rechnen, allerdings aus sehr unterschiedlichen Gründen.

Max Grün versinkt in einem der großen Ledersofas im Mannschaftshotel, und er lässt es geschehen. Er federt Fragen nicht mit dem Oberkörper ab, wippt nicht mit den Knien, redet nicht mit Händen und Füßen. Ab und zu schimmert noch ein Rest Schüchternheit durch die nahezu buddhistische Aura des 23-jährigen Torhüters, aber es scheint grundsätzlich nichts zu geben, was ihn aus der Ruhe bringen könnte.

Nicht einmal jetzt. Grüns Frau Isabella (23) ist fünf Tage über die Zeit. Jeden Moment kann der Anruf kommen, dass das erste Kind des Paares, ein Mädchen, in die Welt drängt. In dem Fall, so ist es abgesprochen, macht sich der Vater sofort auf den Heimweg. Selbstverständlich rechnet Grün damit, dass die Geburt erst Mitte nächste Woche ansteht, nötigenfalls soll diese dann künstlich eingeleitet werden.

Ablenkung tut gut

Der gebürtige Unterfranke wird also bald ein ebenso junger Vater wie Stammtorhüter sein. Natürlich freut er sich: »Ich glaube, dass mir die Ablenkung vom Fußball sehr gut tun wird.» Seit einem halben Jahr steht Grün, der von den Amateuren des FC Bayern zum Kleeblatt kam, im Fokus der Öffentlichkeit. Er verdrängte Stephan Loboué als Nummer eins und muss diesen Posten jetzt verteidigen. »Es gibt immer jemanden, der da hin will, wo man selbst gerade ist.» Grün wäre nicht Grün, wenn er nicht auch Rückschläge einkalkuliert hätte.

Sein Vertrag mit der Sp Vgg läuft noch vier Jahre. »Das ist eine grundsolide Basis für unsere Familie, wir sind uns der Verantwortung bewusst.» Demnächst will er sein Fachabitur nachmachen, im Bereich Wirtschaft. Grün liebt Rechnungswesen. Die mittelfristige Zukunft von Sami Allagui ist dagegen weit weniger konkret. Gestern morgen zwickte mal wieder die Wade. Eine kleine Auszeit hier, eine kleine Auszeit da - Sami Allagui ist in Kitzbühel kein Fremdkörper und auch kein Arbeitsverweigerer, aber feuriger Eifer sieht dann doch anders aus.

Hände gebunden

Es mag an seinem Trainingsrückstand liegen, an der Tatsache, dass er wegen einer Länderspielreise länger Urlaub hatte. Es kann aber auch andere Gründe haben. Nachdem in der Lobby des Mannschaftshotels am späten Mittwochabend Lassad »Leggi» Allagui und Thorsten Weck, also der Vater und der Berater des Fürther Torjägers, gesichtet wurden, durfte sofort wieder verstärkt gemutmaßt werden, dass nun wohl endlich eine Einigung in der unendlichen Wechsel-Geschichte um den 24-jährigen Tunesier bevorstehe.

Doch laut Sp Vgg-Manager Rachid Azzouzi, der nach eigener Aussage nichts von dem Besuch wusste, droht Allagui noch länger halb abwesend über den Platz zu schleichen. »Das ist doch klar, dass das an einem Spieler nicht spurlos vorüber geht», sagt Azzouzi. Allagui selbst sagt zu seinen Zukunftsplänen schon lange nichts Substanzielles mehr. Ihm sind ja auch die Hände gebunden. Nach wie vor haben die Interessenten aus der Ersten Liga, die es tatsächlich geben soll, keine Ablösesumme genannt, über die man bei der Sp Vgg überhaupt nachdenken wollte. Die Einschätzung von Trainer Mike Büskens, die lästige Angelegenheit werde »bald» ein Ende haben, könnte sich als Irrtum erweisen.

Kurt Heidingsfelder
30.7.2010 8:59 MEZ
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