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LOKALMELDUNGEN - WEISSENBURG UND UMLAND  

Zwist um Grabmahlgestaltung

 Zwist um Grabmahlgestaltung
WEISSENBURG – Eigentlich hätte das Gräberfeld für Totgeburten am Weißenburger Westfriedhof schon bald eingeweiht werden sollen. Doch bis der Trauerort fertiggestellt ist, wird es wohl noch einige Zeit dauern. Der Grund: Zwischen dem Arbeitskreis (AK), der sich um die Ausgestaltung des Grabfeldes kümmern soll, und Oberbürgermeister Jürgen Schröppel gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, wie der Ort aussehen soll.
Dem Arbeitskreis, der die Konzeption für das Grabfeld erarbeitet hat, ist es wichtig, »an dem Trauerort einer möglichst großen Zahl von dort trauernden Menschen Hoffnung schenken zu können». Darauf hat sich der Arbeitskreis unter Vorsitz von Dekan Konrad Bayerle verständigt. Letztlich, so heißt es in der schriftlich fixierten Konzeption, sei dies nur möglich »durch ein religiöses Symbol, hinter dem eine Glaubensbotschaft für den Trauernden erkennbar wird».
Insofern war der AK mit dem Stein, den Steinmetz Thomas Zeller für das Grabfeld für Totgeborene inzwischen fertigte, auch sehr zufrieden. Das helle Kreuz, das in der Mitte einen sonnendurchfluteten Torbogen trägt, zu dem eine Treppe führt, gefiel den Mitgliedern einhellig gut. Beim Weißenburger Oberbürgermeister stößt es dagegen auf Ablehnung. Was Schröppel stört, ist dagegen das Kreuz. Mit seinem persönlichen Glauben habe das überhaupt nichts zu tun, ließ das Stadtoberhaupt auf Anfrage wissen. Generell hält er es aber für angebracht, dass sich die Stadt aus weltanschaulichen Fragen heraushält.
Als Eigentümer, der das Grundstück am Friedhof kostenlos zur Verfügung stellt und für die Kosten der Pflege aufkommt, hält es Schröppel für angebracht, dass er auch das letzte Wort bei der Ausgestaltung hat. Im »Protokoll über den Informationsabend von Totgeburten», der am 10. November vergangenen Jahres im Pfarrzentrum St. Willibald stattfand, liest sich das noch anders: »Es geht jetzt nur noch um Vorschläge zur Gestaltung der Stele. Die Organisation ist Aufgabe der Kirchen, da er sich als OB neutral verhalten muss und sich daher nicht einmischen kann.»
Wie und warum der AK offensichtlich bereits den Auftrag für das Kreuz erteilte, ohne den Entwurf davor dem Oberbürgermeister vorzulegen, weiß keiner mehr so recht zu sagen. Anscheinend hat sich der Prozess verselbstständigt: Keiner will jedenfalls konkret Steinmetz Thomas Zeller den Auftrag gegeben haben.
Dem Pleinfelder Grabmalkünstler ist es letztlich egal, ob seine Stele künftig auf dem Weißenburger oder auf einem anderen Friedhof stehen wird. Denn Anfragen von Kunden, denen das Kreuz gefällt, hatte er schon oft, seitdem es in seinem Ausstellungsraum steht.
Dekan Bayerle merkt man an, dass er sich nicht so einfach von dem Kreuz trennen will: »Ich hätte gerne diesen Stein», bekennt er freimütig. Der katholische Pfarrer ist überzeugt, dass »trotz der langen in der Menschheitsgeschichte nachweisbaren Verwendung des Kreuzzeichens in unseren Tagen weitgehend nur christlich geprägten Eltern ein Hoffnungszeichen zur Verfügung stehen kann». Im Einzugsbereich des Weißenburger Krankenhauses und in der Stadt Weißenburg sei aber die überwiegende Mehrheit christlich geprägt. Ein neutrale Stele, wie sie sich Schröppel wünscht, könne dagegen keine »Auferstehungshoffnung» anbieten. Der OB bleibt dennoch bei seiner Meinung: »Der Grabstein sollte möglichst viele ansprechen und niemanden ausgrenzen.» Glaube, argumentiert das Stadtoberhaupt, sei Privatsache.
Wenn jeder auf seiner Meinung beharrt, dann wird es wohl zunächst kein Grabmal für Totgeborene auf dem Westfriedhof geben. Beide Seiten, hieß es, wollen sich aber noch einmal zusammensetzen und nach einem Kompromiss suchen. Bayerle will dann erörtern, »ob das Kreuz doch
diskutabel ist». Schließlich stecke hinter jedem Symbol eine Ideologie.
MARKUS STEINER

30.7.2010 15:47 MEZ
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