OBERASBACH — Nach einer längeren Phase emotionsgeladener Streiterei sind sich die Fraktionen des Oberasbacher Stadtrats wieder einig — zumindest, was die geplante Westspange der Stadt Zirndorf angeht. Das Projekt sorgte bei der letzten Sitzung für Irritation, Zorn und Frustration in den Reihen der städtischen Volksvertreter.
Die geplante Straße soll den Bibertgrund ausgehend von der Rothenburger Straße in Höhe Leichendorf queren und im Nordwesten Zirndorfs in die Paul-Metz-Straße einmünden (die FLN berichteten mehrmals). Damit wollen die Bauherren zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits soll der Stadtkern Zirndorfs vom Durchgangsverkehr entlastet werden, auf der anderen Seite soll die Trasse sowohl die Verkehrsanbindung des Pinderparks als auch der Metz-Werke verbessern.
Beide Ziele der Zirndorfer Nachbarn gehen klar zu Lasten Oberasbachs, so die einstimmige Klage der Oberasbacher Stadtväter. Schließlich werde die Blechlawine mittels Westspange in aller erster Linie auf den Teil der Rothenburger Straße abgewälzt, der mitten durch Oberasbach führt.
Einem Gutachten zufolge würde die Verkehrsbelastung im Bereich der geplanten Einmündung bei Leichendorf durch die Westumgehung um zirka 2500 Fahrzeuge pro Stunde ansteigen. Schon jetzt, so hat eine Verkehrszählung im Sommer dieses Jahres ergeben, passieren rund 19 200 Autos pro Stunde die Stadt. Die Zunahme des Verkehrs wird nicht zuletzt auch durch die geplante Ansiedlung von Gewerbe im Pinderpark und im Bereich der neuen Westspange hervorgerufen, monierten die Oberasbacher. Zusätzlich bedeute die Trasse auf Grund ihres Verlaufs das endgültige Aus für eine Wiederbelebung der alten Bibertbahnstrecke.
Was aber die Mitglieder des Gremiums am meisten aufregt, sind die Modalitäten des Genehmigungsverfahrens: Viel zu spät habe man von der Straße und den neuen Bebauungsplänen erfahren. Bereits vor Beginn der Planungen hätte die Stadt Zirndorf, gemäß des im Baugesetzbuch verankerten Abstimmungsgebots benachbarter Gemeinden ihre Oberasbacher Nachbarn informieren und nach deren Meinung fragen müssen. Außerdem habe man geglaubt, dass die endgültige Genehmigung des Projektes durch ein Planfeststellungsverfahren, das über dem kommunalen Baurecht steht, erfolgen werde.
Schon mehrmals Änderungen
Wie auch beim Genehmigungsverfahren kam es für alle Beteiligten im Westspangenprojekt schon mehrmals anders, als sie ursprünglich gedacht hatten: So wollten die Zirndorfer ihre Talquerung eigentlich ganz alleine und für sich errichten.
Doch schon vor über einem Jahr hatte die Sache einen Haken. Ist es doch großteils überörtlicher Verkehr, der von dem Abkürzer über die Bibert profitieren wird. Fazit: Die Trasse fällt daher in die Verantwortung des Landkreises, was sich durch einen Straßentausch schnell hat regeln lassen. Weil der zunehmende Verkehr den Zirndorfern stinkt, bauen sie die Straße auf eigene Kosten und überlassen sie anschließend zur weiteren Betreuung dem Kreis. In Gegenzug tritt der Landkreis seine Kreisstraßen Schwabacher Straße und Banderbacher Straße an Zirndorf ab.
Wenn die neue Umgehung schon so wichtig ist, dann geht ohne Planfeststellungsverfahren gar nichts, so dachte anfangs auch der Leiter der nichttechnischen Bauverwaltung in Zirndorf, Norbert Ruffertshöfer. Er wurde aber von der zuständigen Behörde, der Regierung von Mittelfranken, eines Besseren belehrt. Demnach reichen die Anpassung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung eines Bebauungsplans auf unterster kommunaler Ebene völlig aus.
Denn gar so außergewöhnlich, wie die Beteiligten mehrheitlich dachten, ist die Westspange aus Sicht der Regierung nun doch wieder nicht, so Pressesprecher Bodo Domröse: Ein Planfeststellungsverfahren sei nur dann notwendig, wenn der Bau einer Staatsstraße geplant sei oder wenn es sich um direkte Zubringer zu einer solchen handle. Beides trifft bei der Westspange nicht zu.
Einwendungen noch möglich
Die Aufregung im Oberasbacher Stadtrat kann Ruffertshöfer nicht verstehen. Wir befinden uns gerade im Stadium der vorgezogenen Bürgerbeteiligung, so der Zirndorfer. Das sei der erste von zwei regulären Schritten, in denen Träger öffentlicher Belange, so auch die Stadt Oberasbach, zu dem Vorhaben gehört werden. Eine daraufhin geänderte Variante der Bebauungspläne für die Westspange und den Pinderpark werde zum Ende des kommenden Frühjahres hin noch einmal zur Einsicht und zur Stellungnahme ausliegen.
Dennoch machen sich Oberasbachs Stadträte kaum Hoffnungen: In den beiden wesentlichen Punkten Verkehrsbelastung und Bibertbahn sei der Zug für die Stadt wohl jetzt schon abgefahren.
MARIO KRESS |