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Tierpark bringt keine Pferde mehr

Hellabrunn zieht nach Verschwinden von Stuten Konsequenzen — Hoher Schaden
 Tierpark bringt keine Pferde mehr
AUERBACH/MÜNCHEN (bg) — Das spurlose Verschwinden von drei Przewalski-Stuten aus dem Naturschutzgebiet Leonie gibt immer noch Rätsel auf. Professor Dr. Henning Wiesner, Direktor im Münchner Tierpark Hellabrunn, beziffert den Wert eines der seltenen Tiere auf 30 000 Euro. Dem Park ist damit hoher Schaden entstanden.

„Ich bin sehr traurig“, sagte der Zoologe am NN-Telefon. Wiesner hat die Urwildpferde seit dem Jahr 1972, also über 30 Jahre, intensiv betreut und mehr als 80 Fohlen nachgezüchtet. Im Vorjahr kamen die ersten Tiere in ihre ursprüngliche Heimat nach Kasachstan. Für die Tierzüchter erfüllte sich damit ein Traum, waren doch die Pferde in Deutschland für ihre Auswilderung vorbereitet worden.

Die Herden in Auerbach und im mittelfränkischen Tennenlohe ließen auf weitere Transporte nach Asien hoffen. „Die Fohlen auf Leonie hatten bereits ein dichteres Fell als die Tiere in Hellabrunn“, sagt Wiesner. Für die Auswilderung, die das große Ziel der Nachzüchtung ist, wären diese Pferde daher sehr geeignet gewesen. „Eigentlich lief alles bestens.“ In Auerbach waren die Tiere bei den regelmäßigen Führungen des Landesbund für Vogelschutz (LBV) zu Publikumslieblingen geworden.

Umso bitterer ist das plötzliche Verschwinden von drei Stuten, eine davon dürfte sogar trächtig gewesen sein. Der Tierpark hat 5000 Euro für Hinweise zum Wiederfinden der Tiere ausgelobt. Auf welche Art die Przewalskis, von denen es derzeit etwa 100 Vertreter weltweit gibt, verschwunden sind, ist nach wie vor rätselhaft. Weggelaufen können sie nicht sein, sonst wären die Fohlen mitgekommen.

Mehrmals durchforstet

Auf dem Gelände scheinen sie auch nicht umgekommen zu sein. Mehrmals wurde das Gebiet gründlichst durchforstet. Auch können die Pferde nicht einfach mit dem Lasso eingefangen und abtransportiert werden. Die Tierpfleger schaffen den Abtransport nur mit Hilfe einer Narkotisierung. Die Pferde sind laut Wiesner mit so genannten Transpondern ausgestattet. Dies sind winzige Chips, die unter der Haut eingepflanzt sind. Damit lassen sich die Daten jedes Tieres von den Betreuern erkennen. Ein Aufspüren ist allerdings nicht möglich.

Bereits in den vergangenen Wochen hatten die Tierpark-Mitarbeiter die beiden jüngsten Fohlen Leo und Leonie nach München geholt. Gestern wurden die verbliebenen drei Tiere mitgenommen. Ein Hengst kam in das Naturschutzgebiet bei Tennenlohe, die beiden Stuten nach Hellabrunn.

Im Auerbacher Naturschutzgebiet wird es nie wieder Urwildpferde geben, das steht für den Zoodirektor fest. Der Landesbund für Vogelschutz hat als Betreiber des Leonie-Gebietes inzwischen Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Wiesner hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Er glaubt, dass angesichts der 5000 Euro Belohnung für sachdienliche Hinweise doch endlich jemand den Mund aufmacht. Es könne doch kaum möglich sein, dass drei große Tiere gänzlich unbemerkt abtransportiert wurden. „Ich hoffe sehr, dass die Pferde noch irgendwo leben.“ (Weiterer Bericht auf Seite 15, Region und Bayern).
15.1.2004
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