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Falscher Ex-Oberarzt Postel zum Schwaiger Klinik-Skandal

Geltungssucht und ihre Folgen

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Von Stephan Sohr

SCHWAIG / NÜRNBERG — Wo ist Walter Sch.? Seit öffentlich wurde, dass die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth wegen des Verdachts der Körperverletzung gegen ihn ermittelt, ist der Inhaber der „Intensiv-Pflegeklinik“ in Schwaig (Kreis Nürnberger Land) offenbar untergetaucht. Telefonisch ist er nicht erreichbar und auch Klinik-Geschäftsführer Ernst Grob nimmt trotz mehrfacher Anfragen der NZ keine Stellung.

„Über den Aufenthaltsort von Sch. ist noch nichts bekannt“, so Justizsprecher Bernhard Wankel zur NZ. Selbst wenn die Behörden wüssten, wo Sch. sich aufhält, würden es die in vier eidesstattlichen Versicherungen angezeigten Vorwürfe aber nicht rechtfertigen, ihn in Haft zu nehmen.

Verwandte von Pflegebedürftigen, die in der auf Schädel-Hirn-Patienten spezialisierten Klinik behandelt werden, hatten versichert, dass Sch. als Chefarzt aufgetreten sei und Patienten behandelt habe, obwohl er weder einen Doktortitel trägt noch als Arzt approbiert ist. Sein Name ist weder bei der Bayerischen Landesärztekammer bekannt noch an der Universität Innsbruck, wo er studiert haben soll.

In Hersbruck wegen Titelmissbrauchs verurteilt

Besondere Eile bei den Ermittlungen sieht die Staatsanwaltschaft nicht geboten, so Wankel. „Die Vorfälle liegen lange zurück.“ Es gebe keine Hinweise, ob Sch. eine Straftat begangen habe. Zwar wurde er 2003 vom Amtsgericht Hersbruck wegen Titelmissbrauchs verurteilt, doch die zur Anzeige gebrachten Vorfälle der Körperverletzung lägen noch länger zurück. Ob es in der Klinik Durchsuchungen gab, oder ob die Staatsanwaltschaft Kontakt mit der Heimaufsicht am Laufer Landratsamt aufgenommen hat, kann Wankel nicht bestätigen. Die Schwabacher Kriminalpolizei habe die Ermittlungen aufgenommen und „es gibt noch keine Rückmeldung“.

Das findet ein Mann erstaunlich, der Erfahrung hat mit Hochstapeleien. Gert Postel, der in den 80er und 90er Jahren als falscher Arzt auftrat und es schaffte, sich in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen zum leitenden Oberarzt hochzuarbeiten. Sein Vorgesetzter ist damals übrigens der nun in Erlangen tätige Psychiater und mittelfränkische SPD-Bezirksrat Horst Krömker gewesen.

Postel selbst war Postbote und seine Bildungsqualifikation beschränkte sich auf die Volksschule — entsprechend waren die Schlagzeilen, als der Skandal aufflog. Postel wurde verurteilt und nach seiner eigenen Aussage wollte er, „dass alles auffliegt“.

Seine Motivation, so erzählt er im NZ-Gespräch, war, zu zeigen, wie jemand ohne die geringste Qualifikation dafür zu haben, in einem sensiblen Bereich wie der Psychiatrie bis in leitende Funktionen vorstoßen könne.

Eigene Erfahrungen mit der Psychiatrie hätten ihn dazu getrieben. Seine Mutter habe sich umgebracht, weil ein Psychiater ihr nur antriebssteigernde und nicht depressionslösende Mittel verschrieben habe, er selbst sei in seiner Kindheit in der Psychiatrie gelandet, weil er wegen eines Schulzeugnisses einmal weggelaufen sei.

Dass Sch., gelernter Drucker und Ex-Football-Spieler der Noris Rams „aufflog“, daran war Postel beteiligt. Als er von den Verdächtigungen erfuhr, habe er zu recherchieren begonnen. Unter verschiedenen Legenden habe er mit Sch. und Geschäftsführer Grob sowie anderem Klinik-Personal gesprochen. Sie hätten bestätigt, „dass Walter Sch. unser Chefarzt“ sei.

Einmal habe er sich als Pharma-Vertreter ausgegeben und Sch. zu einem Vortrag über Appaliker-Behandlung einladen wollen. Sch. habe daraufhin bestätigt, dass er mit solchem „Patientengut“ in seiner Klinik Erfahrung habe.

Postel wundert sich, dass die Staatsanwaltschaft bei den Ermittlungen keine Eile an den Tag legt. Es könne doch sein, dass Sch. Beweismittel beiseite geschafft habe. Postel meint, dass die eidesstattlichen Versicherungen als Grundlage für Ermittlungen dienen sollten, alle Sterbefälle in der Schwaiger Klinik zu überprüfen, seit Sch. diese 1997 übernommen hatte.

Aus seiner Erfahrung hätte er Walter Sch. geraten, selbst zur Justiz zu gehen und sich zu offenbaren. Dass er das nicht getan hat, sei „dumm“. Ein Grund dafür könnte eine starke Geltungssucht sein. Postel: „Ein Trieb, der die Intelligenz ausschaltet.“
3.12.2004
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