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Zweckbauwerk statt Extravaganz

Umstrittene Westspange geht in Detailplanung — Stadtrat segnete Entwürfe ab
 Zweckbauwerk statt Extravaganz
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ZIRNDORF — Eine Grafik des Roßtaler Ingenieurbüros Christofori vermittelte dem Stadtrat nun einen Eindruck, wie sich die Brücke, die mit der Westspange bereits nächstes Jahr den Bibertgrund queren könnte, in der Landschaft ausnimmt. Von den ehrgeizigen Plänen für eine extravagante Hängebrückenkonstruktion, wie sie der Traunsteiner Architekt Richard J. Dietrich vor drei Jahren vorlegte, mussten sich die Zirndorfer allerdings verabschieden.

Dem Entwurf aus der Feder des Stararchitekten hat das Straßenbauamt in Nürnberg, das die Planung im Auftrag des Freistaates prüft, aus Kostengründen die Zustimmung verweigert.

Wie wiederholt berichtet, soll die insgesamt 1620 Meter lange Westspange, die die Rothenburger mit der Banderbacher Straße verbindet, Zirndorfs Innenstadt sowie den Ortsteil Leichendorf vom Verkehr entlasten und das 16 Hektar große, neue Wohn- und Gewerbegebiet im Pinderareal erschließen. Drei Brücken sind in die Trasse eingeplant: Die markanteste spannt sich über den Bibertgrund und wird das Landschaftsbild enorm verändern.

Für das umstrittene Projekt, das gegen die Stimmen der Grünen und trotz massiven Protests des Bundes Naturschutz durchgezogen wird, sind die planungsrechtlichen Voraussetzungen geklärt. Mit einer Petition an den Landtag versuchen die Grünen-Stadträte Wolfram Schaa (Zirndorf) und Norbert Schikora (Oberasbach) das ihrer Ansicht nach überzogene Straßenbauvorhaben noch zu stoppen.

Doch die Stadtverwaltung ist laut Norbert Ruffertshöfer, dem Chef des nichttechnischen Bauamtes im Rathaus, bereits mit dem Grunderwerb für die Umgehung beschäftigt. „Die Förderanträge an die Regierung sind unterwegs“, teilt er mit. Wunschtermin für den Baustart ist Ruffertshöfer zufolge September 2005. Die Detailplanung und Ausschreibung stehen jetzt an.

Prüfende Instanz

„Und bei der Gestaltung“, so Bürgermeister Gert Kohl in der jüngsten Stadtratssitzung, haben Straßenbauamt Nürnberg und Landratsamt Fürth ein gewaltiges Mitspracherecht: Weil die Stadt Zirndorf die Umgehung schnell will - ohne sich auf der Prioritätenliste für die Straßenbauprojekte im Landkreis hinten anstellen zu müssen — zahlt sie die Trasse, obwohl sie in den Rang einer Kreisstraße einzustufen ist. Als Baulastträger aber tritt der Landkreis auf, sobald die Trasse steht, geht sie also in dessen Zuständigkeit über.

Den Landkreis wiederum vertritt das Straßenbauamt und das, so Kohl, werde als prüfende Behörde nicht jede Gestaltung akzeptieren. Vor allem keine, die die Fördertöpfe, die im Zuge des Gemeindeverkehrs-Finanzierunggesetzes angezapft werden, über Gebühr strapaziert, wie Projektplaner Erwin Christofori erläutert. Mit 60 bis 65 Prozent Zuschuss zu den Gesamtkosten von geschätzten acht Millionen Euro kann Zirndorf laut Christofori rechnen. Finanziert wird diese Summe von den Autofahrern. Der freistaatliche Zuschusstopf speist sich aus der Kfz-Steuer.

Im Spannungsfeld von Spardruck und Gestaltungswille habe die Planung dem beauftragten Ingenieurbüro „einiges an Gehirnakrobatik“ abverlangt, so Kohl, soll die Brücke doch möglichst günstig, aber doch auch ansprechend gebaut werden. Die vom Straßenbauamt favorisierte und jetzt auch vom Stadtrat abgesegnete Variante kommt als reiner Zweckbau daher. Sie wird in einem leichten S-Bogen und mit einer Spannweite von 228 Metern das Biberttal durchschneiden.

Im Einzelnen beschäftigten den Stadtrat dabei Details, die dem unbedarften Betrachter eines Brückenbauwerks gar nicht auffallen: Weil die Westspange EU-weit ausgeschrieben wird, müssen diese Details der Gestaltung jedoch im Vorfeld festgeklopft werden. Ob die Brücke schließlich aus Ortsbeton, vorgefertigten Teilen oder in Beton mit einer Stahlkonstruktion gefertigt wird, soll dagegen dem freien Wettbewerb der Brückenbauer überlassen werden.

Um die Brückenkonstruktion optisch leichter und durchscheinender wirken zu lassen, wird sie von Pfeilern getragen,die sich v-förmig nach oben öffnen. Sie unterteilen den Brückenunterbau in acht Felder. Insgesamt 13,75 Meter breit, trägt die Brücke eine zweispurige Fahrbahn (acht Meter) und einen 2,50 Meter breiten Rad- und Gehweg. Das beidseits 1,20 Meter hohe Geländer soll seitlich über den Straßenunterbau heruntergezogen werden, um Kanten des Bauwerks zu verdecken. Auf der Leichendorf zugewandten Seite wird ins Geländer eine Lärmschutzwand integriert.

Die 30 Meter lange Brücke, die den Verkehr über den Banderbach führt, wird unscheinbar daherkommen, denn sie taucht ziemlich in der Landschaft ab. Etwas mehr an gestalterischen Aufwand wollen die Planer der Feldwegbrücke zukommen lassen, die in einem 40 Meter langen Bogen den alten Kirchenweg von Zirndorf Richtung Banderbach über die Westspange lenkt und prominent im Gelände steht.

Konsequentes Nein

Ihr einziger Pfeiler wird zwischen Radweg und Fahrbahn auf der Westspange ruhen. Genauso wie die betonierten Flächen der Widerlager, die das Bauwerk seitlich tragen, soll der Pfeiler ein strukturiertes Oberflächenprofil erhalten. CSU und SPD werteten die Entwürfe übereinstimmend als gelungen, die Grünen als erklärte Gegner des gesamten Projekts versagten auch diesen Plänen ihre Zustimmung. SABINE DIETZ
10.6.2005
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