MÜNCHEN — Die Polizei in Bayern kämpft seit Monaten mit der Einführung einer Software für die Einsatzplanung ihrer rund 40 000 Beamten. Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hält den Vorgang für schlimmer als Toll Collect.
In der Gewerkschaftszeitschrift Polizeispiegel kritisiert das DPolG-Landesvorstandsmitglied August Janker die bereits 2003 eingeleitete Ausschreibung. Den Zuschlag zur Lieferung der Software bekam im Frühjahr 2004 das Wiesbadener Softwarehaus P&I Personal & Informatik AG.
Nach Informationen unserer Zeitung hätte die Software innerhalb von vier Wochen einsatzfähig sein sollen, das ist aber bis heute nicht der Fall. Es sei erschütternd und beschämend, dass der Polizei in Bayern eine gut funktionierende andere Software vorenthalten wurde, schreibt Janker. Die andere Lösung hatte die Erlanger Firma Astrum in Form ihres Managementsystems SP Expert angeboten.
Überholtes Betriebssystem
Das Problem bei der Ausschreibung: Die Vorgabe war, dass die Software auf dem Betriebssystem Unix laufen solle. Astrum verwendet Windows. Branchenexperten halten Unix für überholt, allerdings arbeitet damit das Landeskriminalamt.
Janker verweist im Polizeispiegel auf die Kosten, die seither entstanden sind, um die Software in die Gänge zu bekommen. Dies sei ein nachträglicher, nicht akzeptabler Wettbewerbsvorteil für diese Firma. In Zeiten, in denen der Finanzminister gierig nach dem Bekleidungsgeld schaut, weil die Schutzwesten auf Grund technischer Mängel ersetzt werden müssen, erscheint dies wie Hohn.
Michael Ziegler, der Sprecher des Innenministeriums, wies die Kritik als völlig überzogen zurück. Wenn ein Gewerkschafter glaubt, das skandalisieren zu müssen, so ist das nicht sehr hilfreich. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass die Ausschreibung nicht ordnungsgemäß abgelaufen sei.
Nach Auskunft von Ziegler soll die Software nun ab Mitte Oktober in ausgewählten Dienststellen eingesetzt werden. Ab Januar soll sie nach den erforderlichen Anpassungen flächendeckend im Freistaat den Schichtdienst bei der Polizei regeln.
Als pikant werten es Branchenbeobachter, dass die 1992 gegründete Firma Astrum in Erlangen über die Jahre hinweg von Innenminister Günther Beckstein wie von Wirtschaftsminister Otto Wiesheu wegen ihrer geschäftlichen Erfolge als fränkische Vorzeigefirma gewürdigt worden war. 2000 hatte sie von der Polizei in Nordrhein-Westfalen den ersten Großauftrag für das dezentrale Management der Schichtdienste erhalten.
Es folgten Software-Verträge mit der Polizei in Schleswig-Holstein, Berlin und Hessen. Zuletzt entschied sich die Bundespolizei (die Nachfolgerin des Bundesgrenzschutzes) für den Einsatz von SP Expert. Das Knowhow der Erlanger Firma führte jetzt zum Einstieg des US-Konzerns Ingersoll-Rand (siehe Bericht im Wirtschaftsteil).
WOLFGANG MAYER |