Nachrichten und Informationen aus FrankenNuernberger Nachrichten aktuellNuernberger Zeitung aktuell Ein Walzer für den Punker
   
NÜRNBERG PLUS  
„Brückenfestival“ sprengte erneut Stilgrenzen

Ein Walzer für den Punker

 Ein Walzer für den Punker
Bitte Bild anklicken!
Als das DJ-Duo „Smith & Smart“ gegen vier Uhr am Sonntagmorgen Michael Jacksons „Thriller“ in einen Supremes-Song fließen lässt, um nach einem kurzen Motown-Intermezzo bei HipHop und Technobeats zu landen, wirkt das fast ein wenig so, als wollten die Berliner das ganze Wochenende noch einmal im Schnelldurchlauf Revue passieren lassen. Ganz so eklektisch wie das DJ-Set seiner „Aftershowparty“ in der Desi gab sich das „Brückenfestival“, das am Freitag und Samstag mit Bands wie The Robocop Kraus oder Mardi Grass.bb wohl über 5000 Menschen in den Nürnberger Pegnitzgrund lockte, zwar nicht, dennoch bestätigte das charmante „Umsonst & Draußen“-Event seinen Ruf als Genregrenzen sprengender „Fortbildungskurs“ in Sachen Populärkultur.

Das oft als Nachfolger von „Rock im Burggraben“ missverstandene Festival unter der Theodor-Heuss-Brücke hat fünf Jahre nach seiner Gründung längst einen eigenen Stil gefunden und mit diesem die regionale Musikszene geprägt.

„Der Grundgedanke war, den Leuten hier Musik näher zu bringen, mit der sie sonst vielleicht nicht in Berührung kommen würden“, sagt Organisatorin Eva Bär, auch deshalb sei schnell klar gewesen, keinen Eintritt für die Veranstaltung verlangen zu wollen.

Die Auswirkungen dieser „Kulturoffensive“ sind weitreichend. Auf kaum einem anderen Festival sieht man sonst wohl Punker mit Irokesenschnitt beim Einüben von Walzer- und Polkaschritten.

Kapaikos hieß die Band, die das Publikum am Samstagabend zu so ungewohnten Tanzeinlagen verleiten konnte. Das „Mandolinenmassaker“ der außergewöhnlichen Berliner Formation mit ihrem eigenwilligen Sound zwischen Sirtaki, Gypsibeat und Balkanblues sieht man in solch einem Rock-Kontext sicher auch eher selten.

Schon am Freitagabend feierte das Festival mit Auftritten der spanischen Garagenrocker von Tokyo Sex Destruction und der gut aufgelegten Franken von The Robocop Kraus einen Höhepunkt seiner fünfjährigen Historie. Mehrere tausend Menschen wollten vor allem ihre „Local Heroes“ sehen, die mit dem 80er-Jahre-Disco-Punk ihrer neuen Platte „They Think They Are The Robocop Kraus“ derzeit einen ungeahnten Höhenflug in der deutschen und internationalen Independent-Szene erleben.

Den Gitarrenklängen vom Freitag folgte am Samstag der „blasmusikalische“ Kontrapunkt mit dem Konzert der Brass-Kapelle Mardi Grass.bb, „die Krönung“, sagt Organisator Steffen Zimmermann.

Zu einem großen Karnevals-Umzug über das Festivalgelände unter der Theodor-Heuss-Brücke laden Entertainer „Doc Wenz“ und seine begnadeten badischen New-Orleans-Bläser mit schleppenden Bluesrhythmen und beschwingte Jazzharmonien. Das Bad in der Menge, das die Marsch-Fraktion der Band am Ende ihres auch für das Publikum sportlichen Auftritts nehmen erscheint als eine beeindruckende Bestätigung des Konzepts der vier ehrenamtlichen Organisatoren.

„Wir waren in den vergangenen Monaten alle ganz schön am Rotieren“, erzählt Zimmermann, der noch am Samstagnachmittag auf der Bühne unter der Brücke mit seiner eigenen Band Ernie’s Tale ein umwerfend energetisches Abschiedskonzert gab, „aber wenn du da hinter der Bühne stehst und die Begeisterung siehst, dann entschädigt das für einiges.“

Die Planungen für das nächste Jahr würden bald schon wieder beginnen, sagt der Organisator ehe die letzten Aufräumarbeiten erledigt sind, „auch wenn es schwer wird, das zu hier alles zu toppen. Aber im Grenzen sprengen hat man unter der Brücke mittlerweile ja ein wenig Erfahrung. cro
15.8.2005
Mehr vom aktuellen Tagesgeschehen lesen Sie in Ihrer Zeitung. Jetzt abonnieren Link auf ein externes Angebot
 
  © NORDBAYERN.DE