ZIRNDORF — Saftige Preiserhöhungen für Erdgas um rund 16 Prozent kündigt die Gasversorgung Zirndorf zum 1. September für die Kreisstadt an. Hinter dem Gasversorger stehen die Stadtwerke Zirndorf und der Zulieferer N-Ergie. Die Erhöhungen stehen laut N-Ergie-Sprecherin Angelika Ruland allen Beteiligungsunternehmen im Versorgungsgebiet ins Haus - nur lassen sich das nicht alle gefallen.
Nach ihrem neuen Preisblatt berechnet die Gasversorgung Zirndorf für Erdgas im Schnitt 16 Prozent mehr, wobei nur die so genannten Arbeitspreise steigen, die Grundpreise der einzelnen Tarife bleiben unverändert.
Geschäftsführer Reiner Gagel von der Gasversorgung Zirndorf hat bei den neuen Preisen zwar Bauchgrimmen, kann ihnen aber auch positive Aspekte abgewinnen. Die Preiserhöhung gelte nun für mindestens ein Jahr, und das sei ja auch etwas wert. Immerhin wären die Lieferverträge ja so gestaltet, dass alle Vierteljahre Anpassungen möglich wären. So hätten die Abnehmer jetzt Planungssicherheit.
In der Zwickmühle?
Gagel sieht sein Unternehmen in der Zwickmühle. Man habe mit dem Partner N-Ergie nun einmal Abnehmerverträge geschlossen. Nach seiner Überzeugung muss auch jeder andere die Preiserhöhungen schlucken, der Lieferungen von Frankengas bezieht (einer 100-Prozent-Tochter der N-Ergie). Der Zirndorfer Stadtwerke-Chef verweist aber nicht nur auf bestehende Lieferverträge, sondern auch auf die Tatsache, dass in der letzten Zeit die Ölpreise, nach denen sich auch die Erdgaspreise richten, exorbitant gestiegen seien.
Das bestätigt auch die Sprecherin des Versorgers N-Ergie, der praktisch alle Abnehmer in Mittelfranken mit Erdgas beliefert. Das Unternehmen hat, so Ruland, an alle Beteiligungsunternehmen die neuen Preisforderungen weitergegeben wie für Zirndorf. Und: Alle haben eben laufende und gültige Verträge.
Dinkelsbühl wehrt sich
Dass man sich aber trotz solcher Verträge als Abnehmer auf die Hinterfüße stellen und dem mächtigen Lieferanten Paroli bieten kann, macht im Moment die Stadt Dinkelsbühl vor. Ihre Erdgas GmbH, konstruiert aus dortigen Stadtwerken und N-Ergie — genau wie in Zirndorf - will vom Zulieferer Frankengas auf das Kasseler Unternehmen WinGas umsteigen. Grund: Die Hessen bieten Dinkelsbühl an, Gas zukünftig anstatt 16 Prozent nur neun Prozent teurer zu liefern.
Dinkelsbühl hat nachgerechnet: Dadurch würde ein normaler Haushalt rund 100 Euro im Jahr sparen, in ihrem Liefergebiet fielen somit fast 300 000 Euro weniger Kosten für Gas an.
Anfang des Monats hat Dinkelsbühl beschlossen, zu wechseln. Die N-Ergie kündigte postwendend eine Klage gegen den Beschluss an, falls sich Hinweise auf Vertragsverletzungen bestätigen sollten. Auf diese Klage allerdings wartet die Stadt Dinkelsbühl nun seit Wochen, und Oberbürgermeister Christoph Hammer ist überzeugt, dass sie angesichts der Rechtslage auch nicht zu erwarten ist.
Prozess gewinnen wir
Aus zwei Gründen hält sich das Dinkelsbühler Stadtoberhaupt auf der sicheren Seite. Einmal hat N-Ergie offenbar gegenüber der Stadt bei den jüngsten Verhandlungen den Mund einigermaßen voll genommen. Im Beisein mehrerer Zeugen, so Hammer, habe der Zulieferer mündlich versichert, wenn Dinkelsbühl einen billigeren Anbieter präsentiere, würde N-Ergie verzichten. Das Unternehmen, sagt der Bürgermeister, ist aber halt nicht das günstigste.
Und: Laut Hammer ist gegenwärtig eine Diskussion über die kartellrechtliche Frage in Gang, ob ein Unternehmen wie N-Ergie gleichzeitig Zulieferer und Mitglied in einem Versorgungsunternehmen sein kann. So ist der Oberbürgermeister überzeugt: Einen Prozess gegen uns würde N-Ergie mit Pauken und Trompeten verlieren. Er erwartet eine Verhandlungseinigung.
A. WIESERNER |