Von Isabel Strohschein
So schnell ist Esther Kärmer nicht aus der Ruhe zu bringen: Die Nachwuchs-Designerin hat zwar einen großen Schritt nach vorne gemacht, aber der Weg zu ihrem Ziel ist noch lang. Die 26-Jährige aus Wendelstein ist Finalistin beim Wettbewerb Catwalk with Ball, einem Projekt der DFB-Kulturstiftung im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft.
Junge Designer sollten in verschiedenen Kategorien Entwürfe einreichen, Esther Krämer hat sich für den Bereich New Fanwear entschieden und sich den Argentiniern gewidmet. Sechs Outfits, je drei für Männer und für Frauen, näht sie für das Finale, das im Februar auf der Modemesse CPD in Düsseldorf stattfindet. Sie hat noch neun Konkurrenten in ihrer Kategorie. Zu gewinnen gibt es eine publikumswirksame Präsentation der Entwürfe und natürlich die unerlässlichen Kontakte, die bei einem solchen Ereignis geknüpft werden können.
Die argentinisch-fränkische Kollektion ist klar in den Linien, aber raffiniert in den Details — ein Markenzeichen Esther Krämers. Alle aktuellen Schnitttrends sind enthalten: Hüftjeans, Baggy-Pants, Shorts, Rock, Pullunder. Die Kombination aus verschiedenen Stoffen — die Argentinien-blauen Elemente sind immer aus Baumwoll-Polyester — und viele asymmetrische Linien schaffen Schwung. Die klare Linienführung der argentinischen Nationalflagge wäre sonst zu streng. Deshalb sind auch die Argentinia-Aufdrucke auf den Rückseiten der Entwürfe nicht gerade, sondern in Wellenform gehalten.
Argentinien habe sie sich ausgesucht, weil sie ohnehin viel mit Blau und Weiß arbeite, und weil ihr die Argentinier sympathisch seien, erklärt die Modedesignerin. Krämer verbindet mit der Mannschaft Temperament, Leidenschaft, Spielfreude, aber auch technische Disziplin und Kampfgeist. Sie sei kein ausgesprochener Fußball-Fan, aber von einer Welmeisterschaft lasse sie sich schon begeistern. Ein paar Mal im Club-Stadion sei sie auch gewesen. Deshalb habe sie Fan-Kleidung abseits von T-Shirt und Schal gereizt. Der sportliche Stil ist ohnehin ihre Richtung, Verspielt-Romantisches ist nicht ihre Sache, das war schon während ihres Modedesign-Studiums an der FH Pforzheim klar.
Stilverwandte hat sie bei einem Praktikum in Dänemark gefunden. Die Augen der großen Blonden leuchten, wenn sie von der inspirativen Atmosphäre Kopenhagens erzählt: Viele kleine Läden bieten eine starke Förderung für Nachwuchstalente - etwas, was ihr in Nürnberg fehlt.
Den meisten Leuten sind Design-Stücke zu teuer oder sie haben schon Angst, so einen kleinen Laden überhaupt zu betreten, hat sie bedauernd festgestellt.
Die Trends würden derzeit in Skandinavien gemacht: Als ich vor zwei Jahren aus Kopenhagen mit Fellstiefeln zurückgekommen bin, haben mich die Leute ganz komisch angeguckt, jetzt trägt sie jeder. Mit Gummistiefeln und Stolas sei es dasselbe gewesen.
Dass ihr das Angebot der großen Kaufhäuser schon als Jugendliche nicht mehr zugesagt hat, hat den Weg zur Designerin noch beschleunigt: Irgendwann habe ich die Sachen, die mir gefallen, eben selber entworfen. Das erfordert Kreativität, aber auch Handwerk und Disziplin.
Für die Argentinien-Entwürfe hat sich Esther Krämer erst einmal ein Konzept erstellt, dann ging es ans Zeichnen, dann kamen die Schnitte und am Ende steht das Nähen. Das kostet nicht nur viel Zeit, sondern auch Geld für das Material. Stücke zu verkaufen, gehört für die Designerin zum Geschäft, ab jetzt sind Teile ihrer bisherigen Kollektionen bei atmosphair, einem neuen Friseur in Nürnberg, zu sehen und zu kaufen.
Neben der Wettbewerbs-Teilnahme läuft die Jobsuche: Im Bereich Young Woman und Frauen für ein Modeunternehmen zu arbeiten, ist mein nächstes Ziel, sagt sie. Dort könne sie viel lernen. Aber der große Traum ist das eigene Label. Und da hat sich die Fränkin schon ihre Gedanken gemacht, wie sie das angehen möchte. Denn nur Träumen, das ist nicht ihre Sache.
Informationen: www.estherkraemer.de |