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Polizei: Gunzenhausen ist keine «Drogenhochburg“

 Polizei: Gunzenhausen ist keine «Drogenhochburg“
GUNZENHAUSEN (dre) - In vielerlei Hinsicht mag Gunzenhausen eine ganz normale fränkische Kleinstadt sein. In einer Hinsicht jedenfalls hat es einen ausgesprochen üblen Ruf - es gilt seit Jahr und Tag als «Drogenhochburg“, und das sogar unter vermeintlichen Fachleuten. Von der Polizei Gunzenhausen kommt nun deutlicher Widerspruch: Die Altmühlstadt ist in Sachen Rauschgift gar nicht so schlecht wie ihr Ruf, sondern ganz normal. Was die Sache selbst nicht besser macht, aber relativiert.

Dem stellvertretenden PI-Leiter Karl-Heinz Satzinger kommt seit langem des Öfteren zu Ohren, wie schlecht von Gunzenhausen geredet wird, wenn das Thema Rauschgift angesprochen wird. Satzinger kann dem nicht folgen. Nach der Erfahrung der Ordnungshüter vor Ort, nach der langjährigen Statistik und auch nach den Erkenntnissen anderer Dienststellen ist Gunzenhausen eben nicht der katastrophale Ausreißer. Folglich spricht Satzinger klipp und klar von einem Gerücht, das sich zwar hartnäckig halte, doch «definitiv falsch“ sei. Zuweilen werde Gunzenhausen sogar mit Zuständen wie in Hamburg oder Berlin gleichgesetzt. Das sei natürlich Unsinn und völlig aus der Luft gegriffen.

Vor 20 Jahren hat es eine Kifferszene in Markt Berolzheim gegeben. Der Eindruck von damals mag sich bis heute gehalten haben, so Satzinger im Gespräch mit dem Altmühl-Boten. Auch die Aktivitäten des Vereins JES könnten eine Rolle spielen. Drogensüchtige aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus lassen sich von JES in Gunzenhausen betreuen. Hier könnte der eine oder andere Bürger zu dem Schluss kommen, es handle sich um ein Gunzenhäuser Problem. Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache. So ist die Zahl der Drogendelikte im Gunzenhäuser Raum wie auch im gesamten Landkreis rückläufig. Das gilt auch für den illegalen Handel und Schmuggel. Unter den drei Dienststellen Weißenburg, Treuchtlingen und Gunzenhausen fällt letztere in keiner Weise aus dem Rahmen. Die Zahlen sind «unauffällig“, betont Satzinger.

Wobei die Statistik die Wirklichkeit nicht korrekt widerspiegeln kann. Wenn die Polizei sehr aktiv ist und Verstöße feststellt, gehen die Zahlen nach oben. Sie geben im Grund nicht Auskunft, wie rege die Drogenszene ist, sondern wie stark sich die Polizei ins Zeug legt. Außerdem: Im Drogenbereich liegt die Aufklärungsquote in der Regel bei 100 Prozent. Satzinger: «Es gibt keine unaufgeklärten Drogendelikte.“ Noch eine Besonderheit: Ein einzelner Hinweis kann zur Aufklärung zahlreicher Drogendelikte führen. Die Statistik fällt dann aus dem üblichen Rahmen. Im Jahr darauf geht kein solcher Tipp ein, und die Zahlen rutschen in den Keller. Alles in allem kann die Statistik nur ein grober Anhaltspunkt sein.

Gerücht wird gepflegt

Zuständig für die Bekämpfung von Drogenkriminalität ist die Kripo in Schwabach. Die PI Gunzenhausen wirkt in ihrem Bereich unterstützend. Drogen-Präventionsbeauftragter Werner Bernhardt trifft die Aussage, im Bereich Gunzenhausen gebe es keine andere Drogenszene als in vergleichbaren Städten. Auch zum Beispiel in Altdorf, Roth oder Weißenburg bestehe ein Drogenproblem, das präventive oder repressive Maßnahmen der Polizei erfordere. Es lägen keine Anhaltspunkte vor, Gunzenhausen als Brennpunkt einzuschätzen. Bei manchen Jugendlichen sei es offenbar einfach cool, aus einer angeblichen «Drogenhochburg“ zu kommen, deshalb werde dieses Gerücht gepflegt, so der Schwabacher Kripobeamte.

Nicht anders das Kommissariat Rauschgift der KPI Schwabach: Die Drogenszene sei nicht ausgeprägter als in vielen vergleichbaren Städten. Die Ordnungshüter aus Schwabach werden immer dort verstärkt aktiv, wo nach ihrem Lagebild der Drogenhandel zunimmt oder bereits sehr hoch ist. Sie sind in Gunzenhausen am Werk, aber genauso in anderen Städten im südlichen Mittelfranken.

Die Gunzenhäuser Polizisten wissen natürlich oft am genauesten um die wirklichen Zustände - jenseits der Statistik. Karl-Heinz Satzinger und mit ihm Ermittlungsbeamter Dieter Friedel können sich den Aussagen der Schwabacher Kollegen nur anschließen. Das Drogenproblem sei auch hier vor Ort vorhanden, in Gunzenhausen wie in Heidenheim. Man habe große wie kleine Dealer und Abnehmer, die nicht in die Großstadt fahren müssten, um sich einzudecken. Unterm Strich sei man aber nicht mehr belastet als in anderen Kleinstädten.

Wie überall im Freistaat gibt es von Seiten der Polizei null Toleranz. Das gilt für den Konsum und die Weitergabe von Drogen jeder Art und schließt den Anbau von Cannabispflanzen zum Eigenverzehr ein. Friedel: «Wir gehen jedem Hinweis nach, auch dem auf eine Tüte mit weißem Pulver, die in der Schule herumgereicht wird.“ Nicht ohne Grund hält Friedel engsten Kontakt zu den Schulen. Auch im Vereinswesen weiß er Bescheid und kennt seine Pappenheimer.

Die allgemeinen Entwicklungen treffen auch für Gunzenhausen zu. Drogen werden im Freundes- und Bekanntenkreis herumgereicht und gehandelt, das Hauptgeschäft spielt sich im privaten Bereich ab. Marihuana beziehungsweise Haschisch stehen am Anfang. Wer früh raucht, ist eher anfällig für den ersten Joint. Drogendelikte kommen an allen Schultypen vor, es ist nicht so, dass die Hauptschule unrühmlicher Spitzenreiter sein muss.

Auch von Schwerstabhängigen weiß die Polizei, wenngleich sie deren Zahl etwas niedriger einschätzt als noch vor Jahren. Hier ist die Dunkelziffer hoch. Überhaupt gewinnt man selten Zeugen, die die Hintergründe von Drogendelikten aufdecken, denn die Angst vor unangenehmen Folgen ist groß.

Dieter Friedel richtet an die Eltern den ernsten Appell, ihre Schützlinge genau im Auge zu behalten. Ein plötzlicher Leistungsabfall in der Schule kann ein Alarmzeichen sein. Meist fallen die Eltern aus allen Wolken, wenn die Polizei vor der Tür steht, weil sie Hinweisen nachgeht. Sie schwören dann Stein und Bein, dass ihr Kind damit nichts zu tun haben kann. Die Gesichter sind lang, wenn sich im Jugendzimmer dann doch etwas findet.

Doch es geht nicht nur um das erste Kiffen in frühem Alter. Besondere Sorge macht der Polizei der Alkoholkonsum unter Jugendlichen. Satzinger und Friedel haben den Eindruck, dass mehr harte Sachen als früher die Kehle hinunterlaufen. Auch hier liegt es gerade an den Eltern, den Anfängen zu wehren.
26.4.2006 15:27 MEZ
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