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ZIRNDORF — Der PinderPark bekommt noch ein paar Reihenhauszeilen mehr. Gegen zwei Stimmen genehmigte der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung eine erneute Änderung und damit die dritte Fassung des Bebauungsplans, der Basis ist für den Stadtteil, der derzeit westlich der Innenstadt aus dem Boden schießt.
Damit bleiben von den im ersten Bebauungsplan vorgesehenen 3,4 Hektar Gewerbefläche gerade noch 1,7 Hektar übrig. Mit Tipp-Gebäude, Madeleine-Verwaltung, Dialysezentrum und Landratsamt werden 4,6 statt der ursprünglich angepeilten gut sechs Hektar auf der insgesamt 16 Hektar großen Konversionsfläche von Gewerbe besetzt.
Eine Entwicklung, die Kreisbaumeister Wolfram Messow in seiner Stellungnahme im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung der Behörden bedauert: Der neue Stadtteil sei damit nicht mehr von der einst vorgesehenen Nutzungsvielfalt gekennzeichnet. Mangels Interesse hat sich die Gewerbefläche immer mehr zu Gunsten der Wohnbebauung reduziert. War im ersten Stadium der Bauleitplanung im Sommer 2004 noch von Häusern für etwa 700 Menschen die Rede, geht die Stadtverwaltung Zirndorfs mittlerweile davon aus, dass eines Tags 1200 Menschen in dem neuen Stadtteil leben könnten.
Umgewidmeter Nordwesten
Von ursprünglich knapp 300 Wohneinheiten ist die Zahl der Reihenhäuser mit der ersten Änderung des Bebauungsplans auf 340 gestiegen, die zweite Änderung wird ab 24. Juli öffentlich ausliegen. Die Korrektur konzentriert sich auf den Bereich zwischen Thomas-Mann-Straße und TSV-Sportplatz in der Nordwestecke des neuen Stadtteils. Etwa die Hälfte des Baufelds war für Gewerbe und städtische Feuerwache reserviert. Jetzt entstehen auch dort Reihenhäuser, was deren Gesamtzahl auf gut 400 erhöht.
Brach liegt nun letztlich nur noch die Fläche zwischen Lidl-Markt und Tipp-Gebäude. Sie geht mit der zweiten Plankorrektur an die Stadt über, die im Gegenzug ihren Anteil im neu überplanten Gebiet räumt. Auf der Gewerbefläche, für die der Investor vergeblich um einen Discounter geworben hatte, entsteht so Platz für die zusätzlichen Häuserzeilen. Den neu zugewiesenen Bereich will sich die Bibertstadt Bürgermeister Thomas Zwingel zufolge für gewerbliche Nutzung offen halten.
In der jüngsten Stadtratssitzung blieb die Änderung großteils unkommentiert. Laut Zwingel war sie in den Fraktionen auf deren Wunsch intensiv vorberaten worden. So verwies Zwingel nur noch auf die Sitzungsvorlage und bat zur Abstimmung. Das Ergebnis: Eine große Mehrheit stimmte für die zusätzlichen Wohneinheiten, zwei Stadträte waren dagegen.
Zum einen war das Kerstin Führes (Grüne), die wie ihr in dieser öffentlichen Sitzung entschuldigter Parteikollege Wolfram Schaa bisher konsequent gegen den PinderPark gestimmt hatte. In ihrer Ablehnung schloss sich Führes den Einwänden von Unterer Naturschutzbehörde und örtlicher Bund-Naturschutz-Gruppe an. Sie hatten moniert, zu viele Grünflächen gingen mit der Neuplanung verloren.
Neinsager der Koalition
Wäre die Ecke - wie in der bereits genehmigten letzten Fassung — Gewerbefläche geworden, wäre sie weit intensiver versiegelt worden, halten die Stadtplaner im Rathaus diesem Einwand entgegen. Noch dazu entstünde zusätzliches privates Grün. Ergänzend soll am Nordwestrand des Baugebiets auf einer Länge von 90 Metern eine Hainbuchenhecke gepflanzt werden.
Die zweite Gegenstimme kam von Bernhard Ixmeier. Der CSU-Stadtrat ist damit der letzte Neinsager zum Projekt PinderPark in Zirndorfs «großer Koalition. Im Stadtrat ließ er seine Ablehnung unkommentiert. Auf Nachfrage erläutert er seine Beweggründe, die in früheren Abstimmungen noch zwei weitere Fraktionskollegen von ihm geteilt hatten.
Er wolle keine Kaserne in der Kaserne, «zu viel und zu eng ist ihm die Wohnbebauung im PinderPark. «Das Ursprungsziel, eine gute Mischung anzusiedeln, in der nicht störendes Gewerbe die eng an eng gebauten Häuser aufgelockert hätte, ist komplett aus dem Blick geraten. Der Stadtrat hätte, so Ixmeier, in der Vergangenheit auch einmal Nein sagen sollen zu den Änderungswünschen des Investors. Stattdessen sei auf nahezu jede freie Fläche noch ein Haus gesetzt worden.
ZIRNDORF — Dass die kritischen Statements über eine zu dichte Bebauung des PinderParks im Zirndorfer Stadtrat weitgehend verstummt sind (siehe Artikel links), dürfte den Nürnberger Immobilienmakler Ralph Munck, der die Neubauten im Auftrag des Investors vermarktet, freuen. Er verurteilt die Kommentare, die Bewohner würden in dem neuen Stadtteil zu dicht aufeinander geschlichtet, ohnehin als «ganz fiese und falsche Kritik.
Die kleinsten Grundstücke beim Haustyp City mit zwei Stellplätzen und 127 Quadratmetern Wohnfläche (schlüsselfertig für 159 000 Euro zu haben) sind, so argumentiert Munck, «immer noch mit einem zirka acht auf acht Meter großen Garten ausgestattet. Da gibt’s ganz andere Reihenhaussiedlungen, sagt er.
Ähnlich sieht das auch Günther Keller, der Fraktionssprecher der CSU im Stadtrat: «Die meisten haben mittlerweile erkannt, dass sich der PinderPark sehen lassen kann. Er selbst, so Keller, würde sich dort auch ein Häuschen kaufen, wenn er denn nicht schon eines hätte. «Und außerdem, was wäre die Alternative zum Status quo?, fragt er und gibt gleich selbst die Antwort: «Die Grundstücke lägen heute noch brach.
Stattdessen sind seit 2004, als die ersten Bagger anrückten, 150 Reihenhäuser von im Endausbau gut 400 Wohneinheiten fertig gestellt und bezogen worden. Insgesamt 200 Häuser hat Munck schon verkauft. Weitere 170 Wohneinheiten und damit fast alle, die geplant sind, befinden sich im Bau. 560 Menschen leben laut Munck bereits im neuen Stadtteil. Den ersten von insgesamt fünf Bauabschnitten hat der Investor vergangenes Jahr an die Stadt übergeben, der zweite ist fast fertig und großteils bezogen. Er soll noch vor den Sommerferien an die Stadt gehen. Und auch das dritte Baufeld mit 130 Reihenhäusern soll noch heuer fertig werden. Der neue Stadtteil wächst rasant.
«Schnell zugeschlagen
Die Ende 2005 gestrichene Eigenheimzulage hat Munck einen Run beschert wie noch nie: «Jeder, der fest plante, ein Haus zu kaufen, hat noch schnell zugeschlagen. 80 Häuser gingen allein in den Monaten November und Dezember 2005 weg, so viele wie zuvor im ganzen Jahr. Was folgte, war eine Flaute Anfang 2006. Ab April haben sich Muncks Verkaufszahlen wieder bei sieben, acht verkauften Häusern je Monat eingependelt. «Wenn das so weitergeht, sind die Häuser in drei Jahren weg, sagt Munck.
Seine Kunden sind hauptsächlich junge Familien. Bei aktuell über 200 Käufern sind lediglich drei als Kapitalanleger aufgetreten. In zwei der von ihnen erworbenen Immobilien zogen die eigenen Kinder ein. «Und ausgezogen, betont Munck, «ist noch kein Einziger.
Mit dem am zentralen Ruth-Bader-Platz angesiedelten Montessori-Kindergarten, in dem die Bibertstadt erst unlängst Richtfest feierte, zeichnet sich nun auch ein erster Mosaikstein für eine soziale Infrastruktur im neuen Wohnquartier ab. Gleich gegenüber, im noch unbebauten Viertel am Kreisverkehr — im Winkel zwischen Luise-Rinser- und Thomas-Mann-Straße — soll im Baustil von Landratsamt, Tipp-Gebäude und Realschule ein Altenheim entstehen. Geplanter Baustart ist Oktober, mit der Fertigstellung rechnet Makler Munck im November 2007.
In einem Jahr rechnet er zudem mit der Grundsteinlegung für ein Ärztehaus, das sich direkt an den Kindergarten anschließt. Ein Orthopäde ist im Tipp-Gebäude beheimatet, ein Internist im Dialyse-Zentrum. Allgemeinmediziner, Kinderarzt, Gynäkologen, Urologen und Zahnarzt will der Makler noch gewinnen, damit die Familien im PinderPark medizinisch rundum versorgt sind. SABINE DIETZ
SABINE DIETZ |