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Blitz und Donner würzen die Wettersuppe

Tobias Volgnandt betreibt in Roßtal eine Wetterstation — Rekorde und Gewitterfotos
 Blitz und Donner würzen die Wettersuppe
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ROSSTAL — Tobias Volgnandt ist der «Wetterfrosch“ von Roßtal. Der 24-jährige Student betreibt im elterlichen Garten seit vier Jahren eine eigene kleine Wetterstation, die ihre Daten regelmäßig ins Internet sendet. Die FN sprachen mit dem Hobby-Metereologen über Gewitter, Hitze- und Kälterekorde.

Herr Volgnandt, wie wird das Wetter in den nächsten Tagen?

Volgnandt: Das werde ich oft gefragt, dabei sind Prognosen nicht meine Spezialität. Wer will, kann sich die Informationen ja jederzeit aus dem Internet oder den Medien besorgen. Wenn ich gerade selbst nachgesehen habe, gebe ich natürlich Auskunft.

Haben die Roßtaler eigentlich ein anderes Wetter als der Rest des Landkreises?

Volgnandt: Nein. Aber es gibt zahlreiche Behauptungen darüber.

Was erzählen die Wetterfühligen aus Roßtal?

Volgnandt: Es heißt: Roßtal wird von Gewittern verschont, weil sich die Wolken stets in Raitersaich teilen und weiterziehen. Oder: Da Roßtal wasserarm ist, zieht es keine Gewitter an. Angeblich lenkt das Umspannwerk Gewitter vom Ort ab. Wissenschaftlich ist das alles nicht belegbar, denn Gewitter ziehen dorthin, wo sie wollen, und Roßtal kann es genauso treffen wie jede andere Gemeinde.

Gab es im Sommer 2006 schon Rekorde?

Volgnandt: Als Höchsttemperatur habe ich bislang 34,8 Grad gemessen, das ist aber noch nicht der Rekord vom Extremsommer 2003. Da lag der Spitzenwert bei 37,3 Grad.

Und das andere Extrem - Kälte?

Volgnandt: Den tiefsten Wert habe ich am 1. März 2005 festgestellt mit minus 19 Grad.

Was ist Ihr Lieblingswetter?

Volgnandt: Interessant sind nur die Extrem-Wetterlagen. Wenn es dauernd hochsommerlich heiß ist, ist das nicht so spannend. Natürlich mag ich es, wenn es ein paar Mal gewittert.

Gehören Sie zu den Gewitterjägern?

Volgnandt: Wenn ein Gewitter im Anmarsch ist, fahre ich gerne ein Stück raus und lasse es auf mich zukommen. «Chase“ heißt das im Fachjargon, ein Phänomen, das aus den USA kommt. Man muss vorsichtig sein, möglichst im Auto bleiben, und wenn ich Glück habe, gelingen mir Fotos von Blitzen. Kürzlich hing eine Gewitterfront sehr tief, da ist mir eine Aufnahme von einer besonders schönen Böenwalze geglückt. Die Fotos stelle ich dann auf meine Internetseite wetter.rosstal.de.

Die meisten Menschen sehen Gewittern allerdings nicht so erwartungsvoll entgegen, sondern eher mit Bangen.

Volgnandt: Natürlich sind solche Wetterlagen auch gefährlich. Ich habe mich deshalb beim Verein Skywarn angemeldet. Darin haben sich private Beobachter zusammengeschlossen, die Warnungen vor Hagelschlag, Sturmböen oder Tornados weitergeben. Dann kann die Bevölkerung informiert werden. Bislang hatte ich allerdings noch keine Möglichkeit, etwas zu melden.

Wieso braucht es für die Warnungen Privatleute?

Volgnandt: Es ist äußerst schwierig, ein Gewitter vorherzusagen, denn sie sind lokale Phänomene. Die großen Wetterdienste wissen zwar, dass eine Gewitterfront auf eine bestimmte Region zukommt, aber wo genau und wie stark sie sich entlädt, das können sie meist nicht prognostizieren. Hier können die kleinen Wetterstationen vor Ort einspringen. Allerdings hat man oft nur eine Vorlaufzeit von wenigen Minuten. Da ich bei der Feuerwehr Roßtal bin, kann das allerdings ganz nützlich sein.

Wie kommt eigentlich Ihre Roßtaler Internetseite an?

Volgnandt: Sie wird erstaunlich häufig gelesen und andere Seiten aus Roßtal verweisen darauf. Ich bekomme viel positive Resonanz. Und wenn ich mal ein paar Tage keine Zeit hatte, mich um alles zu kümmern, und es funktioniert eine der Anzeigen nicht, schreibt mir bestimmt jemand eine Mail, um mich darauf hinzuweisen.

Interview: BEATE DIETZ
28.7.2006
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