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Nach der Wahl ist vor der Wahl, heißt es aus Politikermunde gern. Vor der Bürgermeisterwahl im März stellte Thomas Zwingel - damals noch Stellvertreter des Rathauschefs Gert Kohl und aussichtsreicher Kandidat für dessen Nachfolge - den Antrag, die Verwaltung möge prüfen, ob es möglich wäre, einen Shuttle-Bus von Zirndorfs Bahnhof zum FunPark einzurichten. Die Wahl hat Zwingel mittlerweile gewonnen, die Angelegenheit mit dem Bus-Transfer sieht er heute etwas anders als vor der Wahl.
ZIRNDORF — FunPark-Besucher, die mit dem Zug nach Zirndorf kommen, landen in einer Sackgasse. Eine direkte Verbindung vom Bahnhof zum Vergnügungspark im Ortsteil Leichendorf gibt es nicht. Wer von Zirndorfs Mitte zum FunPark gelangen will, muss «entweder gut zu Fuß sein oder sich ein Taxi leisten können, formulierte Zwingel in seinem Antrag vom vergangenem September (siehe auch Artikel rechts unten).
Zwingels Anliegen fand im Stadtrat nicht nur volle Unterstützung, mehr noch: der Antrag wurde ergänzt. Gleichzeitig sollte die Verwaltung prüfen, ob eine solche Stadtbuslinie nicht auch Bibert-Bad, Pinderpark und den künftigen S-Bahn-Halt Anwanden anfahren - oder zumindest ein Taxi-Zubringer verkehren könnte.
Das ist jetzt neun Monate her. Zwingel ist mittlerweile Bürgermeister. Mit dem S-Bahn-Halt in Anwanden rechnet Zirndorf 2008, doch der war auch schon einmal für 2006 angekündigt. «So lange können wir die Besucher aber doch nicht im Regen stehen lassen, sagt Grünen-Stadtrat Wolfram Schaa. «Und auch in Sachen Prüfantrag an die Verwaltung ist nichts geschehen. So zumindest stellte sich die Situation für die Grünen nach der jüngsten Stadtratssitzung dar. Die Anfrage, inwieweit die Verwaltung die per Stadtratsbeschluss gestellten Hausaufgaben erledigt habe, handelte Zwingel nichtöffentlich ab. Ergebnis: «Wir erhielten keine Informationen, die erkennen ließen, dass man sich der Sache in adäquater Weise widmen würde, so Schaa.
Das verärgerte nicht nur die Grünen, sondern auch die CSU, wie deren Fraktionsvorsitzender Günther Keller berichtet. Und so ging Schwarz-Grün einen Schritt, der bis dato einmalig ist in Zirndorfs kommunalpolitischer Geschichte: Die beiden Parteien stellten gemeinsam einen Antrag.
Der Inhalt: Baldmöglichst möge die Stadt einen Taxi-Zubringer einrichten, der die Strecke vom Bahnhof nach Leichendorf bedient. Weil eine zeitnahe Lösung sicherlich auch im Interesse des FunPark-Betreibers liege, soll die Verwaltung klären, inwieweit sich die Firma geobra Brandstätter an der Finanzierung eines solchen Fahrdienstes beteiligen würde.
Der Antrag sollte scheitern. Zwingel setzte ihn auf die Tagesordnung des Verkehrsausschusses. Dort sind die Grünen nicht vertreten, SPD und CSU gleich stark. Die entscheidende elfte Stimme hat der Bürgermeister. «Welches Vorgehen würden Sie den vorschlagen, fragte Zwingel in die Ausschussrunde. «Sollen wir die Taxi-Linie etwa einrichten und Brandstätter verpflichten, sie zu zahlen? «Ihr Wort in Gottes Ohren, wandte er sich an die Antragsteller, doch er mache sich wenig Hoffnung, dass Playmobil da einsteige. Generell erachtet die SPD eine Subventionierung aus der Stadtkasse für problematisch, da das auch Forderungen von anderer Seite nach sich ziehen könnte.
Unerwünschter Stil
Dem unbenommen stellte sich Ordnungsamtsleiter Werner Schwab hinter seinen Vorgesetzten: Natürlich liefen Gespräche mit Brandstätter, «doch die Tür können wir denen deswegen auch nicht einrennen, ein solcher Stil ist dort nicht erwünscht. Den Vorwurf, die Verwaltung habe es verschlafen, den Beschluss umzusetzen, wollte Schwab ebenfalls nicht auf sich sitzen lassen. Unverzüglich sei das Landratsamt als eigentlicher Träger des öffentlichen Personalverkehrs um Stellungnahme gebeten worden, die Antwort stehe noch aus.
Im Verkehrsausschuss zog sich Zwingel auf den Standpunkt zurück, den vor einem Dreivierteljahr von ihm erkannten Bedarf habe er auf «subjektives Empfinden gegründet. Ohne gesicherte Fakten aber wolle er nicht irgendetwas ins Leben rufen, das hinterher nicht angenommen werde und einen Haufen Geld koste.
Ratlose Reisende
Nach Ansicht von Peggy Roterberg, die den Fahrkartenschalter in Zirndorfs Bahnhofshalle bedient, wäre ein Fahrdienst vom Bahnhof zum FunPark jedoch das Beste, was ihrer Kundschaft passieren könnte. Vor allem wochenends stünden immer wieder ganze Gruppen ratlos am Bahnsteig. «Und ich kann sie nur zum Taxistand oder zu Fuß losschicken. Da fühlt man sich als Fahrkartenverkäufer auch ziemlich schäbig, sagt sie. Zumindest die Rückfahrtsroute von Leichendorf nach Nürnberg/Hauptbahnhof kann die Schalterdame ihren Kunden aber mit auf den Weg geben: Sie empfiehlt den 113er Bus. Doch der führt über Fürth-Süd und lässt Zirndorfs Zentrum links liegen. Gerade das aber wollen Zirndorfs Politiker verhindern.
Erklärtes Ziel, so Schaa, sei doch, «dass wir vom Tourismus profitieren wollen. Also lassen Sie die Welt zu Gast in Zirndorf sein, forderte er. Doch die Beschlusslage dient dem nicht: Dem Verwaltungsvorschlag folgend, sollen Schüler in den ersten Ferienwochen die Zugfahrgäste befragen. Nach Ansicht von Jürgen Grötsch (CSU) ist das jedoch die Zeit, in der der größte Bedarf wäre. «Stattdessen fang mer jetzt noch mal umständlich zum Prüfen an. Für diesen Sommer ist der Transfer dann also gelaufen.
SABINE DIETZ |