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| Musikfestival unter der Theodor-Heuss-Brücke: |
Rocker, Denker und Poeten |
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Es gibt Fragen, die einer nur kurzen, aber eindeutigen Antwort bedürfen: «Soll das Brückenfestival nächstes Jahr wieder starten?, fragt der Moderator von der Bühne. «Ja!, geben Tausende Menschen im Publikum ohne zu zögern zurück. Am Freitag und Samstag stellten sie sich unter die Theodor-Heuss-Brücke und ließen es sich gut gehen. Möglichkeiten dazu hatten sie genügend: Mehrere Bands sorgten für gute Stimmung, auch das Begleitprogramm bot genügend Unterhaltung.
Eine Spur hinterlassen sie auf jeden Fall, diese schwarz gekleideten Jungs von «Trace. Nicht umsonst schreit das Publikum nach Zugabe - und bekommt sie auch von der Band. Ihre Melodien verbreiten eine leichte Wehmut, die sich ganz sanft um das Herz wickelt.
Es tut einfach gut. Die Pausen zwischen den Auftritten der Band bringen die Massen am Wiesengrund in Bewegung. Während einige sich mit «Drei im Weckla stärken wollen oder Bier-Nachschub brauchen, steuert so mancher die lauschige Ecke an, die definitiv nicht fränkisch ist.
Auf einem Teppich in braunen und rötlichen Tönen sind weiche Sitzkissen und kleine Tische verteilt. Vor ein paar Stunden, als das Festival erst losging, stand noch ein Fläschchen mit Babybrei auf einem der Tische, und der Kleine krabbelte von Mamas Schoß runter, um den Teppich mit seinen schönen Mustern zu erkunden.
Ein Stück Orient mitten in Nürnberg
«Es freut mich, dass das Festival verschiedene Menschen lockt. Hier trifft man Junge und Ältere oder auch Eltern mit Kindern, sagt Stefan Kern, dem der Stand gehört. Nun wird es langsam dunkel und auf den Tischchen stehen mehrere Wasserpfeifen, die einen ziehen an ihnen genüsslich, die anderen schlürfen ihren Chai mit frisch gemahlenen indischen Gewürzen - Orient pur, mitten in Nürnberg, unter einer Brücke.
«Es ist so gemütlich hier. Ich kann mich super entspannen, sagt Martin Bosamer und fügt lächelnd hinzu, «das ist gut, denn bald geht es los mit der nächsten Band, und ich muss wieder alles geben. Martin weiß zwar nicht, welche Band dann spielt, aber es macht ihm nichts aus: «Wir bleiben gut drauf, egal was kommt. Was kommt, lässt die Stimmung bei einigen Festivalbesuchern noch besser werden: Die Jungs von der Geheimband, wenn auch mit unzähligen Verbänden an ihren Köpfen, Armen und Beinen, entpuppen sich als «Robocop Kraus.
Man kann ihre Gesichter kaum erkennen, umso besser kommt ihre Musik rüber. Und schon tanzt das Festival-Publikum, das mit jeder Stunde immer zahlreicher wird. Es gibt aber auch Tanzmuffel unter der Brücke, die es bevorzugen, ihre Beine unter den Bierbänken auszustrecken.
An 18 Brettern tüfteln die Gehirnakrobaten
Selbige Bierbänke und Tische stehen allerdings nicht nur im Dienste der leiblichen Genüsse und der Geselligkeit. An sechs von ihnen versammeln sich Gehirnakrobaten, um an 18 Brettern Schach zu spielen. Warum? «Nette Abwechslung, findet Andreas Krammer, auch wenn er bis jetzt nicht gewinnen konnte.
Sorgfältig in Kisten gepackt, warten etwa 1000 Schallplatten auf ihre neuen Besitzer. Bis jetzt gehörten sie alle Kuno. Sich von ihnen zu trennen, fällt dem Plattenverkäufer nicht schwer: «Meine ganze Wohnung ist voll davon. Heute sind Jimmy Hendrix, The Doors, Frank Zappa sowie Punk und Indi gefragt, also so ziemlich alles. Kuno ist nicht zum ersten Mal beim Festival: «Von Jahr zu Jahr kommen immer mehr Leute.
Auf einer kleinen Bühne mit einem urigen Sessel spricht eine Frau von einer «Stadt im Nichts. Sie meint damit natürlich nicht Nürnberg. Aber welche Stadt es sein könnte, diese Entscheidung überlässt sie ihren Hörern vom Poetryslam. «Es wäre schön, wenn die Menschen etwas leidenschaftlicher applaudieren würden, wünscht sich Christian Ritter, der diesen ungewöhnliche Lyrik-Wettstreit moderiert. Aber: «Es ist schon toll, dass zu uns so viele kommen. Da bin ich überrascht.
Als die Band «Mediengruppe Telekommander als letzte am Freitagabend die Bühne betritt, stellen sich die Menschen schön eng nebeneinander - zu wenig Platz für zu viele, die ihren Spaß haben wollen. Und es soll auch noch schön laut sein. Die Musiker rappen «Mach das leiser und du, sag . . .. «Nein hallt es unisono unter der Brücke. Das Publikum hat sein Machtwort gesprochen.
Ella Schindler |
| 14.8.2006 |
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