NORDHALBEN — Mehrere Gemeinden im oberfränkischen Landkreis Kronach drohen mit dem Exodus aus Bayern. Stattdessen wollen sie sich lieber Thüringen anschließen.
Die Probleme der Gemeinden an der Grenze zu Thüringen würden seit Jahren nicht gehört, beklagte der Bürgermeister von Nordhalben, Josef Daum (CSU). Wirtschaftsminister Erwin Huber wies die Kritik zurück. Das Innenministerium betonte, die Bürgermeister könnten nach geltender Rechtslage nicht im Alleingang mit ihren Gemeinden Bayern verlassen.
Daum beklagte sinkende Zuschüsse der Staatsregierung. Vor dem Hintergrund der zurückgehenden Bevölkerungszahl in Oberfranken gebe es weniger Geld aus München — obwohl kein Euro mehr in der Kasse sei und die Aufgaben nicht weniger würden.
Das zweite Problem sei das Fördergefälle zu den benachbarten Kommunen in Thüringen. Ein Automobilzulieferer aus seiner Gemeinde habe in Thüringen gebaut, weil es dort eine bessere Förderung gegeben habe, sagte Daum. «Wir könnten diese 250 Arbeitsplätze heute in der Gemeinde haben. Neben Nordhalben erwägen laut Daum auch Steinwiesen, Wallenfels und Marktrodach, einen Antrag auf Aufnahme in Thüringen.
Wirtschaftsminister Huber hingegen betonte, die Region Kronach zähle zu den Förderschwerpunkten in Bayern. Die Idee, Bayern zu verlassen, sei «nicht durchdacht. Der aus dem Landkreis Kronach stammende Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf sagte, es gebe im Kabinett Überlegungen, den Finanzausgleich anders zu regeln. Zudem sei der Landkreis Kronach von 2007 an wieder EU-Fördergebiet. Solche Abwanderungswünsche gebe es immer wieder. «Am Ende wissen aber alle, was sie an ihrem weiß-blauen Bayern haben, sagte Schnappauf. dpa |