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Grünflächen und Bäume Mangelware?

Anlieger des PinderParks beklagen «unerträgliche Verdichtung“ im Zuge der neuerlichen Plankorrektur
 Grünflächen und Bäume Mangelware?
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ZIRNDORF — Es gärt im PinderPark: Die zweite Änderung des Bebauungsplans ist auf eine Flut von Einwänden seitens der Bewohner im neuen Stadtteil gestoßen. 103 Neubürger, die bereits in den von der Änderung berührten Straßenzügen wohnen oder sich dort eingekauft haben, meldeten Protest an.

Ihre Kritik richtet sich vor allem gegen eine ihrer Ansicht nach «unerträgliche Verdichtung“ und das am Ruth-Bader-Platz geplante Alten- und Pflegeheim, das zusätzlichen Verkehr ins Wohngebiet bringe. Der ursprünglich geplante Wohnpark, der mit dem Slogan «Wohnen im Grünen“ beworben werde, entwickle sich zu einem «kasernenartig bebauten Gebiet, in dem Grünflächen und Bäume Mangelware sind“, heißt es in einem Schreiben, das 101 Bewohner unterzeichnet haben.

Wohnraum statt Gewerbe

Mit der zweiten Änderung des Bebauungsplans für den neuen, gut 16 Hektar großen Stadtteil im Westen der Bibertstadt weicht erneut Gewerbefläche für Wohnbebauung: Von den sechs Hektar, die ursprünglich für Gewerbe reserviert waren, sind nur noch knapp zwei Hektar geblieben. Statt der vor Baubeginn 2004 geplanten 270 Einzel- und Reihenhäuser entstehen auf der einstigen Kasernenfläche jetzt 425 Häuser mit 440 Wohneinheiten, erläutert Norbert Ruffertshöfer vom Stadtbauamt die Zahlen. Zwei Jahre nach dem Baustart im neuen Stadtteil sind 230 Häuser verkauft und 150 bezogen.

Die Änderung berührt vor allem den Teil, der sich im Winkel von Thomas-Mann- und Luise-Rinser-Straße an den Kreisverkehr (Ruth-Bader-Platz) anschließt. Statt einer Reihenhauszeile soll nun ein Seniorenheim die Luise-Rinser-Straße säumen. Im westlichen Bereich der Fläche, angrenzend an die Baustelle für die Westspange, war Platz freigehalten, auf dem Gewerbe und Feuerwache unterkommen sollten. Jetzt entstehen dort ebenfalls Reihen- und Doppelhäuser.

Gleichzeitig wurden die Hauszeilen im bereits beplanten unteren Bereich (zwischen Jakob-Wassermann-Straße und Erich-Kästner-Weg) Richtung TSV-Sportplatz enger zusammengerückt. Wo in der Vorläufer-Fassung 28 Wohneinheiten untergebracht waren, sind jetzt auf einer etwas mehr als doppelt so großen Fläche 101 Wohneinheiten geplant, bestätigt Ruffertshöfer.

Für die Anlieger eine «unerträgliche Verdichtung“, die vorrangig die Interessen des Investors berücksichtige, nicht aber die der Bewohner. Zum Hauskauf im PinderPark hätten sie sich im Vertrauen auf die Gültigkeit des aktuellen Bebauungsplans entschlossen. Von einer sozialen Einrichtung in der jetzt geplanten Größe des Seniorenheims sei dabei keine Rede gewesen, monieren sie.

«Nur einen Rechtsanspruch, dass alles auf Dauer so bleibt, hat keiner“, hält Ruffertshöfer vom Stadtbauamt dagegen. Illusorisch, sei es, «zu glauben, dass bei einem Baugebiet in dieser Dimension der Bebauungsplan in seiner ersten Fassung von vorn bis hinten zu halten ist“. Und nicht zuletzt bestätige doch das Käuferinteresse an den preisgünstigeren kleineren Wohnparzellen das Konzept, meint Ruffertshöfer. «Was“, fragt er, «nützt es, wenn wir am alten Plan festhalten und dann jahrzehntelang Baulücken haben.“

Soweit es das Altenheim betrifft, war es seit Planungsbeginn politischer Wille, eine solche Einrichtung im PinderPark anzusiedeln, was in der jüngsten Stadtratssitzung fraktionsübergreifend bekräftigt wurde. Der favorisierte Standort lag zwischen Tipp-Gebäude und Lidl-Markt. Nur kamen den Planern dort Auflagen des Immissionsschutzes zum angrenzenden Gewerbe in die Quere. Lärmschutz-grundrisse, wie sie in den Reihenhauszeilen in Randlage Eingang finden, seien in einem Altenheim betriebsbedingt nicht machbar, heißt es in der Sitzungsvorlage. Aus dem gleichen Grund seien auch andere Standorte am Rande des PinderParks - etwa Richtung TSV-Sportplatz - ausgeschieden, so Ruffertshöfer.

Zwei Häuser weniger und ein acht Meter breiter Grüngürtel, der das Altenheim von der Luise-Rinser-Straße trennt, sind im Wesentlichen die Zugeständnisse, die die Stadtratsmehrheit (gegen drei Stimmen) den Anliegern jetzt mit der neuen Fassung des Bebauungsplans macht. Der Grünstreifen am Seniorenheim soll mit Bäumen bepflanzt werden, womit die Stadtplaner der Kritik begegnen, vorgesehene Bäume ausgespart zu haben.

Knappe Statements

In der jüngsten Stadtratssitzung blieb die geänderte Fassung undiskutiert. Die Sprecher der Fraktionen beschränkten sich auf äußerst knappe Stellungnahmen. Die Plankorrektur war hinter den Kulissen vorberaten worden. CSU-Chef Günther Keller räumte ein, die Fläche sei «nun wirklich ausgereizt, da passt kein Zentimeter zusätzliche Bebauung mehr rein“. In einer «leichten Entkernung“ sah er die Wünsche der Anlieger berücksichtigt.

«Sie dürfen versichert sein“, wandte sich Bürgermeister Thomas Zwingel (SPD) an das Plenum, «dass auch ich lieber einen aufgelockerteren Plan zur Abstimmung vorgelegt hätte.“ Insgesamt sähe er jedoch eine Verbesserung: Die Senioren rückten ins Zentrum des Stadtteils, die zurückgesetzte Baugrenze am Altenheim sichere mehr Grün. «Alles in allem ist das mit einem gewissen Bauchgrimmen zu schlucken.“

«Inakzeptabel“

Differenzierter betrachten die Grünen die Entwicklung: Das Altenheim findet ihre Zustimmung. Doch die «schleichende Nachverdichtung“ zu Lasten der Durchgrünung gipfelt nach Ansicht von Kerstin Führes nun in einer Fassung, «die inakzeptabel ist“. «Mit dieser Bebauung haben wir zu 95 Prozent den Zustand erreicht, den anfangs keiner wollte“, erinnert sie auf FN-Anfrage an den allerersten Entwurf. Der habe sich ähnlich präsentiert und sei parteiübergreifend auf strikte Ablehnung gestoßen. So dicht besiedelt, habe es damals geheißen, wollen wir den PinderPark auf keinen Fall.

Der geänderte Plan geht voraussichtlich Ende Oktober, Anfang November in die öffentliche Auslegung.

SABINE DIETZ
13.10.2006
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