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Als die ,Bärbel‘ aufs Abstellgleis rollte

20 Jahre nach der Stilllegung der Bibertbahn hofft die IG auf die Reaktivierung
 Als die ,Bärbel‘ aufs Abstellgleis rollte
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Sie war die jüngste der drei Nebenstrecken, die im Landkreis Fürth ans Schienennetz gingen. Und sie sollte die mit der kürzesten Lebensdauer werden: Vor gut 20 Jahren, am 28. September 1986, rollte zum letzten Mal ein Personenzug von Nürnbergs Hauptbahnhof über Zirndorf-Altenberg und Ammerndorf nach Großhabersdorf. 72 Jahre nach ihrer Premierenfahrt und 15 Jahre nach der Teil-Stilllegung der Strecke von Großhabersdorf nach Unternbibert-Rügland landete die «Bibertbärbel“ damit endgültig am Abstellgleis.

FÜRTH Land (sd) — Über 20 Jahre hatte die Bevölkerung um den Bahnanschluss gekämpft, bis 1914 der erste Zug nach Dietenhofen fuhr, erinnert Sven Becker, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG) Bibertbahn, an die Geburtsstunde der «Bibertbärbel“. Bis in die 60er Jahre fungierte die Bibertbahn als Motor für Wirtschaft und Tourismus. Ende der 60er Jahre begann der Niedergang. Zug um Zug sollte die Bibertbärbel den Wettlauf mit dem Individualverkehr verlieren.

Sehr zum Ärger der Bürger in der betroffenen Region dünnte die Bundesbahn den Fahrplan immer weiter aus. «Fahren kaum noch Züge, gehen natürlich auch die Fahrgastzahlen zurück“, resümiert Becker bitter. Obwohl die zwei verbliebenen Züge pro Richtung im Berufsverkehr bis zum Schluss gut besetzt waren, kam 1986 das Aus. Die Proteste aus der Bevölkerung waren ungehört verhallt.

Knapp verpasst hat die Bibertbahn so auch den Anschluss an den Nürnberger Verkehrsverbund, der ein Jahr später in Kraft trat. «Diese Chance wurde genauso vertan wie die Stadtbahnpläne des Fürther Landkreises Anfang der 90er Jahre“, erinnert sich Becker. Kurz vor der Jahrtausendwende tauchte dann eine neue Perspektive auf: Eine umfassende Studie sollte eine optimale Lösung für den «Südwestkorridor Nürnberg“ erschließen. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis versprachen die Stadtbahn und eine Regionalbahn auf der alten Trasse. Doch die politische Schiene setzte auf die prestigeträchtige und mit Abstand teuerste Lösung: die U-Bahn.

Fachleute warnten schon damals, dass die U-Bahn nach Zirndorf und Oberasbach - wenn überhaupt - nur sehr langsam auf Touren kommen würde. Die Entwicklung gibt ihnen nach Ansicht Beckers Recht: «Der Tunnel der Nürnberger U 3 ist gerade mal an der Gustav-Adolf-Straße angekommen, wegen technischer Probleme ist aber noch nicht absehbar, wann Fahrgäste einsteigen können. Für die Verlängerung bis zur Stadtgrenze bei Fürth-Süd gibt es zwar konkrete Baupläne, darüber hinaus aber nur viele bunte Striche in den Stadtplänen von Zirndorf und Oberasbach“, klagt er.

Traum kontra Realität

Konkrete Aussagen zu Planungen und Kosten lassen auf sich warten. «Von einem Baubeginn kann man derzeit nur träumen. Die täglichen Staus auf der Rothenburger Straße in Oberasbach aber sind Realität und werden es nach Lage der Dinge noch lange bleiben“, bilanziert die IG Bibertbahn den Status quo. «Wenn es so weitergeht, wird sich die Bahngeschichte im Bibertgrund im 20-Jahres-Rhythmus fortsetzen“, befürchtet Becker. «2008 Eröffnung Gustav-Adolf-Straße, 2028 Eröffnung Fürth-Süd - na ja, und wann die U-Bahn dann in Oberasbach und Zirndorf ankommt, kann sich ja jeder selbst ausrechnen . . .“

Wobei Becker innerhalb der IG Bibertbahn noch den Optimisten mimt. Die meisten Mitglieder würden darauf wetten, dass die U-Bahn den Landkreis aus Kostengründen nie erreichen wird.

Negativ-Beispiel sei die Stadt Stein, vor deren Toren die U 2 schon seit über 20 Jahren endet: Dort verstauben fertige U-Bahn-Pläne in der Schublade. «Betrieb und Unterhalt nur einer einzigen U-Bahn-Station ist für Städte der Größenordnung von Stein, Zirndorf oder Oberasbach finanziell einfach nicht tragbar“, erklärt Becker.

Die IG Bibertbahn macht sich deshalb für eine Lösung stark, die ihrer Ansicht nach in überschaubarer Zeit realisiert werden könnte. Sie hat die Hoffnung auf das «Wunder einer baldigen Reaktivierung der Bibertbärbel“ noch nicht begraben: «Würden endlich Nägel mit Köpfen gemacht, könnten auf der Bibertbahn-Trasse schon 2010 moderne Dieseltriebwagen im Halbstundentakt verkehren.“

In 17 Minuten vom Nürnberger Hauptbahnhof zum Park-and-Ride-Platz bei Leichendorf: Das wäre nach Ansicht der IG Bibertbahn wesentlich attraktiver als der jetzige Busverkehr und brächte der dicht befahrenen Rothenburger Straße endlich die dringend benötigte Entlastung. Und sollte dann 20 oder 30 Jahre später wirklich eine U-Bahn-Verlängerung in den Landkreis greifbar werden, könne man die Trasse der Bibertbahn immer noch umrüsten. «Die Investitionen, die wir uns jetzt wünschen, hätten sich dann längst amortisiert - zum Nutzen von Bevölkerung und Umwelt“, gibt sich die IG überzeugt.
27.10.2006
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