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Die Maroni-Saison ist eröffnet

Heiße Kastanien und warme Gedanken

 Heiße Kastanien und warme Gedanken
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Wenn’s im Winter kalt ist, haben heiße Maroni den Vorteil, dass sie beim Essen die Finger und den Magen wärmen. Aber auch in der Manteltasche sorgen sie für angenehme Temperaturen. Wenn’s im Winter jedoch gar nicht kalt werden will, so wie dieses Jahr, dann sprechen immer noch gute Argumente für die Kastanien: Sie sind gesund und lecker!

Geizhälse und Sparfüchse seien gleich gewarnt: Wer von gewöhnlichen Kastanienbäumen zum Nulltarif naschen will, der holt sich bloß Magenschmerzen. Es sei denn, er verfügt über einen Pferdemagen - denn bei uns wachsen fast nur Rosskastanien. Einige wenige Edelkastanien gedeihen in der fränkischen Schweiz, auch im Rheintal sind diese Buchengewächse mit dem Klima halbwegs zufrieden. Aber die ursprünglich aus Kleinasien stammenden Bäume bleiben hierzulande Exoten.

In Südeuropa dagegen gelten ihre Früchte mancherorts als Grundnahrungsmittel. In italienischen Bergregionen nennt man die Edelkastanie sogar «albero del pane“, Brotbaum. Aus Italien stammen denn auch die meisten Maroni, die man im winterlichen Nürnberg kaufen kann.

Ein Stand in der Karolinenstraße zeigt, was man mit Maroni so alles anstellen kann. Denn die Früchte können auch gekocht werden, sie lassen sich zu Brotaufstrich oder Creme verarbeiten. Natürlich gibt es die Edelkastanien hier aber auch in ihrer klassischen Form als heiße Maroni aus dem Ofen. Darüber hinaus bietet der Straßenstand weitere mehr oder minder exotische Spezialitäten an: Feigen aus der Türkei, Datteln aus dem Iran, Walnüsse aus Frankreich und Pralinen aus Italien. Und dann gibt es hier noch fränkischen Meerrettich.

Ganz auf Maroni-Produkte spezialisiert hat sich Kurt Löw, der einen Stand in der Königstraße gegenüber dem Kulturzentrum K 4 betreibt. Und hier kann man sich die Baumfrucht noch in wesentlich mehr Variationen schmecken lassen: Eingelegt, als Kastanienhonig, Püree oder Creme, gekocht oder gebraten. Sogar Kastanien-Pralinen verkauft der 43-Jährige von Oktober bis Ende Februar an seinem kleinen Holzstand. Und was macht er im Sommer? Vielleicht Eis verkaufen?

«Ja, tatsächlich, das hatte ich mal vor! Ich hätte natürlich auch ein Maroni-Eis ins Angebot genommen“, erzählt Kurt Löw. «Aber man wollte mir einfach keine Genehmigung geben.“ Offenbar war ein Eisstand an dieser Stelle der Stadt nicht erwünscht. Deshalb ist er seit nunmehr 22 Jahren jeden Winter als «Maronimann“ am Königstor auf Posten. «Und im Sommer bin ich einfach Lebenskünstler“, sagt Kurt Löw schmunzelnd.

Er weiß aber auf jeden Fall, wie er sich die Zeit verteiben kann. So hat der gelernte Elektromechaniker zum Beispiel schon drei Maroni-Schneidemaschinen konstruiert, zusammen mit seinem Vater. «Aber das Einritzen per Hand ist immer noch die beste Methode. Da fühlt man auch gleich, ob die Qualität der Maroni gut ist.“

Kurt Löw verkauft nicht nur Maroni, er erzählt auch gerne alles Wissenswerte rund um die Edelkastanien. Manchmal sind aber nur ganz grundlegende Informationen gefragt: «Vor allem früher musste ich immer wieder darauf hinweisen, dass man die Schale nicht mitessen sollte.“ Er selbst wurde eher zufällig zum Maroni-Experten: «Ein Bekannter hatte einen Stand, an dem ich mal ausgeholfen habe.“ Der Job machte ihm so viel Spaß, dass er danach seinen eigenen Maronistand eröffnete. Die ersten fünf Jahre stand er im Freien, jetzt schützen ihn Holzwände vor dem Wind. Aber um nicht auszukühlen, braucht er in frostigen Zeiten trotzdem noch isolierende Kleidung, eine Mütze - «und warme Gedanken“, fügt er lächelnd hinzu. Erik Stecher
18.11.2006
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