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Manuel muss wieder in die Schule

 Manuel muss wieder in die Schule
PLEINFELD - Mittlerweile sind es ziemlich genau zweieinviertel Jahre, dass Manuel Fischer eine Schule von innen gesehen hat. Der Pleinfelder Schüler wird seitdem zu Hause von seiner Mutter Corinna unterrichtet. Und das, obwohl in Bayern Schulpflicht besteht. Zumindest theoretisch. Mittlerweile hat das Verwaltungsgericht Ansbach in einem Eilrechtschutzverfahren Fischers Antrag abgelehnt und verfügt, dass der mittlerweile Elfeinhalbjährige wieder zur Schule gehen muss. Bislang konnte die resolute Mutter, die mittlerweile Pressesprecherin des deutschlandweit aktiven «Netzwerkes Bildungsfreiheit“ ist, geschickt umgehen, dass ihr Sohn wieder in die Schule muss. Auf Anwendung polizeilicher Gewalt haben die zuständigen Behörden bislang verzichtet. Doch in dem Urteil des Verwaltungsgerichts, das noch nicht rechtskräftig ist, weil die Einspruchsfrist noch nicht abgelaufen ist, wird der Zwangsvollzug zumindest als eine Möglichkeit erwähnt. Für Schulrat Hermann Balk, der den Fall betreut, wäre das die letzte Lösung: «Gewaltanwendung macht in dem Fall keinen Sinn. Wir wollen versuchen, durch Gespräche einen gemeinsamen Nenner zu finden.“ Theoretisch sei Balk zufolge vorstellbar, dass Manuel schrittweise wieder an den Schulalltag herangeführt wird. Weil kein gültiges Übertrittszeugnis für eine höhere Schule vorliegt, soll Manuel bereits nach den Weihnachtsferien in die sechste Klasse der Pleinfelder Hauptschule gehen. Gemeinsam mit Corinna Fischer wollen Schulrat Balk und Rektor Ronald Wolshöfer eine Lösung finden. Wenn diese bei Manuel und seiner Mutter Gefallen fände, dann könnte sich Corinna Fischer zumindest «theoretisch“ vorstellen, dass ihr Sohn wieder in eine Regelschule geht. Allerdings hat die Homeschool-Befürworterin ihre genauen Vorstellungen, welche Bedingungen seitens der Schule erfüllt werden müssten. Zum einen müsse sichergestellt sein, dass Manuel weder am Sport- noch am Schwimmunterricht teilnehmen muss und er eine vertraute Person als «Eingliederungshilfe“ an die Hand bekäme, die ihn stets im Unterricht begleitet. Zudem müssten folgende Minimalforderungen für Manuel erfüllt werden: Ein einzelner Sitzplatz am Ende des Klassenzimmers mit dem Rücken zur Wand, keine Referate vor der Klasse und jederzeit Pausen, «wenn er sie verlangt.“ «Ich habe die Sorgfaltspflicht für mein Kind zu garantieren und dafür zu sorgen, dass seine see- lische Gesundheit nicht leidet“, begründet die gelernte Erzieherin ihre Forderungen. In den zweieinhalb Jahren, in denen sie Manuel zu Hause unterrichtet hat, ist Fischer zu der Überzeugung gekommen: «Meiner Meinung nach ist Manuel ohnehin nicht beschulbar.“ Von ihr hinzugezogene Spezialisten seien anders als der Schulpsychologe des Schulamtes zu der Erkenntnis gekommen: Der Sechstklässler kann nicht in einer Regelschule unterrichtet werden. Warum die Meinungen der Experten differieren? Auch dafür hat die eloquente Erzieherin eine Erklärung: «Für bestimmte Krankheiten gibt es eben auch nur bestimmte Spezialisten.“ Im Unterricht zu Hause habe Manuel dagegen inzwischen enorme Fortschritte gemacht und lasse mittlerweile auch wieder mehr Nähe zu. Ein Defizit, unter dem der Schulverweigerer seit den angeblichen Mobbingvorfällen an der Pleinfelder Grundschule litt.

«Wenig Aussicht auf Erfolg“
Die vom Schulamt vorgeschlagenen Integrationsmaßnahmen brächten laut Fischer vermutlich nicht den gewünschten Erfolg. Zudem wären sie wesentlich teurer als der Fernschulversuch «Flex“, der der Mutter neuerdings als ideale Unterrichtsform für ihren Sohn vorschwebt. Dieses Unterrichtsprinzip orientiert sich am Konzept einer Fernschule. Dabei wird eine der Zielgruppe entsprechende intensive Begleitung gewährleistet. Ein wesentliches Standbein ist die Kooperation mit Begleitpersonen und Lernhelfern am Wohnort der Lernenden. Lernort, Lernzeit und die Sozialform des Lernens können flexibel bestimmt werden. Üblicherweise erfolgt die Zusendung von Lernbriefen und die Rücksendung der bearbeiteten Unterlagen in einem wöchentlichen Rhythmus. Auch im Landratsamt fängt man nach zweieinviertel Jahren des erfolgreichen Schulboykotts langsam an, an Fischers gutem Willen zu zweifeln. Klaus Geyer, der das zuständige Schulreferat leitet, weiß: Die Zeit läuft gegen die Behörde, die letztlich entscheiden muss, wie die Schulpflicht durchgesetzt werden kann. Je länger Manuel der Schule fern bleibt, desto schwieriger falle die Reintegration. Dass diese nach wie vor sinnvoll ist, davon ist Geyer überzeugt. Deshalb wolle man von Seiten des Landratsamtes auch alles tun, um Manuel den Besuch in einer Regelschule zu ermöglichen. Wenn Corinna Fischer das erneute Angebot, das das Schulamt derzeit ausarbeitet, wieder ausschlägt, dann könnte für die Mutter im Extremfall auch eine Ersatzzwangshaft angeordnet werden, erläuterte Geyer weitere Sanktionsmaßnahmen, nachdem bislang verhängte Ordungsgelder keinen Erfolg brachten. Ganz im Gegenteil: Fischer rief im Internet sogar dazu auf, den fälligen Betrag in möglichst kleinen Beträgen abzustottern, um die Verwaltung zu beschäftigen und dadurch ihren Unmut an der Schulpflicht kund zu tun. Doch zumindest dieses Ansinnen blieb ohne Erfolg. Laut Kreiskämmerer Gerhard Feld kann das neue Buchungssoftware auch mehrere Kleinstbeträgen ohne Probleme bewältigen. Aus Geyers Sicht gäbe es nach Kenntnis der vorliegenden Gutachten keinen Grund, warum Manuel nicht beschulbar sein solle. «Frau Fischer sucht immer zwanghaft nach Scheinargumenten“, sagte der Schulreferatsleiter unserer Zeitung. Im Bayerischen Kultusministerium will man den Fall auch jetzt noch nicht zu hoch hängen - selbst wenn Manuel bislang nur gute drei Jahre schulpflichtig war und nach unserer ersten Berichterstattung im vergangenen Dezember inzwischen auch RTL, Antenne Bayern und diveres andere Zeitungen auf den Homeschooling-Fall aufmerksam wurden. «Der Fall wurde ordnungsgemäß behandelt“, ist Ministeriumssprecherin Margareta Kraus überzeugt. «In der Gesamtheit unseres Resssorts haben wir jedenfalls nicht zu lange zugeschaut“, glaubt die Ministeriumssprecherin. Insgesamt sei der Fall Manuel Fischer aber «ein sehr schwieriger Fall“.

MARKUS STEINER
2.1.2007 15:16 MEZ
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