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Eine Suite für Kara Ben Nemsi Effendi

Neujahrskonzert zwischen Jazz und Weltmusik entführt in fremde Klangwelten
 Eine Suite für Kara Ben Nemsi Effendi
Foto: Klaus-Dieter Schreiter
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Muss ein Neujahrskonzert «klassisch» sein? Darf es über den Tellerrand eigener Musiktradition hinausschauen und gelegentlich frei von abendländischer Harmonik und Metrik sein? Oder darf es gar von allem ein bisschen sein? Das Neujahrskonzert im Markgrafentheater konnte diese Fragen alle bejahen - und der Applaus eines fast vollen Hauses gab dem Erlanger Jazz-Musiker und -Promoter Rainer Glas recht, der das Wagnis einer Uraufführung der neuen Suite Universal einging, einer Suite, die Weltmusik und Jazz aufs vergnüglichste zu kombinieren verstand.

Tschaikowski, fünfte Sinfonie? Bitte sehr! Indianermusik vom großen PowWow - aber gerne doch! Koreanische Musik mit Klangschalen? Warum eigentlich nicht! Improvisierte Musik, so lehrte der Abend, ist eine ziemlich universelle Weltsprache, vereint Klänge aus Irland, Frankreich, Polen, Russland, Korea, Arabien, Kurdistan, Afrika, Indien und der Indianer sehr kreativ und macht die Gehörgänge frei für Neues.

Ein solches Experiment bedarf aber auch solcher Musiker, die sich auf dem «vielsprachigen» Terrain zurecht finden. Mit seinem Jazz Age Ensemble mit dem Russen Andrej Lobanov (Trompete und Flügelhorn), dem Polen Leszek Zadlo (Saxofon), dem «irischen» Franken Torsten Goods (Gitarre und Gesang), dem jungen Jan Miserre an den Tasten und der Schlagzeugerin Carola Grey hat Rainer Glas eine Crew um sich geschart, die technisch versiert ist, mehr noch: lustvoll aufzuspielen versteht. Und dann hatte er sich für diesen Abend kongenial verstärkt und aus der Weltmusik-Truppe Argile den Multi-Instrumentalisten Peter Knoll (besonders beeindruckend am Didgeridoo), den Kurden Talabani Dilshad (Gesang, Keyboards, Percussions), den Akkordeonisten Peter Horcher und den unglaublich präsenten Dieter Weberpals an den Flöten ins Ensemble geholt.

Jeden Cent wert

Dass von der Erlanger Kulturstiftung überhaupt erst ermöglichte Konzert wusste auch deren Repräsentanten im Auditorium zu begeistern, kamen sie doch in den Genuss eines musikalischen Spektakels, das auch den Herren Old Shatterhand oder Kara Ben Nemsi Effendi gefallen hätte - die Onkel-Toms-Hütte-Bühne war fast zu klein, um Klanggeschirr und Instrumente zu fassen.

Was dann über die Rampe kam war Spielfreude pur und Lust am Wohlklang und begeisterte bis in die letzten Theaterränge - kein Solo ohne Applaus, keine musikalische Pointe ohne Beifallssturm.

Das begann schon mit dem mythisch angehauchten Glas-Stück Spirit of Arabia. Was mit Sphärenklängen auf einer alten bengalischen Klangschale begann, endet mit einer Kollektivimprovisation mit arabischen Motiven. Oder African Bells, eine Komposition des Piano-Professors und früheren Glas-Mitspieler Chris Beier, Dies fulminant-rhythmische Stück gab den idealen Hintergrund für ausgedehnte Soli von Torsten Goods (der sich auf der Gitarre in großer Form präsentierte), Andrej Lobanov und Leszek Zadlo. Und schließlich noch Jim Peppers Witchi Tai To, der Stammeshymne seiner Peyote-Indianer. Die «Nationalhymne» der Indianer vermag auch fränkische Hörer zu entzücken. Und der Bayerische Rundfunk hat alles (auch für CD?) getreulich aufgezeichnet. PETER MILLIAN
8.1.2007
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