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Forstliches Gutachten sorgt für Verdruss

 Forstliches Gutachten sorgt für Verdruss
GUNZENHAUSEN (en) - Das aktuelle forstliche Gutachten des Amts für Landwirtschaft und Forsten ist den Mitgliedern des Gunzenhäuser Jagdvereins auf den Magen geschlagen. Sie halten die Vorgabe, die Abschussquote für das Rehwild in vielen Jagdrevieren in den nächsten drei Jahren um bis zu 30 Prozent zu erhöhen, für gehörig übertrieben. Vorsitzender Thomas Eschenbacher (Meinheim) sprach den rund 190 Weidmännern und -frauen des Vereins auf der Hegeschau im Pfofelder Kleemann-Saal aus dem Herzen: «Das Gutachten führt an der Sache vorbei.“

Für Eschenbacher muss das Prob­lem der Schäden an den Bäumen differenziert betrachtet werden. Ursache sei nicht in erster Linie der Hunger des Wilds, den die Tiere teils an den Jungpflanzen stillen. Betrachtet werden müssten auch die enormen Schäden durch den Borkenkäfer und obendrein der immer höhere Störungsdruck in Wald und Flur. Der Vorsitzende hört aus dem Gutachten den Tenor heraus: «Das Reh ist schuld an des Waldes Tod.“ Dies könne man so nicht stehen lassen.

Eschenbacher stellte fest, dass die intensive und dem Wild nicht zuträgliche Nutzung von Grünland etwa durch den Maisanbau genauso wie die Unruhe in der Natur durch nahezu ganzjährige Waldarbeiten mit schwerem und lautem Gerät immer mehr zunehmen. Nicht übersehen dürfe man den Störungsdruck im Wald durch Jogger, Reiter, Mountainbiker und Geländemotorradfahrer. Letztere frönen ihrem Hobby immer mehr in unerlaubten Bereichen und sorgen bei den Waldtieren für gehörigen Aufruhr. Eschenbacher skizzierte die Folgen: «Das Wild hetzt umher und braucht daher viel mehr Energie, muss also mehr fressen.“

Für den Vorsitzenden sind die wechselnden Einflüsse auf die Natur «viel komplexer, als manche Herren das meinen.“ Außerdem hätten wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt, dass ein natürlicher Verbiss sogar eine ertragssteigernde Wirkung entfalten kann. Er wirke wie eine erste Durchforstung des Walds. Jedenfalls sei keine Relation zwischen den Schäden durch den Borkenkäfer und durch das Rehwild zu erkennen.

Ein Lichtblick für die Jäger kam laut Eschenbacher aus dem Landratsamt. «Positiv am Prozedere der Abschlussplanung war die Haltung der Unteren Jagdbehörde.“ Hier habe man den Dialog gesucht und sich den Argumenten der Jäger nicht verschlossen. Mit Applaus wurde Eschenbachers Hinweis aufgenommen, dass man in Weißenburg mit den Abschussempfehlungen zum Teil deutlich unter den von der Regierung favorisierten Quoten geblieben ist.

Der Vorsitzende bezweifelte, dass die Jäger selbst die reduzierten Abschusszahlen erfüllen können. Überdies kann er sich nicht vorstellen, dass damit dem Wald nachhaltig geholfen werden kann. Zu beachten gilt es nach den Worten Eschenbachers auch, dass die Quote gerade zu einer Zeit festgelegt wurde, als für die Tiere Schmalhans Küchenmeister war: der außergewöhnlich strenge und lange Winter 2005/06. Mangels anderweitiger Nahrungsquellen hätten sich die Tiere mit den über die dicke Schneedecke he­rausragenden Trieben junger Bäume über Wasser gehalten. Viele seien trotzdem den Hungertod gestorben. «Dieser Winter hat zu hohen Verlustraten geführt.“ Wäre die Erhebung im vergangenen, milden und daher futterreichen Winter erstellt worden, dann schaue die Sache mit Sicherheit ganz anders aus. Nicht ausgeschlossen sei, dass die Jäger Probleme mit der Kreisverwaltung bekommen, wenn die Abschussvorgaben nicht erfüllt werden.

«Wer für einen höheren Abschuss ist, der muss sich fragen lassen, ob er auch dafür ist, dass man in freier Natur nichts mehr laufen sieht“, konnte Landrat Georg Rosenbauer die Haltung der Jäger durchaus nachvollziehen. Der Chef der Unteren Jagdbehörde: «Ohne Wildschäden wird es auch kein Wild geben.“

Für den bayerischen Landtag grüßte MdL Günther Babel (CSU) aus Fürnheim. Er versicherte auch im Namen seines Weißenburger Fraktionskollegen Gerhard Wägemann: «Die Anliegen und Wünsche der Jäger werden nach München getragen.“ Babel stellte fest, dass sich die Jäger schon in der vergangenen Jagdsaison schwer taten, den Abschussplan zu erfüllen. Nun habe man die Quote noch einmal um bis zu 30 Prozent erhöht. «Hier muss mit Augenmaß eine Lösung gefunden werden“, forderte der Abgeordnete. Es bringe nichts, auch dort «rücksichtslos den Abschuss zu machen“, wo eine Bestandsregulierung überhaupt nicht angesagt sei. Babel sprach sich auch mit Blick auf die überhand nehmenden Bieberschäden für «vernüftige, unbürokratische Regelungen“ aus. Den Jägern sicherte er zu: «Wir werden auf ihrer Seite bleiben.“

Auf großes Interesse stieß die Präsentation der Jagdtrophäen aus den einzelnen Hegeringen. Diese neben den zahlreich erschienenen Vereinsmitgliedern und den Grußrednern auch der Ehrenvorsitzende des Vereins, Dr. Sigurd Schacht, die beiden Bürgermeister Willi Renner (Pfofeld) und Gerhard Trautner (Gunzenhausen), der Pfofelder Altbürgermeister Hermann Roth und der neue BBV-Kreisobmann Fritz Rottenberger in Augenschein. Den passenden musikalischen Rahmen des Treffens lieferte die Jagdhornbläsergruppe unter Leitung von Ernst Mittel. Ein weiterer Bericht über die Jagdversammlung folgt in einer unserer nächsten Ausgaben.
16.4.2007 15:25 MEZ
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