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Lobby der Bibertbahn-Reaktivierung schlägt Alarm

Nürnberg will Gebersdorfer Streckenabschnitt umnutzen - «ÖPNV-Nadelöhr in Landkreis muss offen bleiben»
 Lobby der Bibertbahn-Reaktivierung schlägt Alarm
FÜRTH Land - Die Freunde der Bibertbahn schlagen Alarm: Pläne der Stadt Nürnberg, die brachliegende Trasse, auf der bis 1986 die Bibertbärbel verkehrte, im Stadtteil Gebersdorf umzunutzen, würden dem Landkreis Fürth die Option auf eine Streckenreaktivierung nehmen. «Wird dieses Nadelöhr für eine ÖPNV-Anbindung des Landkreises an den Nürnberger Hauptbahnhof verschlossen, wäre das fatal», sagen Sven Becker, Dieter Beck und Franz Forman, die Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Bibertbahn (IGBB).

Dass im Zuge der Umnutzung vorgesehen ist, auf dem Gebersdorfer Trassen-Abschnitt eine Fuß- und Radwegeverbindung zu bauen und Flächen für den Bau der U 3 zu sichern, bewerten sie als eher harmlos. Wenn die Deutsche Bahn allerdings, wie geplant, tatsächlich Teile des Abschnitts als Garten an die Anrainer verkauft und Nürnberg diese Umwidmung über eine Änderung des Flächennutzungsplans auch noch rechtlich verankert, wäre der Zug für die Reaktivierung der Trasse abgefahren. «Es wäre ein Fiasko», schlagen auch die Grünen Norbert Schikora (Oberasbach) und Wolfram Schaa (Zirndorf) in die gleiche Kerbe.

In einem Brief haben sie sich genauso wie die IGBB an Nürnbergs OB Ulrich Maly gewandt - mit dem «dringenden Appell», die am Mittwoch (16. Mai) im Stadtrat Nürnbergs anstehende Entscheidung zu überdenken oder zumindest solange aufzuschieben, bis Betriebskonzept und Kosten-Nutzen-Rechnung für die Verlängerung der U-Bahn-Linie 3 in den Landkreis Fürth vorliegen.

Die Gutachten lassen auf sich warten. Dass die U 3 überhaupt eines Tages im Landkreis ankommt, hält die IGBB ohnehin für illusorisch. «Bei 20 bis 40 Jahren, die uns verantwortliche Politiker als Zeithorizont dafür nennen, darf die Option der ungleich günstiger und wesentlich schneller umsetzbaren Streckenreaktivierung der Bibertbahn nicht verspielt werden», so Sven Becker. Alles andere wäre voreilig, argumentiert die IGBB unisono mit Grünen und Freie-Wähler-Kreisverband.

Unterstützung hat die Bibertbahn-Allianz bei der Stadt Oberasbach gefunden. Bürgermeister Bruno Allar richtete auf Geheiß seines Stadtrates bereits eine Petition an Maly, in der er ihn «bittet, sicherzustellen, dass die Option einer Wiederinbetriebnahme aufrechterhalten werden kann. Die Trasse», so schrieb Allar, «darf nicht verbaut werden.» Auch im Stadtrat Zirndorf machen die Grünen mobil: Ihr Antrag, nach Oberasbacher Beispiel von Nürnberg sowie vom Landkreis Fürth Zusagen für die Sicherung der Trasse ein- und die Deutsche Bahn aufzufordern, die Route freizuhalten, wird dieser Tage entschieden.

U 3-Planungen stocken

Den Glauben an die U 3 sehen die IGBB-Sprecher derweil selbst auf politischer Ebene schwinden. «Die Planungen sind zum Stillstand gekommen», so Forman. Weder Nürnberg noch der Landkreis Fürth wollten sich zu einem klaren Signal durchringen. Stattdessen machten beide die eigene Entscheidung vom jeweils anderen abhängig und drehten sich im Kreis.

Dabei wenden sich die IGBBler gar nicht generell gegen eine U-Bahn. «Hauptsache, es rollt wieder was und die Rothenburger Straße wird von den Pendlerströmen entlastet», sagen sie. Nur so wie die U 3 derzeit geplant ist, werde sie die Blechlawine durch Oberasbach wohl kaum merklich ausdünnen. Der Endhalt soll auf Höhe der Jet-Tankstelle entstehen - mitten in der Stadt.

Doch das Verkehrsaufkommen auf der Rothenburger Straße nimmt nicht ab, ganz im Gegenteil. Absehbar sei, dass sich die Situation weiter verschärft, geht die Westspange Zirndorfs im Herbst ans Straßennetz. Als absolut unzureichend stuft die IGBB zudem die Anbindung des FunParks an den öffentlichen Nahverkehr ein. In den Sommermonaten schieben sich hunderttausende Besucher, überwiegend im Privat-Pkw, durch Oberasbach Richtung Leichendorf.

Forman setzt auf das Wahljahr 2008: «Die ÖPNV-Pläne hängen eng an einzelnen Namen», findet er. «Vielleicht lässt sich ja mit dem neuen Landrat reden, wer auch immer das sein wird. Mit der jetzigen Amtsinhaberin», sagt Beck, «geht da gar nichts mehr.» Landrätin Gabriele Pauli steht auf Seiten der Befürworter der U 3-Verlängerung. Auch der Altbürgermeister Zirndorfs, Gert Kohl, war ein erklärter Gegner der Bibertbahn- Reaktivierung. Seinen Nachfolger Thomas Zwingel erleben die IGBBler als aufgeschlossener.

Und auch auf freistaatlicher Ebene wittert Beck Morgenluft: Nachdem Verkehrsminister Otto Wiesheu aus dem Kabinett Stoiber ausgeschieden ist, habe sich die Einstellung der Staatsregierung zur Reaktivierung von Nebenbahnen grundlegend geändert, beobachtet er. Vielleicht, spekulieren Beck und seine Mitstreiter, bleiben bei den vielen Milliarden an Steuermehreinnahmen auch die 13 Millionen übrig, die nötig wären, um die Bibertbahn-Trasse wieder für ein schienengebundenes Nahverkehrssystem in Stand zu setzen. Bei einer U-Bahn ist Sven Becker zufolge pro Haltepunkt plus einem Kilometer Strecke mit Investitionen in Höhe von 150 Millionen Euro zu rechnen.

Sabine Dietz
11.5.2007
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