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LOKALMELDUNGEN - NÜRNBERG  
Club-Fans empört über TV-Sender

Bayerischer oder Münchner Rundfunk?

 Bayerischer oder Münchner Rundfunk?
Foto: Sippel
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Der Zuschauerservice des Bayerischen Rundfunks (BR) hat seit Sonntag alle Hände voll zu tun: «Wir haben gerade unsere 1000. Beschwerdemail bekommen», meinte Rudi Küffner, Sprecher des Senders, gestern auf Anfrage der NZ. Nachdem die Übertragung der Pokalfeierlichkeiten auf dem Hauptmarkt mitten in der Rede von Trainer Hans Meyer abrupt beendet worden war, schlagen die Wellen der Empörung hoch.

Auch die NZ hat zahlreiche Leserbriefe bekommen, in denen die Bürger ihren Unmut über das seltsame Gebaren des BR kundtun (siehe S. 10). Dieter Voss beklagt den respektlosen Umgang mit dem «Gott aller Trainer», und Richard Reber fragt, was sich der Sender dabei denkt, die Zuschauer «mit einem Bericht aus dem Leben eines kleinen Luchses in Russland zu beglücken» und dafür aus Meyers Rede auszusteigen. «Wäre diese Ausblendung bei einer Rede von Franz Beckenbauer erfolgt, Entlassungen beim Bayerischen Fernsehen wären die Folgen gewesen.»

Reber trifft damit den allgemeinen Tenor: In vielen Briefen heißt es, dass sich der BR bei einem Titelgewinn von Bayern München nie so verhalten hätte. «Gewinnt der FC Bayern, wird jede Programmplanung egal», schreibt Susanne Müller, und Angela Badelt vermutet: «Nur weil nicht Bayern München den Pokal gewonnen hat, wurde Nürnberg abgewürgt.» «Ich will ein Bayerisches und kein Münchner Fernsehen», heißt es im Brief von Manfred Lahmer.

Club-Präsident Michael A. Roth geht mit der Meinung der NZ-Leser konform und beklagt ebenfalls die einseitige Orientierung des BR in Richtung München. Dabei sei der Pokalsieg des Clubs doch «ein Topereignis für ganz Bayern» gewesen.

BR-Sprecher Küffner weist jedoch Vorwürfe, für die Bayern wäre mehr Sendezeit herausgesprungen, zurück: Immerhin habe man insgesamt viereinhalb Stunden aus Nürnberg berichtet. Die abrupte Ausblendung erklärt er mit einer «hochkomplexen Vermischung von Missverständnissen und computerbedingten Ereignissen». Man habe die Sendung, die ursprünglich schon um 15.15 Uhr beendet worden wäre, bis 16 Uhr verlängert. Weil die Uhr im Übertragungswagen eine falsche Zeit anzeigte, hätten die Kollegen vor Ort nicht gemerkt, dass man sich diesem Termin allmählich annähere. «Deswegen haben sie einfach lustig weitergesendet», sagte Küffner. Ansonsten wäre der BR schon vor Meyers Rede mit einer sauberen Abmoderation aus der Sendung gegangen.

Peter Murrmann, Leiter des Bürgermeisteramtes, kritisiert den frühen Beginn der Live-Sendung: Immerhin sei der Auftritt der Spieler auf der Bühne vor dem Hauptmarkt der Höhepunkt der Feier gewesen, und man habe gewusst, dass die Mannschaft wegen des Autokorsos und des Empfangs im Rathaus kaum vor 15 Uhr auf der Bühne stehen werde.

BR sendet «Club-Nacht» von Donnerstag auf Freitag

Küffner akzeptiert dieses Argument und räumt ein, dass die Fehler des BR schwer zu entschuldigen seien. «Wir hätten auch wenigstens einen Informationsbalken unten laufen lassen müssen, um den Zuschauern mitzuteilen, warum wir aus der Sendung ausgestiegen sind. Aber wenn etwas schief geht, dann geht halt gleich immer alles schief. Bei uns herrscht tiefe Zerknirschung.» Der BR will nun Wiedergutmachung betreiben: Die Beschwerdeschreiben sollen beantwortet werden, zudem gibt es am Donnerstagabend von 23.30 bis 2 Uhr in einer großen Club-Nacht die Feier auf dem Hauptmarkt noch einmal zu sehen. Diesmal inklusive einer korrekten Abmoderation und der kompletten Meyer-Rede. Und Küffner verspricht: «2008 bei der Meisterfeier des Clubs machen wir es besser.»

Marco Puschner
30.5.2007
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