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FÜRTH Land - Unverständlich und inakzeptabel: So bewerten die Zirndorfer Eisenbahnfreunde und die Interessengemeinschaft Bibertbahn (IGBB) die Bestrebungen der Deutschen Bahn, den Gebersdorfer Abschnitt der stillgelegten Bibertbahn-Trasse entgegen eines Beschlusses im Nürnberger Stadtrat zu veräußern. Das Nürnberger Büro der Bahntochter DB Services Immobilien GmbH hat Kontakt zu privaten Anliegern aufgenommen und einzelne Teilstücke zum Kauf angeboten.
Wie wiederholt berichtet, will die Stadt Nürnberg den Gebersdorfer Abschnitt, auf dem einst die Bibertbärbel rollte, überplanen. Anlieger sollen ihre Gärten vergrößern können, ein Geh- und Radweg soll entstehen sowie die Flächen für die Verlängerung der U-Bahn-Linie 3 ausgewiesen werden.
Im Mai hatte sich der Nürnberger Stadtrat auf Drängen der Bürgermeister aus Zirndorf und Oberasbach auf den Kompromiss eingelassen, vor einer Änderung des Bebauungsplanes zumindest konkrete Zahlen zu Bau- und Betriebskosten der U 3-Verlängerung in den Landkreis abzuwarten (die FN berichteten). Erst nach dieser Berechnung zur Wirtschaftlichkeit können der Landkreis Fürth sowie die Städte Oberasbach und Zirndorf absehen, ob sie sich das unterirdische Millionenprojekt mit den Haltestellen Oberasbach (auf Höhe der Jet-Tankstelle) und Zirndorf-Altfeld überhaupt leisten können.
Vor diesem Hintergrund können die IGBBler und Bernd Baudler vom Nürnberger VCD-Kreisverband nicht nachvollziehen, dass sich die Bahn mit ihren Verkaufsverhandlungen nun über den Beschluss des Nürnberger Stadtrates hinwegsetzt, vorerst keine unumkehrbaren Fakten auf der stillgelegten Trasse zu schaffen. Es wäre nach Ansicht von Dieter Beck von den Eisenbahnfreunden das Aus der stillgelegten Trasse - einer Trasse, die ihrer Ansicht nach als günstige Alternative zur U-Bahn-Verlängerung das Fürther Land relativ kurzfristig an den Ballungsraum anbinden und die verkehrsgeplagte Rothenburger Straße von den Pendlerströmen entlasten könnte.
«Um zu verhindern, dass die Trasse nun zerstückelt und in alle Winde verkauft wird», hat Dieter Beck im Auftrag der Zirndorfer Eisenbahn Freunde Kaufinteresse angemeldet - am Erwerb des kompletten Abschnitts auf Gebersdorfer Grund. Die Offerte der Bahn, die ihm zwischenzeitlich zuging, verurteilt er jedoch als «sittenwidrig, weil exorbitant hoch»: 1 027 950 Millionen Euro fordert die Bahn für den 1,6 Kilometer langen, 31 150 Quadratmeter umfassenden Teilabschnitt zwischen Fürth Süd und dem Trafo-Häuschen vor dem Bahnhof Stein in Gebersdorf.
«Irrsinnige» Forderung
Der Landkreis Fürth hat 1998 den Streckenabschnitt von Fürth Süd in die andere Richtung, bis Leichendorf (4,2 Kilometer lang und 56 000 Quadratmeter groß) für 144 000 Mark erworben. Während der Quadratmeter damals also für nicht einmal 3 Mark veräußert wurde, will die Bahn nun 33 Euro je Quadratmeter. Eine Forderung, die auch Wolfgang Brunner, am Landratsamt zuständig für den ÖPNV, als «irrsinnig» bezeichnet. Abgesehen davon würde Brunner jedem raten, «derzeit die Finger vom Kauf eines Trassenstücks zu lassen»: Denn trotz Stilllegung der Trasse ist sie nach wie vor als Bahntrasse definiert. Und solange sie nicht entwidmet ist, sei kein Käufer davor gefeit, dass eines Tages nicht doch eine Regionalbahn durch seinen Garten rollt - Privatgrund hin oder her.
Dem unbenommen sucht Beck jetzt Sponsoren, die den Eisenbahnfreunden unter die Arme greifen, um den Gebersdorfer Streckenabschnitt zu sichern - allerdings ganz uneigennützig für die Zwecke des öffentlichen Personennahverkehrs. Erste Verhandlungen mit Bankinstituten hat er bereits geführt. Beck will Zeit gewinnen, um möglicherweise doch einen privaten Eisenbahnunternehmer für den Betrieb der Strecke zu gewinnen. Dass reaktivierte Nebenlinien wirtschaftlich zu betreiben wären, machten Privatbahnen andernorts schon vor, so Beck. Für die beteiligten Kommunen wäre der öffentliche Schienenverkehr dann sogar zum Nulltarif zu haben.
Umso unverständlicher ist es für Jörg Schäfer vom Fahrgastverband Pro Bahn, «warum sich die Politiker von Zirndorf und Oberasbach nicht doch einmal auf die Hinterbeine stellen und für ein schienengebundenes Nahverkehrssystem kämpfen, das die Probleme von jetzt löst und nicht die von 2020 oder 2030.» Dass vorher eine U-Bahn in den Landkreis Fürth führen könnte, zweifeln deren Kritiker an. «Und bis dahin», so Schäfer, «hätte sich die Bibertbahn schon gelohnt.»
Grundsätzlich verfolgt auch der Landkreis die Verlängerung der U 3, weil, wie es Brunner knapp zusammenfasst, die Bibertbahnlinie nicht durch sondern zwischen den eigentlichen Siedlungsschwerpunkten verlaufe und die Verbindungen zu umsteigelastig wären. Beck dagegen macht bei Kommunalpolitikern durchaus Interesse an der Idee der Wiederbelebung der Bibertbärbel aus - «allerdings immer nur hinter den Kulissen. Wenn es dann ums Abstimmen geht, heben sie alle für das Prestige-Projekt U-Bahn-Verlängerung die Hand».
Sabine Dietz |