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Der weiße Fleck auf der Geocaching-Karte ist getilgt

Digitale Schnitzeljagd

Christian Sturms Hobby ist ein globales Suchspiel
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Foto: J. Scholz
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GROSSHABERSDORF — Auf den ersten Blick könnten die Vorlieben nicht widersprüchlicher sein: da gibt es die Spezies Mensch, die dem technischen Fortschritt huldigt, indem sie sich bedingungslos satellitengesteuerter Elektronik anvertraut. Andererseits sind höchst irdische Freizeitvergnügen, wie beispielsweise ausgedehnte Spaziergänge in freier Natur, einfach nicht auszurotten. Aber dass inzwischen beides durchaus zusammengehen kann, ist ein brandneuer Geheimtipp. Ausgehend von Großhabersdorf sollen damit Fans und Nachahmer hier zu Lande erobert werden.

Geocaching nennt sich die ungewöhnliche Symbiose. Auf den Punkt gebracht, handelt es sich dabei um eine digitalisierte Form der aus fernen Kindertagen bekannten Schnitzeljagd. Und so funktioniert das High-Tech-Hobby: Der Fährtenleger füllt eine Plastikdose mit Nettigkeiten, legt einen kleinen Notizblock als Logbuch sowie einen Bleistift bei und vergräbt den Schatz irgendwo in der Botanik zwischen Flensburg und Oberammergau. Soweit sind die Spielregeln auch nichts Neues. Nun aber werden die geografischen Koordinaten im Internet veröffentlicht und dabei, wenn erforderlich, um einige Suchtipps ergänzt.

Kompass hat ausgedient

Derjenige, der den „Cache“ gelegt hat, kann sicher sein, dass in kürzester Zeit jemand aus der stetig wachsenden Fangemeinde die Koordinaten liest und sich mit Spürsinn auf die Suche macht. War aber früher höchstens mal ein Kompass zur Orientierung nötig, ist inzwischen ein profitaugliches Navigationsgerät unerlässlich. Denn erst mit diesem können Codes wie „N 49° 24.939 E 010° 47266“ geknackt werden.

Global Positioning System, abgekürzt GPS, heißt das Wundergerät, das die modernen Pfadfinder von heute benutzen. Die meisten Menschen kennen das System als luxuriöse Kfz-Zusatzausstattung, bei der eine samtweiche Computerstimme den Fahrer ans Ziel lotst. Ebenso wie diese Navigationscomputer nutzen auch die GPS-Empfänger Satellitensignale zur genauen Positionsbestimmung. In der Größe eines Mobiltelefons älterer Bauart sind die Geräte für rund 150 Euro für jedermann zu haben.

Bislang war die Fürther Region noch ein vergleichsweise weißer Fleck auf der Karte der Anhänger des Geocaching. Die nächsten Verstecke, immerhin bereits zwölf an der Zahl, liegen in Nürnberg und Erlangen. Doch „fastrabbit“ sei Dank, gibt es jetzt auch im Landkreis Fürth vergrabene Schätze. Unter diesem Nicknamen und der Bezeichnung „Jagdgeschwader 300“ hat Christian Sturm aus Großhabersdorf seinen Cache im Internet veröffentlicht.

Geschichtsträchtige Verstecke

Der 35-jährige Hobbyastronom hat sein Faible für die Möglichkeiten, die das GPS eröffnet, zwar schon vor längerer Zeit entdeckt, als Geocacher allerdings trat er nun erstmals in Erscheinung. Der Reiz an dem Spiel liegt für den Ingenieur auch an dem Hintergrundwissen, das dabei vermittelt werden kann. So hat er sein Versteck nicht zufällig gewählt. Ebenso wie sein zweiter Cache am Druidenstein hat er stets historisch bemerkenswertes Gelände ausgewählt.

Der Fantasie beim Verstecken und Finden sind im Übrigen keine Grenzen gesetzt. Es gibt Caches für Mathetüftler oder solche, die nur zu bestimmten Zeiten gefunden werden können. „Ozapft is“ heißt beispielsweise ein Cache in München, der nur wenige Wochen im Jahr zugänglich ist. Spezielle Ausrüstung gar dürfte bei der Suche auf der Zugspitze erforderlich sein.

„Momentan versorgen uns sechs Satelliten mit den nötigen Signalen“, erklärt Christian Sturm. Seinen Aussagen zufolge hat das Spiel im Jahr 2000 in Oregon/USA seinen Anfang genommen, als damals die ersten GPS-Empfänger auf den Markt kamen. Den Informationen von geocache.com zufolge gibt es mittlerweile über 40 000 aktive Caches in 162 Ländern der Welt.

Unser Tipp daher abschließend für alle gestressten Erzieher, die mit ihrem Vorschlag für einen schönen Sonntagsspaziergang beim Nachwuchs bisher immer nur ein kategorisches Kopfschütteln geerntet haben: Stöbern Sie doch mal auf der Internetseite www.geocaching.de und suchen Sie die Koordinaten aus der näheren Umgebung heraus. JOHANNA SCHOLZ
21.2.2003
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