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LOKALMELDUNGEN - PEGNITZ UND UMLAND  

«Ein außerordentlich ambitionierter Chor»

«Lingua musica» unter Leitung von Michael Starke erhielt gestern den Kultur-Förderpreis des Landkreises
 «Ein außerordentlich ambitionierter Chor»
Foto: NN-Archiv/Böhm
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PEGNITZ/BAYREUTH - «Mit der Vergabe des Kulturpreises will der Landkreis nicht nur Dank und Anerkennung zum Ausdruck bringen, sondern Beispielswirkung entfalten, Funken überschlagen und bemerkenswerte Leuchtspuren aufblühen lassen.» In diesem Jahr ging der Hauptpreis an den Sänger und Musiker Andy Lang aus Gefrees, der Pegnitzer Chor «Lingua musica» konnte den mit 1000 Euro dotierten Förderpreis in Empfang nehmen.

Der Kreistag hat heuer zwei Förderpreise vergeben, an den Pegnitzer Chor «Lingua musica» unter der Leitung von Michael Starke sowie an die Theatergruppe des Schützen- und Gesangvereins Metzlersreuth.

Das Ensemble «Lingua musica» besteht seit 1994. Michael Starke hat es gegründet, der nach Abitur, Musik- und Theologiestudium an der Universität Bayreuth zunächst als Musiklehrer am Gymnasium Pegnitz tätig war und nun seit 2001 an der Johannes-Kepler-Realschule in Bayreuth eingesetzt ist. Gerade in seiner Pegnitzer Zeit hat er auch mit dem früheren Kulturpreisträger, der unverändert aktiven Theatergruppe «Schall und Rauch», gerade bei musikalischen Projekten intensiv zusammengearbeitet, erinnerte sich Dietel.

Der aus bis zu 35 Mitgliedern im Alter von 14 bis 80 Jahren bestehende Chor gehört selbst der evangelischen Kirchengemeinde Pegnitz an und begleitet dort Gottesdienste, Gemeindefeiern und sonstige kirchliche Ereignisse. Dabei werden immer wieder eindrucksvolle Konzerte gegeben. Neben dem 1999 vollendeten Werk «Meditation» gehören insbesondere «Carmina Burana» von Carl Orff, «Konzerte für zwei Fagotte und Streichtrio», «In memoriam Georg Trakl», die Oper «Semolina», «Orpheus» von Christoph Willibald Gluck, «Szenen aus Faust» und das Musical «Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat» zum Repertoire.

Mit adventlichen und weihnachtlichen Konzerten, aber auch dem Kirchenkonzert «Dominus pascit me» wird nach Ansicht des Landrats die große künstlerische musikalische Breite dieses Ensembles deutlich. Noch heuer will Michael Starke selbst mit seinem Chor das «Requiem» von Wolfgang Amadeus Mozart in Pegnitz aufführen.

Dietel weiter: «Der Chor ist außerordentlich ambitioniert und strebt noch nach Höherem. Dies ist nur schwierig zu erreichen und verlangt den gemeinschaftlichen Einsatz aller Sängerinnen und Sänger. Die Bereitschaft zum künstlerischen Risiko ist ebenso wie eine hohe Differenziertheit und Disziplin gegeben. Kaum Schwankungen und der unbedingte Wille zur bestmöglichen Leistung machen die Besonderheit des von Michael Starke geprägten Klangkörpers deutlich. Der Dirigent selbst ist sicherlich ein Perfektionist und vermag die Aufführungen mit viel Liebe zum Detail und innovativen Regieeinsätzen besonders zu gestalten. Man wird von diesem Ensemble mit seiner schon jetzt vorhandenen ungeheueren Breite und Dichte des Programmes noch viel erwarten können. Musikalische Alltagskost wird hier nicht geboten.»

Mehrere CDs und eine DVD sind zwischenzeitlich entstanden. Vor allem die Doppel-CD mit einer hervorragend besprochenen Aufführung der Oper «Orpheus" stelle als Live-Aufnahme die bisher erste Gesamtaufnahme dieser Oper in deutscher Sprache überhaupt dar, so Dietel.

Der Hauptpreis wurde dem Musiker und Sänger Andy Lang zuerkannt, der auch bei Auftritten in Pottenstein schon begeistert gefeiert worden ist. Andy Lang ist in dem von seinem Urgroßvater vor über 100 Jahren erbauten Jugendstilhaus in Gefrees zu Hause und verbindet Musikalität und Spiritualität in besonderer Weise. Nach seinem Theologiestudium in Heidelberg und Erlangen war er unter anderem von 2001 bis 2004 als theologisch-künstlerischer Referent beim Verband für christliche Popularmusik in Bayern tätig. Seit 2005 ist er auf eigenen Antrag als Pfarrer beurlaubt und als freiberuflicher Künstler national und auch international tätig.

Zugang zur keltischen Musik

Während eines Aufenthalts in England entwickelte er sich zum Liedschreiber, um sich auch auf diesem Wege mit den politischen Geschehnissen rund um den Golfkrieg auseinanderzusetzen. In Irland hat er Zugang zur keltischen Musik gefunden und deshalb seinem Instrumentarium die Harfe hinzugefügt. Ihn haben vor allem die dabei melodiös zum Ausdruck kommende tiefe Heimatverbundenheit, das Erleben von Natur und Schöpfung, die Offenheit und das verschmelzende Element von Glaube und Kultur fasziniert. Es macht ihn glücklich, dass er als Musiker und als Pfarrer wirken kann, sein Weg also beide Seiten verbindet.

Der Landrat weiter in seiner Laudatio: «Andy Lang kann man mit Worten nur sehr unvollständig beschreiben. Man muss ihn vom Inneren her und seine Aura offen erleben. Er hat sich jedenfalls als Liedschreiber, Harfenist, Sänger und auch als Texter einen überregional beachteten künstlerischen Namen geschaffen. Er ist Glaubensbote und Musikzeuge zugleich.»

Beim Empfang für den westlichen Bereich des Landkreises charakterisierte Dietel auch den Kulturlandkreis, bei dem sich erfreulicherweise viele Menschen einbringen: «Ich bin guter Hoffnung, dass nicht nur die kulturelle Baumkrone üppig blüht, sondern auch das Wurzelwerk nicht verödet und in der Zukunft nicht das Basteln von Handy-Klingeltönen die zur Zeit vielleicht modernste Form des Laienmusizierens ist und wird. Ich setze darauf, dass Kultur und Musik Emotionen beeinflussen und in die tieferen Strukturen unseres Seins eindringen, um einen positiven ,Chill‘- Effekt auszulösen. Das brauchen wir besonders in unserer bisweilen lärmenden Zeit.» -rr-
29.9.2007
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