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PEGNITZ/HAINBRONN - Für die meisten der Starter ist der New York City Marathon schon allein sportlich eine Herausforderung. »Das Wochenende war eine rasante, emotionale Achterbahnfahrt», sagt Kerstin Ehler. Die langjährige ASV-Handballerin hat sich mit einem Start beim weltgrößten City-Lauf nicht nur einen Traum erfüllt, sondern mit einer Startnummer im Feld der 5000 besten Frauen auch hautnah Kontakt zu den Profis am Start der 42,195 Kilometer langen Strecke gehabt.
Nicht mehr zu übertreffen waren dann noch ein Plausch mit Sieger Martin Lel und Robert Cheruiyot, der der Pegnitzerin als Gewinner der World Marathon Majors Serie stolz seinen 500 000 US-Dollar schweren Scheck präsentierte. Bereitwillig schrieben die beiden kenianischen Champions der Hainbronnerin auch Autogramme.
Dabei zu sein, den inneren Schweinehund zu besiegen und die Faszination Marathon zu erleben mit einem Ziel: Durchhalten und das Ziel erreichen, lautete das Motto von Kerstin Ehler für ihren Lauf durch Big Apple. Denn der New York City Marathon ist sicherlich nicht nur einer der anspruchsvollsten, sondern auch einer der spektakulärsten Marathons weltweit. Bis zu 39000 Teilnehmer, 12000 Helfer und rund 2,5 Millionen Zuschauer an der Strecke sind bemerkenswerte Zahlen für den Stadtkurs, der auch von der eindrucksvollen Kulisse Manhattans lebt.Der Wettbewerb zählt seit 2006 zu den World Marathon Majors und zieht in jedem Jahr auch zahlreiche Stars der Laufszene an.
Fantastisch die Strecke: Der New-York-Marathon ist kein Rundkurs, sondern geht von den Stadtteilen Staten Island über Brooklyn, Queens, Harlem und die Bronx bis nach Manhattan. Der Start erfolgte an einem der höchsten Punkte: Die beeindruckende Verrazano Narrows Bridge hat allein zwischen ihren beiden Pfeilern eine Spannweite von knapp 1,3 Kilometern, die Hainbronnerin hatte das Glück auf der Oberseite zu laufen - die Skyline Manhattans und die Fontänen des Feuerschiffes vor Augen und dank ihrer guten Startnummer F 4744 gleich hinter dem Top-Feld der Männer.
Schon Stunden vorher mussten die Starter in einer schier endlosen Buskaravane über die Meerenge gebracht werden. In den Startdörfern unterhielt dann sogar eine Rockband die Läufer. Für die vielen Nationalitäten gab es eine eigene Sportlerandacht.
Enorm waren aber auch die Sicherheitsvorkehrungen und Gepäckkontrollen. Kerstin Ehler: «Auf dem Gelände kreisten dutzende von Polizeihubschraubern, auf den Häusern waren sogar Scharfschützen positioniert. Unbeschreiblich war auch das Absingen der Nationalhymne und der Startschuss, als vor den besten Amateur-Starterinnen die Profis auf den Kurs geschickt worden waren. Der Wahnsinn.
Hand auf das Herz
Typisch Amerika war, dass jeder amerikanische Starter beim Singen der US- Nationalhymne seine Laufmütze abnahm und die rechte Hand ans Herz legte. Störend empfand die ASV-lerin lediglich den Lärm der vielen Helikopter, als für einen am Vortag verstorbenen US-Sportler der Olympia-Ausscheidungen eine Schweigeminute eingelegt worden war. Toll war die Nähe zu den Top-Stars der Laufszene. «Es war schon beeindruckend, hautnah mitzuerleben, wie sich die weltbesten Marathonis noch am Start warmlaufen. Bei den schnellsten Amateurinnen tummelte sich freilich auch die Prominenz, so lief beispielsweise Schauspielerin Kathie Holmes, Ehefrau von US-Hollywoodstar Tom Cruise, im gleichen Feld. «Der eigene Start hat in diesem Moment bei soviel Auflauf gar nicht interessiert. Nach dem Startschuss waren nur die Profis gefragt. Beeindruckend, in welchem Tempo Olympiasieger Stefano Baldini und der spätere Sieger Martin Lel schon auf den ersten Metern Kopf an Kopf gerannt sind.»
An der First Avenue standen die Menschen schon früh um acht vier Reihen tief, um die Rollstuhlfahrer zu bejubeln und rockten zu den alle zehn Blocks postierten Bands. Insgesamt wummerten entlang des Strecke 800 Bands die Läufer ins Ziel. Im Stadtteil Harlem standen die Fans ebenfalls Kopf-an-Kopf an der Strecke und «verdeckten» später auch die glitzernden Fassaden in der Einkaufsmeile der Fifth Avenue und die «blaue Linie». Lauferlebnis pur auch im «Gangster-Viertel» Bronx und vor dem Ziel im Central-Park in Manhattan. «Ich bin die letzten beiden Meilen nur mit Gänsehaut gelaufen und habe die Stimmung genossen.»
Mit den fünf Brücken entlang der Strecke gilt der Marathon in New York nicht nur bei der Welt-Elite als anspruchsvoller Marathon. «Denn im Vergleich zu den großen Marathons in Deutschland wird in New York im Elitefeld rund zwei Minuten und von Freizeitläufern etwa fünf bis zehn Minuten langsamer gelaufen.» Dennoch zieht es die Stars jedes Jahr in die Metropole, denn auch 600.000 Dollar Preisgeld werden ausgelobt. «Mit meiner Zeit von 4:34:44 Stunden bin ich daher mehr als zufrieden, zumal auch das Sightseeing und das Feeling an der Strecke im Vordergrund standen.
Dennoch belegte die Hainbronner Läuferin in ihrer Altersklasse Rang 1090. Jetzt heißt es erst einmal ausspannen und regenerieren bis zum nächsten Marathon. Während New York Sieger Martin Lel der Hainbronnerin seinen nächsten Start noch nicht verraten durfte, weiß diese dagegen schon, wann sie wieder die Laufschuhe schnüren wird: «Sicher schon an Weihnachten beim «Gans- Auslaufen» in Nürnberg, wenn es am zweiten Weihnachtsfeiertag rund um den Wöhrder See auf 42,195 Kilometern geht. -pe- |