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Ab Mittwoch freie Fahrt auf der Westspange

Nach zweijähriger Bauzeit geht das umstrittene Millionenprojekt an den Start - Dickes Geschenk für den Landkreis
 Ab Mittwoch freie Fahrt auf der Westspange
Foto: Winckler
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ZIRNDORF - Am kommenden Mittwoch (11 Uhr) wird die Westspange für den Verkehr freigegeben. Nach zwei Jahren Bauzeit geht damit das größte - nicht unumstrittene - Straßenbauwerk in der Geschichte der Bibertstadt ans Straßennetz. Dem Landkreis macht die Stadt damit ein Millionengeschenk, denn mit der Freigabe geht die Trasse, die als überörtliche Verbindungsstraße eingestuft wird, in den Besitz des Landkreises über.

Bürgermeister Thomas Zwingel hätte die Freigabe gern «ein bisschen mehr als Event» inszeniert. Zur Premiere einen Pulk Skater auf die 1620 Meter lange Trasse zwischen Rothenburger und Banderbacher Straße zu schicken, scheiterte allerdings an den Sicherheitsauflagen. Und den Oldtimer-Corso, der ebenfalls angedacht war, machten deren Besitzer nicht mit - aus Sorge, ihre rostempfindlichen Edelkarossen widrigen Witterungsverhältnissen auszusetzen.

Großzügig gefördert

So gibt’s jetzt nur eine «ganz nüchterne» Freigabe, mit Scherenschnitten und Grußworten prominenter Politiker. An vorderster Stelle Bayerns neuer Innenminister Joachim Herrmann, der den Freistaat als Mitfinanzier der Trasse vertritt. 10,4 Millionen Euro kostet die Westspange. Mit 7,2 Millionen Euro wird sie aus Bundes- und Landesmitteln gefördert, von denen sich der Löwenanteil (43 Prozent) aus der Kraftfahrzeugsteuer speist. 3,2 Millionen Euro hat Zirndorf selbst zu schultern.

Auch Landrätin Gabriele Pauli ist um ein Grußwort gebeten. Sie vertritt die Gebietskörperschaft, die von dem Zirndorfer Straßenbau ganz erheblich profitiert: Dass die Bibertstadt eine teure Straße baut, die eigentlich Aufgabe des Landkreises wäre und sie dann auch noch an den weiterschenkt, hat in breiten Bevölkerungskreisen für Unverständnis gesorgt. Die Stadtspitze begründete dieses Vorgehen stets mit der langen Wartezeit, die die Bibertstadt ansonsten hätte hinnehmen müssen, bis ihr Zentrum vom Durchgangsverkehr befreit worden wäre. «Das hätte sicher noch sieben, acht Jahre gedauert», sagt Zwingel.

Die Investition auf Stadtkasse betrachtet Zwingel trotz aller Kritik als gerechtfertigt. Eröffne sich mit der Westspange doch die erste leistungsstarke Nord-Süd-Verbindung, die nicht nur Leichendorf sondern eben auch Zirndorfs Innenstadt erheblich entlaste. Sie unter diesen Vorzeichen allein auf ihre Funktion als Anbindung des neuen Stadtteils im Pinderpark zu reduzieren, wäre seiner Ansicht nach «zu kurz gedacht». Die Besiedlung der einstigen Kasernenfläche und die damit erforderliche zweite Erschließung für das neue Wohngebiet gab den Ausschlag, den Plan für die Umgehung von Leichendorf, der in Varianten schon seit 30 Jahren diskutiert wurde, tatsächlich anzupacken.

Rasch umgesetzt

Und das hat die Bibertstadt vergleichsweise zügig getan: Im Sommer 2003 begann das Bauamt, am Entwurf für den Bebauungsplan zu feilen. Im Herbst 03 lag er erstmals öffentlich aus, rechtskräftig wurde er im Oktober 2004. Ein Jahr später war der symbolische erste Spatenstich. Den rahmten Proteste von Bund Naturschutz und Grünen. Letztere hatten mit Unterstützung ihrer Oberasbacher Parteikollegen sogar eine Petition gegen die Westspange im Landtag eingereicht, die allerdings scheiterte.

Ihre Einwände hatten Zirndorfs Grünen-Stadträte Kerstin Führes und Wolfram Schaa gebetsmühlenartig im Stadtrat vorgetragen: Mit dem einseitig den Individualverkehr fördernden Millionenprojekt würden auf Jahre Unsummen gebunden, die sinnvoller in den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs investiert wären. Unisono mit dem BN verurteilten sie speziell die Brücken über Bibert und Banderbach als zu massive Eingriffe in die Natur der Flusstäler.

Dass die Westspange auch die Trasse der Bibertbahn und damit eine mögliche Reaktivierung der stillgelegten Schienenstrecke verbaut, ärgerte auch die Oberasbacher Stadträte, die noch dazu zusätzlichen Verkehr auf der Rothenburger Straße fürchten. Derlei Vorwürfe wies die Stadtspitze stets zurück. Zwingel und sein Bauamtsleiter Klaus Bierwagen tun das auch jetzt im Vorfeld der Einweihung.

Unterm Strich, so Bierwagen, werde sich der Verkehr auf der Rothenburger Straße im Oberasbacher Stadtgebiet verringern, verweist er auf die Verkehrsprognosen bis 2015. Und sollte die Biberttrasse tatsächlich einmal reaktiviert werden, müsse sie nicht vor der Westspange enden. «Das haben wir schon alles bedacht.»

Was nichts daran ändere, dass die Rothenburger Straße als westliches Haupteinfallstor in den Großraum ein Nadelöhr ist, wie Zwingel einräumt. Und das umso mehr, seit sich der Verkehr auf der B 14 in Stein selbst nach dem fast abgeschlossenen Umbau der dortigen Hauptstraße regelmäßig staut und mancher Pendler nun auf die Route über Oberasbach ausweicht. «Wir müssen weiter nach Lösungen suchen, um den ÖPNV auf dieser Strecke auszubauen», so Zwingel. Doch die Planungen für die Verlängerung der U-Bahn-Linie 3, die die politisch Verantwortlichen im Fürther Land verfolgen, stecken fest. Die standardisierte Bewertung, die Aufschluss über die Förderfähigkeit der U-Bahn gäbe, lässt bereits seit längerem auf sich warten.

Die Kritik an der Westspange halten die Grünen derweil weiter am Köcheln. Eine Anfrage zu Anschaffungs- und Unterhaltskosten der Beleuchtungsanlagen an der Westspange liegt dem Bürgermeisteramt bereits vor. Die Stromrechnung für die Laternen muss die Bibertstadt indes gar nicht mehr bezahlen. Die geht an den Landkreis als neuen Besitzer der Trasse.

Sabine Dietz
16.11.2007
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