Nachrichten und Informationen aus FrankenNuernberger Nachrichten aktuellNuernberger Zeitung aktuell Gigantischer Brückenschlag über die Bibert
   
LOKALMELDUNGEN - FÜRTH UND UMLAND  

Gigantischer Brückenschlag über die Bibert

Zirndorf: Die Westspange ist für den Verkehr freigegeben - Geschenkt oder getauscht?
 Gigantischer Brückenschlag über die Bibert
Foto: ts
Bitte Bild anklicken!
ZIRNDORF - Freie Fahrt auf der Westspange: Seit gestern ist der gigantische Brückenschlag über den Bibertgrund für den Verkehr freigegeben. Mit Joachim Herrmann, der bei dieser Gelegenheit dem Landkreis Fürth seinen Antrittsbesuch als Bayerns neuer Innenminister abstattete, und Landrätin Gabriele Pauli eröffnete Bürgermeister Thomas Zwingel die Trasse.

Als eines der «wichtigsten und größten Bauprojekte» in der Geschichte der Bibertstadt feierte sie der Rathauschef: Auf einer Länge von 1620 Meter verbindet die Westspange die Rothenburger mit der Banderbacher Straße. Drei Brücken begleiten sie: Die markanteste von ihnen führt über den Bibertgrund und ist 245 Meter lang. Zwei Kreisverkehre und drei Anbindungen fädeln die Trasse ins bestehende Straßennetz ein. Den Pendlern auf der Rothenburger Straße beschert sie eine weitere Ampelanlage auf der Haupteinfallsroute in den Großraum.

Für den Preis von 10,3 Millionen Euro ist binnen zwei Jahren Bauzeit eine Route entstanden, die Zirndorfs neuen Stadtteil PinderPark erschließt und von der sich Politiker und Verkehrsplaner eine erhebliche Entlastung für die Innenstadt und den Ortsteil Leichendorf versprechen. 6,6 Millionen Euro steuert der Freistaat bei, 3,6 Millionen Euro hat die Bibertstadt aus ihrer eigenen Schatulle zu zahlen.

Zu einer leistungsfähigen Nord-Süd-Verbindung, die überfällig gewesen sei, gratulierte Herrmann den Zirndorfern. Mit der Westspange erhöhe sich die Attraktivität der Innenstadt und die Wohn- und Lebensqualität der Zirndorfer erheblich, sagte er. Absehbar sei es, dass mit der weiteren Besiedlung des PinderParks auch der Verkehr zunehmen werde - von aktuell täglich 7000 Fahrzeugen auf 12 000 im Jahr 2015 gingen die Prognosen allein für Leichendorf aus. Die Westspange reduziere diese Blechlawine für die 390 Leichendorfer um 80 Prozent. Wie sie den Verkehr auf der Rothenburger Straße beeinflussen könnte, sprach keiner der Redner bei der Eröffnung an.

Stattdessen lag Zirndorfs Bürgermeister Zwingel daran, klarzustellen, dass es «Unsinn» sei zu behaupten, die Stadt Zirndorf mache dem Landkreis ein Geschenk. In Zirndorfs ureigenstem Interesse sei es gelegen, diese Trasse möglichst schnell zu realisieren. Hätte man den Bau dem Landkreis als eigentlich Zuständigen für die Straßen überörtliche Bedeutung überlassen, «hätten wir sicher noch Jahre warten müssen.» Und weil mit der Freigabe der Westspange auch einige Straßen in die Zuständigkeit der Bibertstadt zurückfallen, wäre der Deal nach Ansicht Zwingels treffender als «Straßen-Tausch-Geschäft» im Interesse Zirndorfs bezeichnet.

Worauf Landrätin Pauli ans Rednerpult trat und sich prompt «für das Geschenk Zirndorfs» an den Landkreis bedankte. Als beachtliche und gewaltige Leistung honorierte sie den Bau. Sie rückte die Westspange in den Kontext einer «rasanten Entwicklung», die Zirndorf als Sitz des Landratsamtes und damit als neue Kreisstadt in den zurückliegenden Jahren genommen habe. Eine Entwicklung, die so Pauli, auch höhere Anforderungen an die verkehrstechnische Infrastruktur stelle.

Die Gegner des umstrittenen Großprojekts, allen voran die Grünen und der Bund Naturschutz, machten sich beim Eröffnungstermin rar. Der ältere Mann, der vor einem Gesperrt-Schild in der Grundstraße auf seinem Mofa wartete, als würde er in den Startlöchern stehen für eine Jungfernfahrt auf der Westspange, teilte allerdings die Argumente der Kritiker. «Wir», sagt der Wintersdorfer, «hätten diese Straße nicht gebraucht. Ob‘s mit der prognostizierten Entlastung tatsächlich so weit her ist, mag er nicht recht glauben: «Wie wollen die denn beeinflussen, dass die Autos jetzt statt durch Leichendorf über die Westspange nach Zirndorf fahren?», fragt er. «Da müssten‘s die Ortsdurchfahrt von Leichendorf doch sperren.»

Sabine Dietz
22.11.2007
Mehr vom aktuellen Tagesgeschehen lesen Sie in Ihrer Zeitung. Jetzt abonnieren Link auf ein externes Angebot
 
  © NORDBAYERN.DE