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Eine neue Heimat

Pfarrerehepaar wirkt in Thuisbrunn und Affalterthal
 Eine neue Heimat
Foto: Holzschuh
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THUISBRUNN/AFFALTERTHAL - So richtig in Thuisbrunn angekommen sind Hans-Jürgen Johnke und seine Frau Gerhild Zeitner noch nicht. Der Großteil der Bücher ist in irgendwelchen Kisten verpackt. Einen privaten Telefonanschluss haben sie noch nicht, «und schauen Sie nicht ins Wohnzimmer, dort herrscht Chaos», bittet Gerhild Zeitner.

Doch bald wird sich das Ehepaar eingelebt haben - dafür werden die Gemeinden Affalterthal, Thuisbrunn und Egloffstein sorgen. Nach teilweise knapp zweijähriger Vakanz besetzen Johnke und Zeitner die Pfarrer-Stellen wieder.

Die beiden Geistlichen kommen aus Fürth. Johnke betreute bisher die Gemeinde St. Paul mit 7000 Mitgliedern . «Das ist schon ein Unterschied zu Affalterthal.» Doch genau das reizt den Pfarrer an seiner neuen Stelle. «Ich möchte wieder näher mit den Menschen zusammenarbeiten.» In Fürth habe er aufgrund der Gemeinde-Größe viel mit Organisatorischem zu tun gehabt. «Das wird jetzt besser», hofft er. «Ich will die Menschen begleiten.»

Seine Frau war bisher an einer Fürther Förderschule als Religionslehrerin tätig. «Der Abschied ist mir sehr schwer gefallen», sagt sie. Die Arbeit mit Kindern aus problematischen Verhältnissen sei ihr ans Herz gewachsen. Dennoch entschied sie, sich nach Thuisbrunn zu bewerben. «Ich habe diesen Beruf nicht gewählt, um nur zu unterrichten.» Schule sei zwar schön, aber auf Dauer zu einseitig. «Ich wollte wieder mit Menschen aller Generationen zu tun haben. Mit Kindern, jungen Ehepaaren, aber auch Senioren.» Zeitner hofft bei allen Gruppen bei Problemen vermitteln zu können. «Ich habe eine Ausbildung zur Mediatorin, zur Streitschlichterin, absolviert.»

Zusammen leben

Ein weiterer wichtiger Punkt, warum sich das Ehepaar auf die Stellen in der Fränkischen Schweiz beworben hat: «Wir wollen zusammen wohnen», sagt Zeitner. Keine leichte Sache für zwei verheiratete Pfarrer. Denn die meisten Gemeinden bestehen auf der Residenzpflicht, der Geistliche muss also seinen Wohnsitz in der Gemeinde haben. Aber zwei Wohnungen in verschiedenen Gemeinden unterhalten? Das wollte das Ehepaar auf keinen Fall. «Zum Glück hat Affalterthal auf die Residenzpflicht verzichtet», sagt Johnke.

Er zog mit seiner Frau, Tochter Miriam, Golden Retriever Molly und vier Katzen im Pfarrhaus in Thuisbrunn ein. Drei erwachsene Kinder wohnen schon lange nicht mehr zu Hause «Die sind über die ganze Welt verstreut.»

Die Affalterthaler, betont Johnke, müssten sich dennoch keine Gedanken machen, in der Betreuung zu kurz zu kommen. «Ich werde für die Gemeinde da sein.» Vielmehr erhofft er sich Synergie-Effekte. Die Gemeinden könnten verstärkt zusammenarbeiten, sei es in der Jugendarbeit oder im Musikalischen.

Beim Essen nur Privates

«Es hat schon Vorteile, auch mit einem Pfarrer verheiratet zu sein», stimmt seine Frau zu. «Die Gespräche miteinander bringen mich in manch schwieriger Situation weiter.» Eine Ausnahme macht sie jedoch: «Wir haben ausgemacht, dass beim Essen nicht über die Gemeinden gesprochen wird. Da wollen wir uns Zeit für Privates nehmen.» Die 45-Jährige lächelt, ob sie es durchhalten werden, da ist sie sich nicht sicher. Aber probieren, das wollen sie zumindest.

Und wenn der Alltag zu stressig wird, dann können die beiden Pfarrer bei Musik entspannen. Johnke ist Präsident des evangelischen Posauenchorverbandes. An den Chorproben in Affalterthal hat er schon teilgenommen. Gerhild Zeitner spielt Waldhorn, vor ihrem Theologiestudium hatte sie einige Semester Musik belegt. «Als Hobby ist Musik toll, aber nicht als Beruf.»

Vom Chor herzlich begrüßt

Die «Kollegen» vom Posaunenchor haben die Pfarrer nun schon herzlich in der Gemeinde begrüßt. «Der Chor hat ein Ständchen gespielt und einen Korb mit leckeren Spezialitäten überreicht», erzählt Zeitner. «Da fühlt man sich wirklich willkommen.»

Jetzt, am morgigen Sonntag, wird Gerhild Zeitner ihrer Gemeinde zum ersten Mal gegenübertreten. Am dritten Advent wird sie in Thuisbrunn eingesegnet. «Das ist eine ganz besondere Sache für mich.» Zum ersten Mal wird Zeitner predigen, viele Gemeindemitglieder zum ersten Mal sehen. «In die Predigt lege ich mein Herz rein.»

Denn das ist beiden wichtig: Mit Herz bei der Arbeit sein, die Probleme der Menschen ernst nehmen und zusammen mit den Gemeindemitgliedern arbeiten. «Wir steigen nur auf ein Boot auf», sagt Johnke. «Es ist schon am Fahren, wir können nur Impulse geben.»

Franziska Holzschuh
15.12.2007
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