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Wer tollt mit auf dem Spielplatz? Einmal im Monat darf sich hier Nürnbergs sportlicher Nachwuchs präsentieren, von American Football bis Wasserball. Heute wird ein Blick auf die jugenddominierte Judo-Abteilung des TSV Falkenheim geworfen.
Obwohl Judo an sich unter die Kategorie Kampfsport fällt, geht es beim TSV Falkenheim alles andere als brutal oder gar barbarisch zu, im Gegenteil: Stets ist von der großen «Judo- Familie» die Rede, Harmonie und Freundschaft beherrschen den Sport-Alltag. Doch eine «Mutter» in dem Sinne hat die Familie nicht. Stattdessen teilen sich zwei Männer die «Vaterschaft»: Werner Börkel und Bernd Turck.
Vor elf Jahren beim Vereinssommerfest kamen die beiden Sportler ins Gespräch, die bis dato in anderen Abteilungen des TSV Falkenheim heimisch waren. «Wir fanden heraus, dass wir viele Gemeinsamkeiten hatten – beide waren wir bei der Marine, beide sind wir begeisterte Judoka», erinnert sich Bernd Turck. «So nach dem fünften gemeinsamen Bier haben wir uns gedacht: ‚Mensch, warum gründen wir eigentlich nicht eine Judo-Abteilung?’»
Die letzte Geburtshilfe musste noch der Vorstand leisten, der allerdings gern das nötige Equipment in Form von Judo-Matten bereitstellte.
Anfangs kamen dann vor allem viele Mädchen ins Training, das zu dieser Zeit noch eher Gymnastik und Turnen mit eher zaghaften Judo-Elementen war. Doch die Gruppe wuchs schnell an, 60 Erwachsene und zehn Kinder waren bald regelmäßig aktiv und zeitgleich gewichtete sich der Trainingsinhalt mehr und mehr auf «echtes» Judo – Haltegriffe und besondere Wurftechniken.
«Heute haben wir in der Abteilung 138 Mitglieder – 110 davon sind aktive Jugendliche», freut sich Bernd Turck. Die von ihm mitgegründete Abteilung ist heute die zweitgrößte hinter Fußball beim TSV Falkenheim.
Mittlerweile trainieren, feiern und kämpfen vier Generationen zusammen, das jüngste Judo-Familienmitglied ist gerade einmal vier Jahre alt und wird mit gleichaltrigen Kindergartenkameraden von Übungsleitern trainiert, die einen Elementarschein extra für die Ausbildung besonders junger «Kämpfer» besitzen. Diese lassen ihre Schützlinge dann hauptsächlich verschiedenste Spielformen ausprobieren. Außerdem werden die Grundlagen des Judosports auf ungewöhnliche Art vermittelt, etwa durch Luftballons zertreten, Tennisbälle mit einem Löffel balancieren, einen Luftballon auf der Brust über einen Hindernisparcours führen.
Insgesamt kümmern sich sechs ausgebildete Judo-Trainer um den Nachwuchs und die Erwachsenen, die Hälfte davon sind selbst ehemalige Anfänger, die beim TSV Falkenheim einst in ihre erste «Uwagi», also JudoJacke, geschlüpft sind und jetzt ihre Begeisterung an dieser Sportart weitergeben möchten.
Doch nicht nur die Kleinen stehen im Mittelpunkt: «Bislang haben wir unser Judo ausschließlich als Breitensport betrieben. Durch die zunehmenden Erfolge bei Wettkämpfen aber werden wir fast schon durch unsere ehrgeizigen Jugendlichen gezwungen, auch leistungsfördernder zu denken», erklärt Bernd Turck.
Ein Traum wäre daher auch ein eigenes «Dojo», wie die Judokas ihre Trainingsstätte nennen. Dann wären sie auch nicht mehr auf die freien Zeiten in den öffentlichen Sporthallen angewiesen, sondern könnten selbst eventuell sogar offizieller Judo-Stützpunkt in Bayern werden. Pläne für einen Bau der kleinen Judo-Halle liegen schon vor, wie so oft aber hapert es noch an der Finanzierung.
Doch auch eine neue Pokalvitrine dürfte bald angeschafft werden müssen: In Nürtingen bei Stuttgart holten zuletzt zwei Falkenheimer Junioren-Judokas (Jahrgang 1994) bei der süddeutschen Einzelmeisterschaft zwei Medaillen. Marco Albrecht wurde Vizemeister, Schirin Tolksdorf durfte die Bronzemedaille mit nach Hause nehmen. Auch viele andere Nachwuchskämpfer haben schon tolle Erfolge erreicht, von lokalen Meisterschaften hin bis zu internationalen Wettkämpfen.
Doch vor dem sportlichen soll immer der gesundheitliche Erfolg stehen: «Wir schulen nicht nur mit unserem Training die Konzentrationsfähigkeit, Beweglichkeit, Motorik und Schnellkraft, sondern erreichen auch andere positive Effekte. So können wir zum Beispiel Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS) zu einer gesundheitlichen Besserung verhelfen», berichtet Abteilungsleiter Bernhard Bajnoch.
Eine weitere gute Idee haben die Judokas aus Falkenheim bislang noch nicht umgesetzt. Sie würden gerne auch behinderte Menschen für ihren Sport begeistern. Werner Börkel und Bernd Turck werden sich dafür sicher noch einmal zusammensetzen.
Christoph Benesch (Text) und Günter Distler (Fotos) |