Nachrichten und Informationen aus FrankenNuernberger Nachrichten aktuellNuernberger Zeitung aktuell Schwestern von gestern Lustlos: Sisters Of Mercy beim Konzert in Fürth
   
 

Schwestern von gestern Lustlos: Sisters Of Mercy beim Konzert in Fürth

 Schwestern von gestern Lustlos: Sisters Of Mercy beim Konzert in Fürth
Foto: F: Langer
Bitte Bild anklicken!
„Ich mag es nicht sonderlich, auf der Bühne zu stehen, aber ein Mann muss seine Miete zahlen" — Andrew Eldritch, Sänger und (Quer-)Kopf der Dark-Wave-Formation Sisters Of Mercy, kann sicher sein, dass ihm sein seit zwei Dekaden ergebenes Publikum dieses mürrische Geständnis nicht verübelt. So ging es in der Fürther Stadthalle noch einmal darum, die Hits aus glorreicheren Zeiten wieder aufleben zu lassen. Immerhin: Auch im Jahr 2003 kann die Band mittelgroße Konzerthallen füllen.

Tempelfürsten

Die Gruppe überraschte, als sie ihr erfolgreichstes Lied „Temple Of Love" als Auftakt zum Besten gaben. Ein fulminanter Start zu einer Zeitreise in die Achtziger Jahre samt ihres unterkühlten Charmes. Dazu trug nicht nur der Elektro-Rock-Sound der „Fürsten der Finsternis" bei, sondern auch der über Gebühr eingesetzte Kunstnebel und die farbenfrohe Lichtshow. Optisch ergab sich so ein Kontrast zu den fast ausnahmslos in Schwarz gekleideten Fans.

Abgesehen davon regte sich wenig auf der Bühne. Der ohnehin nicht übergroße Mister Eldritch und seine Mitstreiter hatten sich anscheinend auf einen Bewegungsradius von einem Meter geeinigt. Ob britisches Understatement oder kokett inszenierte Lustlosigkeit: Den Gästen wurde weitgehende Passivität geboten. Darüber hinaus nährten die Musiker Zweifel an ihrer Motivation, indem sie ihren Auftritt ohne Ansagen absolvierten. Die Band spulte ihr Programm mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks ab. Nur manchmal ließ sich nachempfinden, wodurch die Gruppe einst ihre Vorreiterrolle erspielt und ein Genre mitgeprägt hatte. Über treibende Rhythmen, atmosphärische Synthesizerpassagen und druckvolle Gitarren legte sich die charismatische Stimme des Frontmannes, um dem textkundigen Publikum von Leidenschaft und Exzessen zu berichten.

Und tschüss

Trotz einiger Längen ging das Rezept auf. Emotionen und schwelgerisches Pathos verschmolzen mit der kalkulierten Unnahbarkeit der Akteure. Zufriedengestellt wurden die Konzertbesucher spätestens mit den Hits „Valentine", „Vision Thing" oder „This Corrosion". Obwohl das Publikum das abrupte Ende einer 90-minütigen ereignisarmen Veranstaltung mit Pfiffen quittierte. Kai-Timo Winn
14.4.2003
Mehr vom aktuellen Tagesgeschehen lesen Sie in Ihrer Zeitung. Jetzt abonnieren Link auf ein externes Angebot
 
  © NORDBAYERN.DE