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FÜRTH Land - Auf einer Nürnberger Strecke ist die fahrerlose U-Bahn schon unterwegs. Zwischen Stein, Oberasbach und Zirndorf wird nun spekuliert, ob der automatische Betrieb den Traum von der U-Bahn-Verlängerung in den Landkreis dank gesparter Personalkosten möglich macht. Bernd Baudler, hiesiger Kreisvorsitzender des Verkehrsclub Deutschland (VCD), bezweifelt das.
Herr Baudler, die U-Bahn ist das beliebteste öffentliche Verkehrsmittel. Warum sie nicht ab Nürnberg- Röthenbach und dem geplanten Nürnberger Endpunkt Gebersdorf in den Landkreis Fürth verlängern?
Bernd Baudler: Der automatische Betrieb führt nicht zu geringeren Baukosten. Auch eine fahrerlose U-Bahn benötigt Tunnel, Gleise, Bahnhöfe. Es sind sogar zusätzliche Investitionen in die Sicherungstechnik nötig.
Doch den Kommunen und dem Landkreis geht es in erster Linie um die Unterhaltskosten - fallen sie nicht geringer aus?
Baudler: Die VAG lässt sich hier nicht in die Karten schauen. Aber ich bezweifle, ob so viel eingespart wird, denn der Wartungsaufwand für die aufwändige Sicherungstechnik ist höher.
40 000 Fahrzeuge pendeln werktags über die Rothenburger Straße in den Großraum, 35 000 sind es auf der B 14 durch Stein. Glauben Sie nicht, dass etliche der von Stau und hohen Spritpreisen genervten Pendler gerne in die U-Bahn umsteigen möchten?
Baudler: Mit Sicherheit würden sie das, aber bis die U-Bahn fertig ist, müssten sie noch lange warten. Frühester Zeitpunkt wäre meines Erachtens 2025.
Noch 2008 werden die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie für die U-Bahn-Verlängerung nach Oberasbach und Zirndorf erwartet. Vielleicht ist sie dann doch machbar?
Baudler: Natürlich sollte eine solche weitreichende und über Jahrzehnte bindende Entscheidung auf Basis gesicherter Zahlen getroffen werden. Doch es ist einfach Fakt, dass Investitionen in andere schienengestützte Verkehrsmittel nur etwa ein Zehntel dessen verschlingen, was der Bau einer U-Bahn kostet. Es wäre sinnvoller, wenn solche Gutachten nicht einseitig auf ein Verkehrsmittel ausgerichtet wären, sondern unter der Prämisse in Auftrag gegeben würden: «Wir wollen die beste Lösung für ein Verkehrsproblem». Zum Thema Unterhalt nur so viel: Der Landkreis Fürth hat ein jährliches Budget für den ÖPNV von zwei Millionen Euro, inklusive Schülerbeförderung. Um sich eine U-Bahn zu leisten, müsste es um ein Mehrfaches aufgestockt werden.
Bleibt also nur noch der Bus?
Baudler: Der Bus ist keine Alternative, denn wer steigt schon aus seinem Auto aus, um dann in ein größeres «Auto» umzusteigen, das genauso im Stau steht. Aber es gibt die Alternative zumindest für Oberasbach und Zirndorf: die Bibertbahn.
Doch die Stadt Nürnberg will die auf ihrem Terrain liegende Strecke überplanen und die Gleisanlagen sind teils schon abgerissen.
Baudler: Das gilt es zu verhindern. Noch ist die Strecke aber als Bahnstrecke gewidmet. Das würde sich nur ändern, wenn das Eisenbahnbundesamt feststellt, dass kein Verkehrsbedürfnis besteht. Eine Reaktivierung könnte deshalb auch rasch vonstattengehen, da dafür kein eigenes Planfeststellungsverfahren nötig wäre.
Kritiker der Bibertbahn sprechen stets davon, dass die Linie abseits der Siedlungsschwerpunkte liege und damit unattraktiv sei. Was entgegen Sie denen?
Baudler: Das wäre bei der U-Bahn in Richtung Oberasbach/Zirndorf nicht viel besser, auch hier ist nur jeweils ein Halt pro Kommune angedacht. Die Bibertbahn ließe sich mit einer Stadtbahn verbinden, die dann den Pinderpark, den Zirndorfer Bahnhof oder Oberasbach-Mitte anschließen könnte. Schon in den 90er Jahren hat man über ein Stadtbahnkonzept für den Landkreis nachgedacht, es dann aber zu Gunsten der teuren U-Bahn fallen lassen. Das ist ganz ähnlich wie mit dem Münchner Transrapid: Nach dem Aus steht man ohne Lösung da.
Eine Stadtbahn - wäre das auch für Stein eine Alternative?
Baudler: Das kommt darauf an, was man sich traut, ob man eine Strecke in die Hauptstraße legen würde. Grundsätzliche technische Probleme sehen wir aber keine.
Interview: BEATE DIETZ |