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Warum wurde Prof. Ulrich Hemel als Präsident der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt verhindert? Wer spielte dabei die entscheidende Rolle? Die NZ versucht das unübersichtlich gewordene Geflecht zu entwirren.
Eichstätts Bischof Gregor Maria Hanke: Erst sprach er sich deutlich für Hemel aus, jetzt soll sich angeblich kein «Vertrauen« zwischen ihm und dem gewählten Präsidenten entwickelt haben. Deshalb hat Hanke nach eigenen Angaben Hemel nicht zum Uni-Chef ernannt. Selbst traut sich der Bischof nicht in die Öffentlichkeit. Immerhin vor dem Professorenkollegium hat er gestern Rede und Antwort gestanden, aber auch nur vage Gründe angedeutet (Hemel hat zu wenig aktuelle Veröffentlichungen als Wissenschaftler und wollte eine andere Ausrichtung der Hochschule als der Bischof). Vermutet wird, Hanke habe den Schwenk nur vollzogen, weil ihn die anderen bayerischen Bischöfe unter Druck gesetzt haben. Der als liberal geltende Hanke ist durch seine Entscheidung vom Donnerstag stark geschwächt: In der bayerischen Bischofskonferenz hat er nichts zu melden.
KU-Vizepräsident Stefan Schieren: Er hat die undankbare Rolle, als Vize-Präsident die Geschicke der Hochschule leiten zu müssen, bis ein neuer Präsident gefunden ist. Dieser Auftrag läuft zwar Ende des Monats aus, soll aber wohl verlängert werden. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag merkte man ihm an, dass er gerne mehr gesagt hätte, aber nicht konnte und durfte.
Regensburgs Bischof Gerhard Ludwig Müller: Er scheint der eigentliche Drahtzieher zu sein. Hemel lehrt an der Uni Regensburg, Müller ist dort Bischof. Dem erzkonservativen Müller, der gegen Kirchenkritiker hart vorgeht und beim Missbrauchsskandal von Riekhofen unglücklich agiert hat, trauen viele zu, dass er die Bedenken gegen Hemel in Rom angemeldet hat. Ohne die drei konservativen «MMM« geht in Bayern nichts: Augsburgs Bischof Walter Mixa, der früher in Eichstätt das Sagen hatte, wurde von Hanke mehrmals vorgehalten, die verschlafene Uni brauche endlich ein Profil. Wenn sich Reinhard Marx, der mächtige Erzbischof von München und Freising, nicht auf deren Seite geschlagen hätte, wäre Hemel wohl auch nicht verhindert worden.
Studenten: Die Kommilitonen in Regensburg schätzen Hemel sehr. Er sei als Dozent kein typischer Theologie-Professor, sondern weltoffener und auch kritischer. Bei Eichstätts Studenten herrscht Unverständnis über die Nicht-Ernennung. Vor allem die fehlende Transparenz und die willkürliche Entscheidung kritisieren sie.
Heiliger Stuhl in Rom: Anfangs schien es, als wolle der Vatikan den als Papst-Kritiker in Erscheinung getretenen Hemel sein «nihil obstat« («Nichts steht entgegen«) verweigern. Diese Unbedenklichkeitserklärung hat der Vatikan tatsächlich nie abgegeben, angeblich hat er aber noch geprüft. Aus Rom verlautet, die Nicht-Ernennung sei eine Entscheidung des Eichstätter Bischofs gewesen - und nicht der Bildungskongregation des Vatikans.
Ulrich Hemel: Der «Manager des Jahres 2003« kritisiert vor allem, dass nicht einmal ihm die Gründe offengelegt wurden, warum er nicht zum Präsidenten ernannt werde. «Hanke soll endlich Ross und Reiter nennen«, fordert er. Hemel, der Grenzgänger zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, ist weiterhin Inhaber einer Beteiligungsgesellschaft. «Ich werde jetzt weiter Bücher schreiben oder mich wieder um mein Unternehmen kümmern«, kündigt der Religionspädagoge an. Hemel ist Opfer einer Intrige bisher unbekannten Ausmaßes in Eichstätt.
Wissenschaftsminister Thomas Goppel: Er hat mit seiner Äußerung am Mittwoch angestoßen, dass die Causa Hemel schnell entschieden werden musste. Inhaltlich schweigt Goppel und sieht nur zu, wie der Ruf der Hochschule beschädigt wird. Dabei wird die Uni zu etwa drei Vierteln aus Steuergeldern vom Freistaat finanziert und nur zu einem Viertel von den bayerischen Diözesen. Begründet wird dies damit, dass die Kirche die Aufgabe der Ausbildung von Studenten für den Freistaat übernommen hat.
Professoren: Unter den Hochschullehrern gibt es geteilte Meinungen. Vor allem die älteren Professoren, die noch unter dem ehemaligen Bischof Mixa ernannt wurden, fürchteten sich vor Hemel, weil dieser die Hochschule umkrempeln wollte. Bei der jüngeren Garde hörte man indes durchaus Lob über den Regensburger Professor. Besonders besorgt zeigten sich die Professoren, dass der Ruf der KU beschädigt wurde, und sie fürchten sich, dass sie bei der Vergabe von Forschungsprojekten durch Wissenschaftsorganisationen benachteiligt werden.
Markus Kaiser |