NÜRNBERG - Die 68er Generation macht wieder mobil. Doch diesmal sind es nicht reaktivierte Ex-Hippies oder Marxisten, die im Rentenalter noch einmal gegen die herrschenden Verhältnisse aufbegehren, sondern die «anderen« 68er, jene, die damals auch jung waren, aber nicht wie ihre rebellischen Altersgenossen von der Verwirklichung linker Utopien träumten. Die «Rentnerinnen und Rentner Partei« (RRP), gegründet im August 2007, hat mit den Linken nichts am Hut. «Die Linkspartei hat kein Programm. Die versprechen 60 Milliarden, aber woher nehmen sie die?«, ätzte Bundesgeschäftsführer Peter Seybold kürzlich in Nürnberg und schlussfolgerte sarkastisch: «Wenn die Linke an die Regierung kommt, hamm’ wer was schönes.«
Das Programm der RRP füllt inklusive Titelblatt knappe fünf Seiten. Die RRP wettert unter anderem gegen Staatsverschuldung, Bevormundung der Bürger und Verschwendung von Steuergeldern. Hauptsächlich geht es aber um «das Abschmelzen der Renten«. Johann Lampl, Vorsitzender des RRP-Landesverbandes: «Wenn es so weitergeht, bleiben den heute Jungen maximal 40 Prozent ihres Einkommens als Rente.«
Abhilfe schaffen soll eine Neuordnung des Sozialsystems. Ein «Versorgungssystem auf Kapitalbasis wie in Schweden« fordert der Bundesvorsitzende Helmut Polzer. Aus Sicht der RRP sollen alle abhängig Beschäftigten in die gleiche Rentenversicherung einzahlen. Die Altersversorgung von Beamten und Politikern müsse zu diesem Zweck «reformiert« werden, lautet eine der Kernforderungen des Parteiprogramms. Fehlende finanzielle Mittel sollen, «wenn nötig« aus Steuermitteln finanziert werden.
Allerdings schlug die in Nürnberg anvisierte Gründung eines Bezirksverbandes Mittelfranken fehl - es kamen schlicht zu wenig Interessierte. Am 9.Juni (11 Uhr, Gasthaus Gutmann am Dutzendteich) soll es besser laufen. Klappt es dann wieder nicht, droht die geplante Teilnahme der RRP an den Landtagswahlen im September zu scheitern.
Thomas Nagel |