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Studieren in Zeiten der EM

 Studieren in Zeiten der EM
Leere Bibliotheken und freie Sitzplatzwahl im Vorlesungssaal. Ganz so schlimm waren die Auswirkungen der Fußball-Europameisterschaft auf den Uni-Alltag zwar nicht, aber man hatte doch immer eine Ausrede parat, um jeden Abend vor dem Fernseher zu versacken.

Fußballspiele jeden Tag, anfangs sogar zwei hintereinander - das hinterlässt selbst bei einem noch so engagierten Studenten Spuren. Und wenn schon nicht der morgendliche Seminarbesuch in Gefahr geriet, da der Spielbeginn im Vergleich zur Weltmeisterschaft diesmal zu bester Primetime bei 18 Uhr oder 20.45 Uhr lag, dann litten zumindest die Hausarbeiten, Pflichtlektüren und Versuchsvorbereitungen.

Lerngruppentreffen an einem Spieltag? Fehlanzeige! Wer sich bereits zu Semesterbeginn für ein Referat eingetragen und nicht auf die möglichen Turnierpaarungen der Endrunde geachtet hatte, musste sich ärgern: Warum nur sollte die Powerpoint-Präsentation unbedingt noch vor der Endrunde fertig werden? Wieso lag die Sprechstunde an dem Morgen, der auf das Halbfinale folgte? Und erst die Prüfung kurz nach dem Finale - es schien als hätte sich der Sport gegen den eigenen Bildungsweg gewandt.

Lernen mit den Fußballturnieren

Fußball versus Studium? Dass es auch anders geht, zeigten Studenten des Scouting-Projekts des DFB an der Sporthochschule Köln. Sie haben sich schon vor der EM aktiv mit dem runden Leder auseinandergesetzt. Im Auftrag des Bundestrainers haben die Kölner Studenten vor der Euro 2008 die möglichen Gegner der Nationalmannschaft analysiert. Seit 2006 haben die Studenten aus Köln in über 3000 Stunden etwa 500 Länderspiele und 1500 Tore für Jogi Löw untersucht.

Schade, dass solche Seminare nur für Sportwissenschaftler angeboten werden.

Florian Meyer
30.6.2008
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