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| Herwig Mitteregger über seine neue CD |
«Lass dir nix erzählen, Mann« |
| «Lass dir nix erzählen, Mann« |
Da fliegt uns doch das Blech weg: Herwig Mitteregger ist zurück. Mit Spliff («Das Blech«, «Carbonara«), mit der Nina Hagen Band, aber auch als Produzent schrieb der musikalische Tüftler und Tausendsassa deutsche Musikgeschichte. Die vergangenen zehn Jahre hat er hauptsächlich in Spanien gelebt. Sein jüngstes Meisterück ist die CD «Insolito« und er hat darauf wieder fast alles selbst gemacht.
NZ: Gibt es einen kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen der spanischen Olivenernte und der Veröffentlichung einer neuen CD?
Herwig Mitteregger: Ich kenne mich mit der Olivenernte nicht so gut aus. Bei Mandeln schon eher. Da werden Netze unter den Baum gelegt und mit Bambusstangen auf den Baum eingewirkt, damit er seine Früchte fallen lässt. Mit einer CD-Veröffentlichung völlig unvergleichbar. Es sei denn, jemand hat mich neulich gesehen wie ich im Media-Markt die Käufer verdroschen habe ...
NZ: Ach ja?
Mitteregger: Gut, bei den Oliven weiß ich, dass sie sozusagen handverlesen gepflückt werden, wenn das Öl gut werden soll. Das kommt dem Produktionsprozess einer CD schon näher. Der kleinste gemeinsame Nenner ist wahrscheinlich eine gewisse Sorgfalt, ohne die beides nix werden kann.
NZ: «Schiff« heißt die erste Nummer des neuen Albums, «Segeln im Regen« ein anderer Song. Was haben Sie als gebürtiger Österreicher denn mit der christlichen Seefahrt am Hut?
Mitteregger: Es ist ja bekannt, dass das Fremde immer eine gewisse Faszination ausübt. Wenn man aus den Bergen kommt ist alles was mit Wasser zu tun hat, erst einmal gefährlich. So wäre ich tatsächlich, kaum raus aus den Bergen, im zarten Alter von sieben Jahren in Bregenz beinah in der Aach ertrunken. Seitdem traue ich keinem Wasser, dem ich nicht auf den Grund sehen kann. Gut, ans Meer habe ich mich gewöhnt - wenn auch nur vom Ufer aus.
NZ: Herwig, alter Cowboy: Wo sehen Sie - 20 Jahre nach Spliff, zehn Jahre nach Ihrer Solo-Karriere - heute Ihre Nische im Musikgeschäft?
Mitteregger: Nach wie vor erlaube ich mir den Luxus, über solche Dinge nicht zu kontemplieren. Ich würde mich sonst Ruckzuck für einen Marktstrategen halten. Ich muss immer lachen, wenn sich Kollegen in Analysen und Prognosen ergehen. Regelmäßig verhauen sie sich dabei um Längen. Ich halte mich da raus. Schuster bleib bei Deinen Leisten! Oder, um es mit Frank Zappa zu sagen: Shut up ’n play your guitar!
NZ: «Lass dir nix erzählen, Mann", singen Sie. Über wen? Sich selbst?
Mitteregger: Tatsächlich stand der Text eines Morgens im Spiegel meines Badezimmers. Mit Lippenstift!
NZ: Falco soll mal behauptet haben, wer sich an die 80er Jahre erinnert, hat sie nicht erlebt. Auch Sie hatten in den 80er Jahren Ihre größten Erfolge. Woran erinnern Sie sich?
Mitteregger: Nato-Doppelbeschluss, Reagan, Die Grünen, unser Platin-Erfolg mit Spliff, mein Solo-Ausritt! Der Fall der Mauer in Berlin. Wenn ich mich an all das nicht noch genau erinnern würde, hätte ich etwas falsch gemacht! Aber allzu nostalgisch mag ich es natürlich auch nicht. Alles zu seiner Zeit.
NZ: Schön für die Fans - aber dass Sie kurz nach der Veröffentlichung der neuen CD «Insolito« nun schon wieder im Studio basteln, um bis Herbst ein neues Album hinzukriegen, ist ungewöhnlich. Haben Sie so was wie einen inneren «Wüstenrot-Tag«?
Mitteregger: Na klar, ich spare ja auch schon kräftig für die neue Platte. Ist ja nicht billiger geworden, das Geschäft. Aber dass ich bis Herbst gesagt habe, halte ich für ein Gerücht. Eher Silvester.
Fragen: Christian Mückl |
| 1.7.2008 |
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